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4. Attendorner Wirtschaftsgespräch

Den China–Code knacken

Foto von Frank Sieren

Eine vollbesetzte Stadthalle mit rund 350 Zuschauern, ein spannender Vortrag und viele Informationen aus dem Reich der Mitte - das 4. Attendorner Wirtschaftsgespräch am 2. November 2005 war ein voller Erfolg.

Frank Sieren, Jahrgang 1967, China-Korrespondent der Wirtschaftswoche und nicht nur laut London Times „einer der führenden deutschen China-Experten“, war als Referent geladen. Bereits seit 1994 lebt er in Peking und zählt daher zu den wenigen China-Experten, die über den steilen wirtschaftlichen Aufstieg und die atemberaubenden politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im aufstrebenden Reich der Mitte aktuell und aus erster Hand berichten können.

So ließ Sieren keinen Zweifel daran, dass China die Welt verändern wird. Gleichzeitig warnte er, weil epochale Umbrüche die unangenehme Eigenschaft besäßen, nicht als solche wahrgenommen zu werden. Chinas Aufstieg sei ein Beispiel dafür. „Es ist wie ein in der Ferne grollendes Gewitter, das einen beim Picknick überrascht. Man will nur noch schnell den Hähnchenschenkel aufessen, und schon hagelt es.“

Die Zukunft vieler deutscher Unternehmen würde aber in China entschieden, prophezeite der Wirtschaftsjournalist. China sei inzwischen nicht nur als Billiglohnland attraktiv, sondern auf dem Weg zum größten Produzenten, Exporteur und Importeur. Das chinesische Wirtschaftswachstum betrage jährlich 9 Prozent, weshalb davon auszugehen sei, dass China Deutschland schon bald als drittgrößte Volkswirtschaft nach den USA und Japan ablösen werde.

Die führende Position auf dem Absatzmarkt und die anhaltende Aufschwungphase sieht Sieren, gemessen an der damaligen Entwicklung Japans, für die nächsten 150 Jahre voraus. Fortschritt heißt das oberste Gebot, dem sich jeder Einzelne unterzuordnen habe. „Für die Chinesen ist es unvorstellbar, dass der Bau eines Flughafens am Widerstand eines Landbesitzers scheitern könnte“, so der China-Experte.

Um ein solches Wirtschaftswachstum dauerhaft sicherzustellen – immerhin muss die chinesische Regierung Jobs für rund 200 Millionen Arbeitslose schaffen – ist es Ziel, die Produkte selbst herzustellen. „Konkubinenwirtschaft“, so nennt Frank Sieren das daraus resultierende Problem ausländischer Investoren. Hersteller, im übrigen Teil der Welt Konkurrenten, wären gezwungen, Gemeinschaftsunternehmen mit einer chinesische Muttergesellschaft aufbauen. So würde Know-how kopiert, um selbständig produzieren zu können – mit oder ohne Lizenz. Noch kauft China deutsche Produktionsanlagen, aber „sie beginnen, unsere Maschinen nachzubauen“.

Frank Sieren zeichnete zwar ein düsteres Bild, zeigte aber auch Wege, wie wir uns dem Problem stellen können. „Europa hat nur eine Chance gegen China, wenn es mit einer Stimme spricht und brutal darüber nachdenkt, was es besser machen kann“, so sein Appell. Da der China-Korrespondent allerdings wenig Hoffnung in die Politik setzt, riet er zur Selbsthilfe. „Wir müssen akzeptieren, dass nun andere die Spielregeln bestimmen und uns anpassen.“ Wenn man lamentiere, würde die chinesische Konkurrenz schnell aufholen und die Produktionskostenvorteile gnadenlos nutzen. „Deshalb müssen wir uns auf unsere Stärken besinnen, unser Know-how gezielt einsetzen, nach Weiterentwicklungen streben, um so immer eine Nasenlänge vorauszusein“.

Pressespiegel

Die Presseberichterstattungen über das 4. Attendorner Wirtschaftsgespräch bieten wir Ihnen hier im PDF-Format an:

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