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Die Heidenstraße ist in Attendorn allgegenwärtig

Attendorn und die Zeugnisse der Jakobuswallfahrt

Wegen der verkehrsgünstigen Lage im Kreuzungspunkt zweier Fernhandelsstraßen wurde Attendorn schon früh Sammelort für Kreuzritter und Pilger. Im Wohltäter- und Totenbuch Nr. 28 der Attendorner Franziskaner werden zwei “Jakobiten“ namentlich genannt, nämlich „Johann Henrici und Johann Schmidt aus Westfalen“. Sie hatten im Juli 1702 im Kloster 1000 Gulden hinterlegt, bevor sie sich auf den weiten Weg nach Santiago de Compostela machten.

Es gibt aber auch heutige Zeugnisse einer Jakobuswallfahrt von Attendorn aus. Die St.-Ursula-Realschule feiert ihr 50jähriges Bestehen. Weil Jubiläen „Wegmarken“ sind, „die ... ein(laden), inne zu halten, zurück zu blicken, aber auch Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln“, und weil man um die Jakobus-Tradition in Attendorn weiss, pilgerte die gesamte Schule mit über 600 Schülern im Jahr 2004 nach Santiago de Compostela. Begonnen wurde in Puenta la Reina, wo die Königin im 13. Jahrhundert für Pilger extra eine Brücke bauen liess, damit sie den Argo gefahrloser überschreiten konnten.

Weitere Spuren der mittelalterlichen Jakobuswallfahrt traten 1974 bei archäologischen Grabungen im Sauerländer Dom zutage. Man fand in einem von vier Gräbern ein fast 1,90 m großes Skelett mit einer Jakobusmuschel auf der Brust. „Seit dem 11. Jahrhundert“ wies die „Muschel ihren Träger als Jakobuspilger aus, der kein Wegegeld und keinen Zoll bezahlen mußte, der unterwegs nicht in Kriegshandlungen verwickelt werden durfte und dessen Schwur ‚im Namen seiner Reise‘ als Zeugnis galt“.

Diese Jakobusmuschel wird im Südsauerlandmuseum aufbewahrt. Im Sammlungsbereich ‚Kirchliche Kunst‘ entdeckt man weitere Fundstücke, die auf Jakobusverehrung und Pilgerfahrt hinweisen, z.B. zwei Pilger-Ampullen mit Muschel- und Liliendekor; ein Pilgerhorn; den Abguss einer Glocke (16. Jahrhundert) aus der Pfarrkirche zu Helden, auf der sich eine Abbildung des hl. Jakobus befindet, und eine von Prälat Leymann gestiftete Jakobusfigur aus dem frühen 16. Jahrhundert, um nur einige zu nennen.

Der Sauerländer Dom – Pfarrkirche St. Johann Baptist

Die Urpfarreien im Sauerland „lagen an alten, von Köln kommenden Straßen“. Auch in Attendorn wurde die erste Pfarrkirche im 9. Jahrhundert an einer solchen Straße gebaut, an der Heidenstraße. Zwei weitere Bauten folgten, ehe die jetzige dreischiffige Hallenkirche in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand. Der inzwischen erreichte Wohlstand der Stadt spiegelte sich auch in der Ausstattung des Gotteshauses wider.

Auch der Hochaltar wurde wiederholt verändert. Der barocke von Johann Sasse brannte 1783 ab und wurde 1811 durch den von Theodor Axer ersetzt, der ursprünglich für Kloster Grafschaft hergestellt worden war. 1885 erhielt die Pfarrkirche einen neugotischen Altar, Teile des Axer-Altares kamen nach Fröndenberg. „Der seelenlose neugotische Altar“ wurde 1953 durch eine Mensa ersetzt, im Jahre 2001 erfuhr der Chorraum eine völlige Neugestaltung. Der Jakobusaltar wurde ebenfalls veräußert, und zwar 1848 nach Elben/Wenden. Der ehemalige Altar der Jakobus- und Andreas-Vikarie ist der heutige Agatha-Altar an der nördlichen Langwand.

Der frühere Haupteingang der Kirche fällt durch besonders reiche Portalgewände auf. Dieses Portal wurde bei Prozessionen geöffnet und wenn „hohe Gäste“ zu empfangen waren, die früher „durch Wassertor und Wasserstraße zur Kirche“ gelangten.

Relikte des dritten Kirchbaus, der romanischen Basilika, die um 1200 entstand, sind u.a. die vier unteren Geschosse des Kirchturmes. Im „kapellenartigen Raum“ im ersten Obergeschoss verwahrte man „in kritischen Zeiten die wichtigen Archive der Stadt“.

Am Portal der Südseite befindet sich ein Mauerstein aus Grauwacke in einem Wandpfeiler, ein sogenannter Kratzstein mit tiefen Rillen, die „mit einem harten Gegenstand eingeritzt“ wurden. Das Steinmehl fing man in „Ledersäckchen“ auf und behandelte damit das Vieh im Stall, nahm es z.B. aber auch auf Jakobuspilgerfahrt mit, um Beschwerden unterwegs zu lindern.

