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Der "Kuckel" als Hort der Demokratie

Attendorn gilt für die Jahre um 1848 als ein Herzstück demokratischen Aufbegehrens im Sauerland und in der preußischen Provinz Westfalen. Damals entstand der Negativ-Begriff "Demokratennest", ein Schimpfwort, das heute als Ruhmesblatt der Stadtgeschichte begriffen wird. Zuletzt hat Dieter Pfau in der Chronik zum 200-jährigen Jubiläums des Kreises Olpe darüber berichtet (Anmerkung (2): Pfau, Dieter: 200 Jahre Geschichte des Kreises Olpe 1817 – 2017. Olpe 2017.3).

Das erste Treffen der meist jungen Attendorner Demokraten fand statt in der Wirtschaft von Joseph Hundt, heute (2025) Hotel zur Post. Die Versammelten trugen einen Zylinder, der Präsident einen Schäferhut. Im Mittelpunkt stand vor allem ein Schneider Sommer, der in Paris gewesen war und dort manches gesehen und erlebt hatte. Nur vergaßen viele Teilnehmer aber das Bezahlen und der Wirt war nicht wenig erzürnt.

Danach wählte man den "Kuckel" mit dem Wirt Franz Bieker als Treffpunkt. Nach der Vereinsgründung wurden fast jedes Wochenende große Versammlungen abgehalten. Die neu gegründete demokratische Zeitung "Attendorner Blätter", im Stadtarchiv erhalten, informiert uns noch heute, was damals passierte. So wurde als Gedenkfeier zum 18. März 1848 (Anmerkung (3): Stichwort "Barrikadenaufstand": Am 18. März 1848 war der Ausbruch der bürgerlichen Revolution in Berlin, der als gewalttätiger Schritt den Weg zur Demokratie markierte. Es war DAS zentrale Ereignis der deutschen Freiheits- und Nationalbewegung.) im Folgejahr ein großes Treffen abgehalten. Die Zeitung berichtet:

Ein schöneres Fest, eine erhabenere Feier als wir gestern zu beobachten die Gelegenheit hatten, hat hier wohl noch nicht stattgefunden; der 18. März, der in Preußen dem Rechte des Volkes, der Freiheit der Nation, die Bahn brach, ist vom hiesigen demokratischen Verein in würdiger Weise gefeiert.Um 12 Uhr mittags entflaggte den Fenstern des Vereinslokals die Vereinsfahne, und in demselben Augenblicke wurde sie durch den Donner der Böller begrüßt. -- Gegen 5 Uhr nachmittags wurde die Eröffnung der Generalversammlung des Vereins durch mehrere Salven verkündet; der Feier des Tages würdige Reden setzten seine Bedeutung auseinander. 

Doch der Glanzpunkt des Festes entwickelte sich erst am Abende beim Beginn des für die Vereins-mitglieder veranstalteten Abendessens, welchem 115 Mitglieder beiwohnten. Das Vereinslokal war prachtvoll illuminiert; sinnvolle Transparente deuteten dem Publikum an, von welchem Geiste, von welcher Idee diejenigen erfüllt seien, welche zur Feier des Tages sich versammelt hatten.
Den Haupteffekt machte unstreitig der eine Transparent, wo die Göttin der Freiheit, liegend auf dem Erdballe allen Völkern zurief: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Ein anderer Transparent zeigte die mit Eichen- und Lorbeerkränzen umschweiften Worte: "Den für die Freiheit, für die Rechte des Volkes Leidenden." Der dritte Transparent galt den im Friedrichshain Ruhenden, mit den Worten: "Unsern am 18. und 19. März 1848 in Berlin gefallenen Brüdern."

Bei der Feier wirkte der hiesige Musikchor mit.