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Erinnerungsstätte im Rathaus

Während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung Attendorn kann die Erinnerungsstätte im Foyer des Rathauses besucht werden.

Zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt

Die Konzeption der Erinnerungsstätte richtet sich insbesondere an die Schüler und Schülerinnen der Stadt, die mit der bewusst didaktischen Aufbereitung dieser schwierigen und sensiblen Themen dazu beitragen soll, dass junge Menschen lernen, die Werte der Freiheit zu schätzen und Meinungsverschiedenheiten nicht durch Gewalt zu lösen versuchen, sondern mit den Mitteln demokratischer Gesinnung.

Musikstück “Aus der Asche“

Zum 80. Jahrestag der Bombardierung Attendorns im Jahr 2025 präsentierte der Komponist Lukas Steinberg das Musikstück “Aus der Asche“

Attendorn gedenkt der Opfer

Attendorn gedenkt der Opfer von Krieg und Gewalt. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs kam es in Attendorn zu ersten Überlegungen, wie man der Opfer in würdiger Weise gedenken könnte.1) Es gab zwar seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Krieger- und Landwehrverein, der auch alljährlich der Opfer früherer Kriege gedachte, ein Denkmal zum Gedenken an diese Menschen gab es aber nicht.2)

So regte die Attendorner Bürgergesellschaft 1920 an, einen Eichenhain anzulegen, in dem für jedes Opfer des Ersten Weltkriegs eine Eiche gepflanzt werden könnte. Die entsprechenden Planungen scheiterten aber an der Platzfrage.3)

So gab der Rat der Stadt schließlich eine Ehrentafel in Auftrag, die im März 1922 fertig gestellt und im Ratssaal platziert wurde [siehe gegenüberliegende Wand hier im Foyer des Rathauses]. Diese Tafel zeigt, in der Reihenfolge ihres Todes, die Fotografien der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten.4)

Zeitgleich wurde auf Initiative der Bürgergesellschaft auf dem Klosterplatz ein Kriegerdenkmal errichtet, das am 11. Juni im Rahmen der Feierlichkeiten zum 700jährigen Bestehen der Stadt Attendorn eingeweiht wurde. Gestaltet hatte es der Bildhauer Franz Belke aus Förde. Die Kosten in Höhe von 47.000,00 Reichsmark wurden durch Spenden aufgebracht.5)

Auch die Kirchengemeinden beider Konfessionen ließen in den Eingangsbereichen ihrer Kirchen durch die Anbringung von Namenstafeln die Erinnerung an die Kriegstoten lebendig werden.

Das Kriegerehrenmal auf dem Klosterplatz wurde durch die Munitionsexplosion stark zerstört, sodass man es in den 1950er Jahren entfernte. Auch das Ehrenmal im Turm der Pfarrkirche musste der Neugestaltung des Innenraumes weichen; allein die Gedenkstätte im Eingangsbereich der Erlöserkirche blieb bis heute erhalten.6)

Nach schwieriger Diskussion beschloss die Stadtverordnetenversammlung am 6. November 1953 die Errichtung einer neuen Ehrenanlage auf dem katholischen Friedhof an der Windhauser Straße. Zentrum dieser Anlage wurde die Plastik „Stille Klage“, die von dem Bildhauer Joss Röwer aus Essen gefertigt wurde. Deren Einweihung erfolgte am Volkstrauertag 1955.7) Seit diesem Zeitpunkt gedenken die Stadt Attendorn und die Schützengesellschaft alljährlich hier ihrer Opfer von Krieg und Gewalt.

In jüngerer Zeit wurde das Portal der 1945 zerstörten Franziskanerkirche auf dem ehemaligen Kirchenareal ausgelegt, um so an das Bombardement vom 28. März als auch an die Explosion vom 15. Juni 1945 zu erinnern.

Weil aber nirgends die Namen aller Opfer vorhanden waren, regte ein privater Initiativkreis 2007 die Schaffung einer neuen Gedenkstätte am Rathaus an.8) Diese wurde nach eigenen Entwürfen 2009 an der Außenwand des Rathauses eingeweiht. Sie wird ergänzt durch die Schaffung eines Gedenkraumes im Foyer des Rathauses, wo zum einen der unterschiedlichsten Verfolgungen während der Zeit nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, zum anderen an die Namen der 432 Opfer der Wehrmacht (1939 – 1945), des 28. März und des 15. Juni 1945 erinnert wird.

