Kapelle Waldenburg
Die Geschichte der Waldenburger Kapelle
Mit dem Bau der Waldenburger Kapelle wurde im Jahre 1712 begonnen. Vermutlich wurde sie als Ersatzbau für eine in der Burg vorhandene Kapelle errichtet, die durch den Brand der Burg zerstört worden war. Im November 1713 wurde das Kapellendach gedeckt; die Arbeiten wurden im Juni 1714 durch den Attendorner Schreinermeister Johannes Zeppenfeld fortgesetzt. Im gleichen Monat wurde die Kapelle auch verputzt und mit behauenen Steinplatten ausgelegt. Am 23. April 1715 trat erstmals der Bildhauer Peter Sasse in Erscheinung; er fertigte den heute noch im Südsauerlandmuseum vorhandenen Altar. Schließlich erscheint noch der Maler Anton Sasse, der am 3. April 1717 für Malerarbeiten und 1718 für die farbige Fassung von vier Bildern [am Altar] entlohnt wurde.
Mit dem Abschluss der Bauarbeiten setzte auch unverzüglich die liturgische Benutzung der Kapelle ein. So weihte der Hospitalsrektor Stephan Dingerkus, ein enger Freund des Hauses Fürstenberg, am 16.2.1723 im Beisein der Mitbrüder Johann Theodor Welter aus Sundern und des Schnellenberger Burgvikars Henrich König im Auftrag des Weihbischofs Johann Werner von Veyder aus Köln die Waldenburger Kapelle.
Die Marienverehrung in Waldenburg in Verbindung mit zahlreichen Wallfahrten scheint mit der Einweihung der Kapelle in Gang gekommen zu sein, denn bereits am 5.7.1739 werden in einer Ausgabeliste unter anderem der Verbrauch von 12.000 Hostien erwähnt. Dies ist sicherlich eine ungewöhnlich hohe Zahl. Auch wurde die Waldenburger Madonna mit Schmuck ausgestattet. Gläubige schenkten ihn zur Verehrung der Gottesmutter, wenn sie glaubten, dass ihnen in bestimmten Anliegen geholfen worden war. So ist auch für die Waldenburger Madonna überliefert, dass Maria Catharina Zeppenfeld 1756 für sie Krönchen und Stricklein fertigte.
Zwischen 1790 und 1801 zelebrierte der Attendorner Vikar Hoberg wöchentlich 1 hl. Messe in Waldenburg und erhielt dafür jährlich 26 Rtl. von Friedrich Leopold von Fürstenberg.
Am 11.07.1817 bestätigte der Vikar Franz Clemens Nückel zum Schnellenberger Hospital den Empfang des Silberwerks durch Rentmeister Schmitz zu Schnellenberg. Vermutlich wurden seit diesem Zeitpunkt die kostbaren Pretiosen im Schnellenberger Hospital verwahrt, während in der Kapelle selbst einfachere Gegenstände benutzt wurden.
Im Zuge des Biggetalsperrenbaus wurde die alte Kapelle abgerissen und originalgetreu oberhalb ihres alten Standortes wieder aufgebaut. Zwar wurden eine Sakristei, ein Altarraum und ein Vorbau errichtet, doch konnten der historische Dachstuhl mit geschweifter Haube und Dachreiter wiederverwendet werden. Während der Bauarbeiten an der neuen Kapelle hatte man das Gnadenbild zur Verehrung in der Attendorner Hospitalkirche aufgestellt. Von dort wurde es in feierlicher Prozession am 11. Dezember 1965 in die neue Kapelle gebracht. Das 30 cm hohe Gnadenbild wird seitdem mit einer gepanzerten Glasvitrine geschützt.
Über die Herkunft des Waldenburger Gnadenbildes wurden schon viele Überlegungen angestellt. Letztlich endeten sie alle in Vermutungen. So wird berichtet, dass ein Schäfer die Skulptur in einem Baum gefunden und an Stelle des Baumes eine Kapelle errichtet habe. Andere Quellen vermuten eine Verbindung mit dem ehemaligen Kloster Ewig; wieder andere bringen die Entstehung der Waldenburger Kapelle mit den Attendorner Franziskanern in Verbindung. Auch der Wechsel vom ursprünglichen Kapellenpatron Rochus in den der Gottesmutter Maria war vielfach Gegenstand umfassender Überlegungen. In den zurückliegenden fast 300 Jahren kamen die Gläubigen zur Waldenburger Kapelle, um zu beten und vor dem Gnadenbild in wichtigen Anliegen die Hilfe der Gottesmutter zu erbitten. Vielleicht ist ja gerade deshalb die genaue historische Deutung gar nicht so wichtig.
Von Stadtarchivar Otto Höffer