Die Rolle der Frau
Harte Zeiten für die Frauen nach der gescheiterten Revolution 1848/49
Zwar hatte die Märzrevolution in Deutschland 1848 den Frauen schon einmal das Vereins- und Versammlungsrecht gebracht. Doch mit der Niederlage der demokratischen Bewegung fielen diese Errungenschaften wenig später der sogenannten Reaktion zum Opfer.
Das Scheitern der deutschen Revolutionen 1849 hatte nicht nur zur politischen Windstille und zur strafrechtlichen Verfolgung vieler Demokraten geführt. Die Restauration traf politisierte Frauen besonders hart, untersagte doch das 1850 in Preußen und manchen anderen deutschen Ländern erlassene Koalitionsverbot dem weiblichen Geschlecht jegliche öffentliche Betätigung in politischen Fragen oder die Vereinsgründung zu solchen Zwecken. Dabei gab es gesellschaftliche Missstände genug, die einen energischen weiblichen öffentlichen Widerspruch nahelegten.
Damals war es den Frauen in Preußen verboten, politischen Vereinen beizutreten. Nicht einmal die Versammlungen und Sitzungen durften sie besuchen. So bestimmte es das preußische Vereinsgesetz aus dem Jahre 1850, das die meisten deutschen Staaten weitgehend übernommen hatten.
Frauen "im Segment"
Erst 1902 erlaubte das preußische Abgeordnetenhaus den Frauen wenigstens, an politischen Versammlungen teilzunehmen. Allerdings mussten sie sich im Versammlungsraum in ein sogenanntes Segment begeben, was von der fortschrittlichen Presse im In- und Ausland höhnisch kommentiert wurde. Das Segment war ein mit einer Kordel abgetrennter Bereich. Nur dort durften die Frauen sich aufhalten, erklärt Kerstin Wolff vom Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel:
"Allerdings hatten sie in diesem Segment kein Rederecht, und sie durften auch mit keinerlei Gemütsäußerung kundtun, was sie von dem politischen Gegenstand hielten, der nun gerade in der Versammlung debattiert wurde."
Lockerungen erst ab 1908
Erst am 15. Mai 1908 hob ein neues Gesetz, das sogenannte Reichsvereinsgesetz, diese Verbote für Frauen auf. Nun endlich konnten sie in ganz Deutschland politischen Vereinen oder Parteien beitreten und auch das Wort ergreifen, erinnerte sich viele Jahre später Rosi Frölich-Wolfstein.
(Monika Löcken, Leiterin Südsauerlandmuseum)