Quellen:

1) Stadtarchiv, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
2) Stadtarchiv, Akten B 478/2, C 547.
3) Siehe Anm. 1.
4) Desgl.
5) Desgl.
6) Hermann Hundt: Bomben auf Attendorn. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Attendorn
1930-1986. Attendorn, 2. Auflage 1986. – Pfarrarchiv Attendorn, Akte C 119.
7) Stadtarchiv, Ratsprotokoll vom 06.11.1953. – Akten E 2630 und E 2661.
8) Dem Initiativkreis gehörten an die Herren Günther Witte, Rudolf Keimer und Dr. Theo
Heller.

Zur Zeitgeschichte des Zweiten Weltkriegs in Attendorn1)

1. September 1939
Ausbruch des Zweiten Weltkriegs durch den deutschen Überfall auf Polen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Stadt Attendorn 6.403 Einwohner.

8. September 1939
Die Kellerräume unter dem Kreuzbündnis am Klosterplatz, dem Gymnasium und unter den Häusern der Witwe Viegener am Wassertor, Kersting und Harnischmacher auf der Niedersten Straße, unter der früheren evangelischen Schule am Südwall und unter dem Haus Cohn in der Wasserstraße werden als öffentliche Luftschutzräume eingerichtet.

29./30. Juli 1940
Feindliche Flieger werfen beim Ortsteil Mühlhardt Sprengbomben ab, die aber keine größeren Schäden verursachen. Auch im September fallen feindliche Sprengbomben, durch die aber lediglich Wald- und Flurschäden angerichtet werden.

9. Juni 1941
Auf dem Platz der Oberschule wurden zur Belehrung der Bevölkerung original englische Brandbomben entzündet. Es sollte deren Wirkung und Bekämpfung kennengelernt werden.

18. Juli 1941
An diesem Tag erhält die Grausamkeit des Krieges einen Namen. So ist mit dem Tod des Soldaten Georg Hanz der erste Gefallene aus der Kernstadt zu beklagen. Bis zum Ende des Krieges treffen wöchentlich neue Schreckensnachrichten ein.

22.-24. Oktober 1942
Man beginnt damit, für Kriegszwecke die Bronzeglocken aus dem Turm der katholischen Pfarrkirche herunterzuschaffen.

1. Mai 1943
Mit diesem Tag wird die Verwaltung des Amtes Attendorn mit der Stadtverwaltung für die Dauer des Krieges zusammengelegt. Gemeinsamer Bürgermeister wird Josef Schütte. Gleichzeitig wird die Amtssparkasse mit der Stadtsparkasse vereinigt.

31. Dezember 1943
Zum Ende des Jahres zählt die Stadt Attendorn 6.896 Einwohner, davon sind an die 600 zur Wehrmacht eingezogen. Außerdem lebten am Ende des Jahres am Orte 1.080 Ostarbeiter, 520 Kriegsgefangene und etwa 400 Bombenflüchtlinge und Evakuierte.

27. Oktober 1944
Versammlung zwecks Entgegennahme von Anmeldung Freiwilliger für den „Volkssturm“. Es meldete sich niemand.

16. Februar 1945
Der Zug Finnentrop-Olpe wurde gegen 10 Uhr mit Bordwaffen beschossen. Es wird von 16 Toten und vielen Verwundeten gesprochen.

21. März 1945
Es fiel in Attendorn die erste Bombe. Eine Stabbombe schlug durch das Dach der Fabrik M. Kutsch bis in den Kellerraum, ohne zu zünden.

Quellen:

1) Sämtliche Quellen entnommen aus: Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Bände 3 und 4. – Das Schema zum Anflug alliierter Luftstreitkräfte stammt im Original von Dr. Manfred Schöne, Düsseldorf und ist dem Buch von Hermann Hundt, Bomben auf Attendorn, entnommen.