Auf Burg Schnellenberg oberhalb von Attendorn gab es um 1200 mehrere Burgmannssitze. „Einer war freies Eigentum der Familie von Schnellenberg, ... die anderen waren im Besitze der Kölnischen Kirche“. Der Kölner Erzbischof Engelbert I. von Berg baute um 1222 die auf einem Felsen über der Bigge liegende Burg aus, um die kölnische Stellung in diesem Raum zu festigen und die Heidenstraße zu sichern. Durch weitere Ausbauten in späteren Jahrhunderten wurde Schnellenberg zur mächtigsten Burg des Sauerlandes. In der Durchfahrt zur Oberburg ahnt man noch etwas von der regen Geschäftigkeit vergangener Jahrhunderte. Denn die unzähligen Wagen, die hier voll beladen oder leer ein- und ausfuhren, haben ihre Spuren deutlich im steinigen Untergrund hinterlassen.
1594 kaufte Caspar von Fürstenberg (1545-1618) die halb verfallene Burganlage. Doch erst 1609 wurde Schnellenberg sein ständiger Wohnsitz, denn vierzehn Jahre dauerte der Um- und Wiederaufbau, man legte u.a. Wasserleitungen und brach den Schiefer in der nahen Engelsbocke, die Caspar von Fürstenberg 1599 als „Engelsbecke“ bezeichnet. In einem Kolloquium zur Wegeforschung führt Philipp R. Hömberg im Jahr 2000 aus, dass „südlich der Burg Schnellenberg erstmals die im steil ansteigenden Hang liegenden Hohlwege in ihrem vollen Umfang erfaßt und dokumentiert“ wurden und weist darauf hin, dass von mehreren parallelen Hohlwegen „einer von der Abraumhalde einer Schiefergrube überlagert wird“. Im Meßtischblatt von 1896 ist an dieser Stelle noch eine kleine Halde eingezeichnet.
Caspar von Fürstenberg, Droste von Bilstein und später Landdrost von Arnsberg, „die hervorragendste Persönlichkeit seiner Heimat“ und höchster Beamter des Herzogtums Westfalen, legte besonderen Wert auf die Ausstattung der dem hl. Georg geweihten kleinen Schlosskapelle in der Oberburg. Sein Bruder Dietrich, Fürstbischof von Paderborn, finanzierte seit 1598 die „mit erstaunlicher Geschichte“ ausgestattete Kapelle. Diese Prunkentfaltung diente dem Ansehen der Familie von Fürstenberg, hatte aber auch „kultische wie religiös-didaktische Funktion“. Im Deckengewölbe findet man unter den Aposteln Dietrich als Apostel Jakobus d.Ä. mit dem Pilgerstab. „Es handelt sich um ein sog. Rollenporträt. Indem Dietrich die Rolle eines Apostels übernimmt, wird er geehrt und zugleich unter einen hohen Anspruch gestellt“.
Auf besondere Beziehungen derer von Fürstenberg zum Apostel Jakobus weist auch der Spruch hin, den man in der Durchfahrt zur Oberburg entdeckt und der hier übersetzt wiedergegeben wird: „Nicht draußen bleibe der Fremde/der Pilger. Mein Tor stehe offen dem Reisenden/dem Wanderer“. Außerdem findet man in der Toranlage zur Unterburg eine Jakobusmuschel, wohl ein weiteres Zeichen, dass hier auch Pilger gern gesehen waren und sind. Sollte da nicht einer der von Fürstenberg’schen Familie in Santiago de Compostela am Grab des Apostels Jakobus gewesen sein?
