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Karnevalszug in Attendorn schöner und prunkvoller als je zuvor
Man wußte buchstäblich nicht wohin. Vielleicht ist dieser ein wenig hilflos anmutende Satz doch zutreffend für das, was sich in Attendorn, in der Hochburg des Sauerländer Karnevals, beim absoluten Höhepunkt der Kattfileria- Ereignisse abspielte. Gleich am Vormittag ging das los, als die "Narren" gegen 10 Uhr in Finnentrop den Zug in Richtung Attendorn besteigen wollten. So zum Bersten voll waren die Abteile und Plattformen, daß selbst die sonst so gestrengen Bahnpolizisten einfach mal ein Auge zudrücken mußten. Auf dem Olper Bahnhof wußte man ebenso wenig, wo man noch ein bescheidenes Stehplätzchen im Zuge nach Attendorn ergattern sollte, und in Heggen bei-spielsweise mußten die Schaffner die vielen wartenden Menschen auf den nächsten Zug vertrösten, weil sie nicht wußten, wohin mit ihnen. Na, und in Attendorn selbst! Tausende waren schon da, als wir eintrafen, und wieder wußten wir nicht, wo wir noch einen guten Platz finden konnten. Beim Zug war es nicht leicht zu entscheiden - der prächtig wie nie zuvor war - was man zuerst betrachten, belachen und bejubeln sollte. Und später war es schier unmöglich, noch einen Stuhl oder einen Dezimeter freien Raumes vor der Theke in den Lokalen zu erwischen, die vielen Narren aus nah und fern wußten kaum, wohin mit ihrer Stimmung. Kurz: Man wußte eben überhaupt nicht wohin.

Betriebe und Behörden, ja selbst die Schulen - diese auf ausdrücklichen Befehl seiner Tollität, des Prinzen Toni I. - waren geschlossen, die Räder standen still in Attendorn. Prinz Toni I. stattete den Kranken des Krankenhauses seinen trditionellen Besuch auf ihren Krankenzimmern ab, nachdem er den Schlüssel der Stadt im Sitzungszimmer des Rathauses aus der Hand des Stadtdirektors empfangen hatte. Und dann begannen die Räder sich zu drehen. Die des großen Karnevalszuges meinen wir, und die drehten sich dieses Jahr närrischer, als die vielen Kattfillergäste und die Närrinnen und Narren aus Attendorn selbst je vorher gesehen hatten. Mit einem bisher nicht gekannten Eifer, mit ungewöhnlich großem Aufwand auch hatten die Kattfiller ihre Wagen vorbereitet, und die 18 Fahrzeuge und mit ihnen die vielen Fußgruppen, die dann durch die Straßen zogen, verdienten schon allein deshalb den Beifall der Massen.

30 Jahre "Immer die selben"
Nun mit dem Jubel und mit dem Beifall kargte die Menge beileibe nicht. Stürmisch begrüßten sie die berittenen Herolde mit dem Narrenbanner, die den Zug anführten. Ihnen folgte der Prunkwagen des Clubs "Immer die selben" die zum 30. Male im Attendorner Karnevalszug mitmarschierten und dieses mal mit der "Gruga 1955" aufwarteten. Doppelstöckig war der Wagen "Letzte Runde", in dessen oberer Etage Boxer sich eine Partie lieferten. Bezeichnend und gelungen, sehr gelungen war das Gefährt mit dem Motto "Bier war sein letztes Wort dann trugen ihn die Englein fort". "Den Nervenklau an der Bigge" die Sirene der Hüttenwerke Siegerland in Attendorn, hatte sich eine andere Wagengruppe als Thema ausgesucht. Sie sorgte dafür, daß der Nervenklau nicht nur zu sehen, sondern auch gut zu hören war. Das Amt Blak mußte selbstverstänlich auch einige Male dran glauben, so im Wagen "Fürs Militär zu schwer", eine Glosse brachte der "Zuwachs im Attendorner Zoo" und ein riesenhafter, mit einem zweieinhalb Meter großem Kopf ausgestatteter Kater kündigte sich mit den einstweilen noch tröstenden Worten an:" Seid heut noch ohne Sorgen, ich komme doch erst morgen. "Die neusten Nachrichten" taten das Aktuellste des Tages der Menge kund, und dann nahte der Prunkwagen der roten Funken, des Präsidenten, des Elferrates, des Jubelprinzen Paul I., der Prinzengarde und schließlich, besonders herzlich und lebhaft begrüßt, der seiner Tollität des Prinzen Karneval Toni I. Er hatte gut lachen, denn vor ihm zog ein Karnevalszug, der ihm selbst und seinen Narren alle Ehre machte.

Die Auflösung des Zuges auf dem Marktplatz und der Einmarsch seiner Tollität unter Marschmusik führten in die wieder besetzten Lokale und in die Halle selbst.