Der Bombenangriff auf Attendorn am 28. März 1945
Mit dem 28. März 1945 befand sich die Kriegsfront vom einen auf den anderen Tag mitten im Kreis Olpe. Mit dem Schlüsselwort „Ramrod“, d.h. Ladestock, erhielten an diesem Morgen auf ihren Flughäfen in Virty-en-Artois (Nordfrankreich), Melsbroek (nordöstlich von Brüssel) und Schijdel (Holland) per Funk oder Telefon 72 mittelschwere Bomber der Royal Air Force den Befehl, die Eisenbahnverbindung zwischen Olpe und Attendorn, die als Nachschublinie galt, zu zerstören. Die beiden Städte galten dabei nicht als Ziele.
Da Olpe wegen einer Wolkendecke nicht sichtbar war, entschieden sich 22 Flugzeuge für das Ausweichziel Attendorn, wo 10 Minuten vor dem Eintreffen des drohenden Bomberverbandes Luftalarm ausgelöst wurde. Da sich allerdings die Alarmsignale in diesen Tagen derart häuften und die feindlichen Bomberverbände bisher immer noch ohne Angriff vorübergezogen waren, glaubten auch an diesem Mittwoch der Karwoche viele Menschen immer noch nicht an den Ernst der Lage. Für die Menschen der Stadt waren die Folgen dieser Bombenangriffe grausam und verheerend. Ein Zeitzeuge erinnert sich: Etwa eine Stunde nach dem Bombenangriff ging ich durch Mörtel, Staub, Lehm und Dreck den Grafweg hinunter. Dann sah ich Lehrer Zeppenfeld tot auf der Straße liegen. Einige Meter weiter lag ein totes Pferd und dann lagen da noch viele andere Tote. Viele Häuser in der Niedersten Straße waren zerstört und brannten. Zum Beispiel das Haus Eckmann (in dem Haus waren 4 Tote), das Haus Hormes, Café Reuber, die Häuser Müller und Franke. Vor Köpers Molkerei lag Otto Hamers, ein Nachbar von uns. Das war zu viel für mich und ich ging nach Hause. Auf dem Weg begegnete mir Frau Hamers, von ihren 10 Söhnen waren 6 im Krieg und nur 2 kamen wieder nach Hause. Hier wollte sie nach ihrem Sohn Otto und seiner Familie sehen. Ich war nicht in der Lage sie aufzuhalten. Hormes Anna fand man hoch bei Isenbergs am Grafweg im Birnbaum.
Über die Zerstörung des Wahrzeichens der Stadt, und damit als Beispiel für die Zerstörung von Sachwerten, berichtete Pfarrer Josef Köster folgendes: Bei diesem Angriff auf Attendorn gingen beim 1. Wurf die Kirchenfenster nach der Marktseite hin fast alle in Scherben. Beim 2. Wurf traf eine Bombe die süd-west Ecke des Turmes unmittelbar unter der Zwiebel und riss ein großes Loch in das gewaltige Mauerwerk. Bei diesem 2. Wurf wurden auch die beiden gegenüberliegenden Häuser (Schulte u. Keimer) getroffen. Im Schulteschen Haus entstand ein Brand, wahrscheinlich vom Herdfeuer aus. Er hätte im Entstehen leicht gelöscht werden können, wenn Wasser vorhanden gewesen wäre. Aber die Wasserleitung versagte, und es dauerte eine geraume Zeit, bis die Feuerwehr ihre Löscharbeiten aufnahm mit nur einem Schlauch und sehr schwachem Wasserdruck. Gegen 1.30 Uhr bemerkte man dann auch, wie der Turm der Pfarrkirche in seiner höchsten Spitze anfing zu brennen. Als es bemerkt wurde, was das Feuer noch klein und hätte vielleicht mit einem Eimer Wasser gelöscht werden können. Aber es war nach Angaben der Feuerwehr und Polizei nicht möglich, an den Brandherd heranzukommen. Beherzte Männer wollten es dann versuchen. Aber es war auch ihnen unmöglich. Schnell dehnte sich der Brand aus und bald stürzten schon die ersten brennenden Stücke herunter zum Teil auf das Kirchendach. Die Feuerwehr hatte immer noch nicht genügend Wasser, um einen Brand des Kirchendachs verhindern zu können. Zum Entsetzen der Pfarrangehörigen – die übrigens meist der Ansicht sind, das Kirchendach hätte wenigstens gerettet werden können – brannte auch das Kirchendach nieder. Das Gewölbe hielt wenigstens. Drei Bombenteppiche, wobei 132 Fünf-Zenter-Bomben abgeworfen wurden, zerstörten zwischen 10:59 Uhr und 11:04 Uhr weite Teile der Stadt und lösten dadurch ein Chaos aus. 119 Zivilisten starben, mit Soldaten und Ausländern betrug die Todesquote sogar 200. Die Zahl der Obdachlosen bei 141 total, schwer oder mittelschwer beschädigten Häusern mit 286 Wohnungen war hoch. 85 Häuser hatten geringere Schäden. Strom- und Wasserzufuhr blieben vorerst gestört. Einige Gebäude fingen Feuer. Der Mittwoch in der Karwoche des Jahres 1945 wurde für Attendorn zu einem Leidenstag, der wohl in der langen Stadtgeschichte ohne Beispiel ist.
Quellen:
1) Sämtliche Angaben zu diesem Beitrag wurden dem Buch von Hermann Hundt: Bomben auf Attendorn. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Attendorn 1930-1986. Attendorn, 2. Auflage 1986, entnommen. Die Fotos stammen aus dem Nachlass von Theodor Frey sen. und wurden dankswerterweise von dessen Enkel Markus Frey zur Verfügung gestellt.