Erinnerungsgeschichte
Attendorn gedenkt der Opfer
Attendorn gedenkt der Opfer von Krieg und Gewalt. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs kam es in Attendorn zu ersten Überlegungen, wie man der Opfer in würdiger Weise gedenken könnte.1) Es gab zwar seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Krieger- und Landwehrverein, der auch alljährlich der Opfer früherer Kriege gedachte, ein Denkmal zum Gedenken an diese Menschen gab es aber nicht.2)
So regte die Attendorner Bürgergesellschaft 1920 an, einen Eichenhain anzulegen, in dem für jedes Opfer des Ersten Weltkriegs eine Eiche gepflanzt werden könnte. Die entsprechenden Planungen scheiterten aber an der Platzfrage.3)
So gab der Rat der Stadt schließlich eine Ehrentafel in Auftrag, die im März 1922 fertig gestellt und im Ratssaal platziert wurde [siehe gegenüberliegende Wand hier im Foyer des Rathauses]. Diese Tafel zeigt, in der Reihenfolge ihres Todes, die Fotografien der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten.4)
Zeitgleich wurde auf Initiative der Bürgergesellschaft auf dem Klosterplatz ein Kriegerdenkmal errichtet, das am 11. Juni im Rahmen der Feierlichkeiten zum 700jährigen Bestehen der Stadt Attendorn eingeweiht wurde. Gestaltet hatte es der Bildhauer Franz Belke aus Förde. Die Kosten in Höhe von 47.000,00 Reichsmark wurden durch Spenden aufgebracht.5)
Auch die Kirchengemeinden beider Konfessionen ließen in den Eingangsbereichen ihrer Kirchen durch die Anbringung von Namenstafeln die Erinnerung an die Kriegstoten lebendig werden.
Das Kriegerehrenmal auf dem Klosterplatz wurde durch die Munitionsexplosion stark zerstört, sodass man es in den 1950er Jahren entfernte. Auch das Ehrenmal im Turm der Pfarrkirche musste der Neugestaltung des Innenraumes weichen; allein die Gedenkstätte im Eingangsbereich der Erlöserkirche blieb bis heute erhalten.6)
Nach schwieriger Diskussion beschloss die Stadtverordnetenversammlung am 6. November 1953 die Errichtung einer neuen Ehrenanlage auf dem katholischen Friedhof an der Windhauser Straße. Zentrum dieser Anlage wurde die Plastik „Stille Klage“, die von dem Bildhauer Joss Röwer aus Essen gefertigt wurde. Deren Einweihung erfolgte am Volkstrauertag 1955.7) Seit diesem Zeitpunkt gedenken die Stadt Attendorn und die Schützengesellschaft alljährlich hier ihrer Opfer von Krieg und Gewalt.
In jüngerer Zeit wurde das Portal der 1945 zerstörten Franziskanerkirche auf dem ehemaligen Kirchenareal ausgelegt, um so an das Bombardement vom 28. März als auch an die Explosion vom 15. Juni 1945 zu erinnern.
Weil aber nirgends die Namen aller Opfer vorhanden waren, regte ein privater Initiativkreis 2007 die Schaffung einer neuen Gedenkstätte am Rathaus an.8) Diese wurde nach eigenen Entwürfen 2009 an der Außenwand des Rathauses eingeweiht. Sie wird ergänzt durch die Schaffung eines Gedenkraumes im Foyer des Rathauses, wo zum einen der unterschiedlichsten Verfolgungen während der Zeit nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, zum anderen an die Namen der 432 Opfer der Wehrmacht (1939 – 1945), des 28. März und des 15. Juni 1945 erinnert wird.
Quellen:
1) Stadtarchiv, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
2) Stadtarchiv, Akten B 478/2, C 547.
3) Siehe Anm. 1.
4) Desgl.
5) Desgl.
6) Hermann Hundt: Bomben auf Attendorn. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Attendorn
1930-1986. Attendorn, 2. Auflage 1986. – Pfarrarchiv Attendorn, Akte C 119.
7) Stadtarchiv, Ratsprotokoll vom 06.11.1953. – Akten E 2630 und E 2661.
8) Dem Initiativkreis gehörten an die Herren Günther Witte, Rudolf Keimer und Dr. Theo
Heller.