Ausführungen im Tagebuch des Caspar von Fürstenberg deuten tatsächlich darauf hin, dass sein Sohn Johann Gottfried, Domherr in Mainz und Paderborn sowie Propst in Meschede, über Santiago de Compostela nach Rom gezogen ist. Caspar schreibt am 18. 10. 1608: „Ich nimb mit meinem son, dem hern probsten, meinen abschiedt, wunsche imme gluck uf die reise in frembde landt“. Am 01. 12. 1608 erfahren wir, dass sein Sohn „h(er) Johan Gottfridt ... bis gen Molpergart (Montbéliard in der burgundischen Pforte, Anm. d.V.) glucklich furtkommen“ ist. Am 21. 02. 1609 befindet sich Johann Gottfried bereits in Léon. Dieser Ort liegt am camino, dem ‚Jakobusweg‘ von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela. Da nach Pieler Caspar von Fürstenberg die Reise seines Sohnes „eine Wallfahrt“ nannte, ist wohl anzunehmen, dass er nach Santiago weiterzog, obwohl dieser Ort als Reiseziel nicht ausdrücklich erwähnt wird. Es macht wenig Sinn, den camino so kurz vor dem Grab des Apostels Jakobus zu verlassen, einem der drei wichtigsten Wallfahrtsorte des Mittelalters, zumal Johann Gottfried mit Rom einen weiteren dieser wichtigen Wallfahrtsorte besucht. Vier Wochen später, am 20. 03., meldet sich der Sohn dann aus Madrid, am 29. 06. aus Senis in Italien. Am 09. 11. 1609 wird Caspar berichtet, sein Sohn sei vom „pontifex gar woll entfangen“ worden und wolle Weihnachten wieder in Mainz sein. Am 13. 12. 1609 schreibt Caspar, sein Sohn Johann Gottfried sei zurück und werde ihn über den Besuch „bei pabstlicher heiligkeit“ unterrichten. Caspar starb 1618 im Alter von 73 Jahren „in seinem Amtssitz Arnsberg“ und wurde in der Klosterkirche Wedinghausen beigesetzt.
Im 19. Jahrhundert richtete man im rechten Seitenflügel der Unterburg eine Brauerei ein und stellte „erhebliche Mengen guten Bieres“ her, das mit 12 Mauleselgespannen an die Gasthöfe bis ins Ruhrtal geliefert wurde. Zur Kühlung des Bieres liess Graf Schmising-Kerssenbrock Felsenkeller in der Nähe der Burg anlegen.
Durch Wegzug der Familie von Fürstenberg und einen Brand im Jahre 1889 verfiel die Burg abermals, ehe Wenemar Freiherr von Fürstenberg sie 1931 erbte und bis 1961 wieder herstellen ließ. Heute ist die „seit 1594 ununterbrochen im von Fürstenberg’schen Familienbesitz“ befindliche Burg Schnellenberg als Hotel (fünf Sterne) und Restaurant für jedermann zugänglich. „Die Pächterfamilie Bilsing“ betreibt das Hotel/Restaurant seit 1928. Sehenswert ist auch die Schatzkammer der Burg Schnellenberg, die nach Vereinbarung besichtigt werden kann, T. 02722/6940.
Eine Variante der Heidenstraße führte durch die Hohlwege am Kutschenberg und an der Kluse oberhalb Attendorns vorbei. In der heutigen Pferdekoppel der Burg Schnellenberg oberhalb der Tennisplätze sowie im Bereich der ‚Einsamen Tanne‘ zeigen zahlreiche Hohlwegspuren den ehemaligen Verlauf noch an. Auch die Straßenbezeichnung ‚Kluser Weg‘, früher ‚Hundts Kluse‘, erinnert an eine Klause, in der in den Jahren vor 1726 ein Eremit lebte.
Quelle: „Wandern und Pilgern auf der Heidenstraße – Auf den Spuren der Jakobuspilger im kurkölnischen Sauerland zwischen Oberkirchen und Attendorn“ (ISBN 3-89710-296-X, Bonifatius-Verlag Paderborn) von Annemarie und Herbert Schmoranzer und Franz-Norbert Scheele, Herausgegeben vom Sauerländer Heimatbund.
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