Das „OBEN OHNE“ – Phänomen Warum es keine Frauen in unseren Chefetagen gibt
Am 25. Oktober 2007 veranstalteten die Kommunikationsagentur mmh (früher: Multimediahaus) in Lüdenscheid und die Stadt Attendorn zum sechsten Mal in Folge das Attendorner Wirtschaftsgespräch. Dabei kam es zu einer echten Premiere, denn mit Barbara Bierach betrat zum ersten Mal eine Frau die Bühne der Stadthalle, um mit dem Moderator Dietmar Baum und dem Publikum der Frage nachzugehen, warum es so wenige Frauen in Top-Positionen deutscher Unternehmen gibt.
Barbara Bierach, 1965 in Mannheim geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Politischen Wissenschaften und der Volkswirtschaftslehre in München zunächst beim Bayerischen Rundfunk und beim Burda-Verlag. Sie leitete jahrelang die Management-Berichterstattung der Wirtschaftswoche und lebt zurzeit als freie Journalistin und Autorin in Sydney.
Sie ist Bestseller-Autorin mehrerer Bücher über Frauen in Führungspositionen. Bereits 2002 griff sie in "Das dämliche Geschlecht" die Frage auf, warum es kaum Frauen im Management gibt. In ihrem Buch "Oben ohne - Warum es keine Frauen in unseren Chefetagen gibt " befasst sie sich mit dem Karriere- und Kinderproblem speziell der deutschen Frauen. Ihre Aussagen gehören zu den pointiertesten im deutschsprachigen Raum. Insofern war schon im Vorfeld der Veranstaltung für Spannung gesorgt, wie ihre Thesen im christlich-familiär geprägten Sauerland ankommen würden.
„Der schlimmste Feind der berufstätigen Mutter ist die Hausfrau“. „Frauen sind dämlich, faul und unaufrichtig“. Mit diesen und ähnlichen schlagkräftigen Formulierungen schaffte es die Journalistin, das Problem in der deutschen Wirtschaft auf den Punkt zu bringen. Schon aus ökonomischer Perspektive sei es schlichtweg dumm, wenn eine Volkswirtschaft freiwillig auf 50 Prozent ihres Talentepools verzichten würde. Solange aber Arbeit mit Anwesenheit in der Firma gleichgesetzt würde, Meetings noch nach 18.00 Uhr stattfänden, es an entsprechenden Kinderbetreuungsangeboten fehle und viele andere ganz praktische Probleme die Vereinbarkeit von Familie und Beruf behinderten, laufe es regelmäßig auf die Entscheidung Kind o d e r Karriere hinaus. Zu diesen faktischen Hindernissen, käme dann auch noch die gefühlte Belastung resultierend aus der in Deutschland immer noch vorherrschenden Mütterkreuzphilosophie. Wer seinen Kindern die Mahlzeiten nicht höchstpersönlich zubereite gelte immer noch schnell als Rabenmutter, einen Begriff, den man sonst nirgendwo auf der Welt kennen würde.
Das Ergebnis sei daher auf zweifache Weise traurig: Deutschland habe nicht nur die wenigsten Frauen in Führungspositionen, sondern gleichzeitig auch noch die niedrigsten Geburtenraten in der industrialisierten Welt. Eindringlich forderte Barbara Bierach deshalb Arbeitsbedingungen, die Karriere mit Kindern ermöglichen würden. Gleichzeitig aber mahnte sie auch die Frauen, ihre eigenen Interessen stärker durchzusetzen.
Mit diesen konsequenten und streitbaren Aussagen sorgte Barbara Bierach im Anschluss an in ihren spannenden Vortrag für eine noch lange dauernde, angeregte Diskussion mit den rund 180 Gästen des Wirtschaftsgesprächs.
Ärztenotdienst für den Feiertag:
05. Feb. 2012
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