Zur Geschichte des Kuckel
Fassbar wird die Geschichte dieses Hauses erst mit dem Wiederaufbau nach dem Brand von 1783. Im Jahre 1784 (Anmerkung (1): Daten nach dem Häuserbuchfragment von Julius Pickert.) wird der Bäcker Wilhelm Herschede als Besitzer genannt und nach dessen Tod 1814 übernimmt sein Sohn, der Schenkwirt und Bäcker Laurenz Herschede den Besitz. Auf der Internet-Präsentation des Kuckels wird daher als Gründungsjahr der Wirtschaft das Jahr 1784 genannt. Als Laurenz Herschede 1844 stirbt, verlässt die Witwe Anna, geb. Isphording, Attendorn und wandert mit ihren neun Kindern nach Amerika aus.
Haus und Wirtschaft erwirbt ein Sohn des Schwagers des gestorbenen Laurenz Herschede namens Franz Bieker. Dieser führt die Wirtschaft weiter bis zu seinem Tod im Jahre 1884. Danach über- nimmt dessen Schwiegersohn Karl Schnütgen und in dessen Nachfolge Heinrich Schnütgen. 1910 kauft Joseph Heupel das Haus und 1927 wird sein Sohn Willi Heupel Besitzer. Es fällt dabei auf, dass der Name "Kuckel" sowohl das Haus, bzw. die Wirtschaft, bezeichnet, als auch Beiname des jeweiligen Wirtes ist. Willi Heupel, der Kuckel, war mir noch persönlich bekannt; seine Tochter Gitti war mit Karl-Heinz Beul ("Stacho"/Familie Beulco) verheiratet.
Wie der Beiname "Kuckel" zu deuten ist, wann er entstanden ist, woher er kommt, konnte auch Julius Pickert "trotz allen Forschens" nicht ergründen. Der Beiname ist wohl nur mündlich überliefert und taucht geschrieben nicht auf. Hingegen ist etwa das Grundstück des Gasthofs "Ritter", Kölner Straße, im Handriss zum Urkataster (1832) mit dem Vermerk gekennzeichnet "Neukirch, Joseph sen. gt. Ritter". Ähnliches ist bei der Parzelle des Kuckels nicht zu finden. Vielleicht deutet das auf ein Entstehen des Beinamens erst nach dem Aufmaß des Urkatasters hin.
Beim Versuch, das Wort "Kuckel" zu deuten, bin ich schließlich auf das Rheinische Wörterbuch gestoßen. Der Kreis Olpe liegt nicht weit entfernt vom Rheinland und grenzt im Bereich Drolshagen sogar direkt an. Dieses großartige Werk sammelt die vom Volk gesprochene Spache in der ehemaligen preußischen Rheinprovinz. Erschienen ist es in den Jahren 1923 – 1927 und 1971.
Ich erfahre, dass, notiert für die Bereiche Wuppertal und Mettmann, das Wort "Kuckel" in der Sprache des Volkes nicht unbekannt war. So war der Kuckel in der Kindersprache ein Synonym für Gockel und zum anderen bezeichnete es Personen, die ein übertrieben hoch gekämmtes Stirnhaar trugen, analog zum Hahnenkamm. Wenn man jetzt weiß, dass auch der Name Schnütgen ursprünglich aus dem rheinischen Dialekt stammt, ist es vorstellbar, dass die Benennung "Kuckel" Ende des 19. Jahrhunderts in Attendorn ihren Anfang nahm. Eine Hypothese, mehr nicht.