Auch das Geläut soll einen besonderen Klang gehabt haben, weil ein Glockengießergeselle aus Unkenntnis für die neue Glocke eine Goldplatte einschmolz, so erzählt die Sage. Für den Guss der neuen Glocke hatten die Attendorner allerlei Metall gespendet. Darunter war auch eine schwarze Eisenplatte, an deren Klang der Meister sofort erkannte, dass sich unter der Tarnung eine Goldplatte befand, die er für sich auf die Seite stellte. Sein Geselle jedoch goss die Glocke aus eben dieser Platte, während der Meister außerhalb Attendorns arbeitete. Als er bei seiner Rückkehr am wunderbaren Geläut hörte, dass die Goldplatte verarbeitet worden war, erschoss er den Gesellen wutentbrannt. Dafür wurde er „zum Tode durch das Schwert verurteilt“.

Hospitäler in Attendorn

Die Hospitäler in Attendorn sollten Kranke, Alte, Pilger und Fremde versorgen. Das erste, „weitbekannte“ Hospital (Hövel) entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts direkt an der Heidenstraße vor dem Wassertor. Erzbischof Heinrich II. (1304-1332) von Köln hatte den Bau dieses Hospitals mit Friedhof und Kapelle genehmigt, in der später wohl die Vikarie St. Barbara errichtet wurde. Das Hospital nahm nicht nur Bedürftige aus der Umgebung auf, sondern auch Fremde, Reisende und Pilger, die im Fall ihres Todes auf dem angrenzenden Friedhof ihre letzte Ruhe fanden. Der gesamte Hospitalkomplex wurde immer wieder mit Stiftungen bedacht. Zu den „besondere(n) Wohltäter(n)“ gehörte seit dem 16. Jahrhundert die Familie von Fürstenberg auf Burg Schnellenberg.

Ab 1852 richtete man im Hospital ein modernes Krankenhaus ein. 1896 riss man das Gebäude ab und ersetzte es durch einen Neubau. Als das an anderer Stelle errichtete neue Krankenhaus 1929 bezogen worden war, baute man das Hospital zu Wohnungen um, die Wirtschaftsgebäude vermietete man an die Lehrwerkstatt. 1975 wurde das Bauwerk abgerissen, am alten Platz an der Heidenstraße steht nur noch die Hospitalkirche St. Barbara.

„Das markante Bauwerk am Fuße der Burg Schnellenberg wird noch heute als Schnellenberger Hospital bezeichnet. Die Geschichte des Hauses beginnt mit Ferdinand Reichsfreiherr von Fürstenberg (1661-1718). Er hätte für die Attendorner Armen gern ein Hospital errichtet, was ihm jedoch nicht vergönnt war wegen Brandkatastrophen und Streitigkeiten mit der Stadt. Erst sein Sohn Christian Franz Dietrich Reichsfreiherr von Fürstenberg (1689-1755) konnte den Wunsch seines Vaters erfüllen. Verantwortlich für die Bauzeichnung war der Minoritenpater Placidus Chur. Der Bau des Hospitals dauerte von 1744 bis 1748 und verschlang fast 13000 Reichstaler. 129 Fenster- und drei Türrahmen mussten aus Stein gehauen werden. Ein in Stein gemeißelter lebensgroßer hl. Johannes Nepomuk (1,88 m) zierte die Eingangstür zur Kapelle. Die Nische ist noch vorhanden, aus der Kapelleneingangstür ist ein Fenster geworden. Bis 1783 wohnten Arme aus Attendorn im Hospital, für ihr Almosen hatten sie jeden Tag drei Rosenkränze zu beten für den Stifter, dessen Familie und sich selbst. Nach dem Stadtbrand von Attendorn im Jahre 1783 zogen Franziskanerpatres in das Hospital ein, weil Kloster und Kirche abgebrannt waren. Im Jahre 1804 zog der größere Teil der Patres in das teilweise erst fertiggestellte Kloster nach Attendorn zurück, das wegen der Säkularisation jedoch nicht vollendet werden konnte. 1844 starb im Schnellenberger Hospital der letzte Pater, Kanonikus Rens, ehem. Augustiner aus dem Augustinerchorherrenstift Ewig vor Attendorn, die Kapelle stand nun leer. Das Inventar wurde nach und nach verkauft, und der Kapellenraum diente als Lagerraum. Heute ist das Schnellenberger Hospital, noch immer im Besitz der von Fürstenberg’schen Familie, ein Mietshaus“.

Ein 1429 gestiftetes Hospital, in dem sicher auch Pilger und Reisende aufgenommen wurden, befand sich im westlich der Stadt gelegenen Kloster Ewig.

Ein 1429 gestiftetes Hospital, in dem sicher auch Pilger und Reisende aufgenommen wurden, befand sich im westlich der Stadt gelegenen Kloster Ewig.

Die Attahöhle präsentiert dem Besucher eine durch Naturvorgänge geschaffene „wundersame Unterwelt“. Regenwasser mit Spuren von Kohlensäure, gebildet vom CO2 der Luft und Stoffwechselvorgängen in der Humusschicht, löst auf seinem Weg durch das Kalkgestein ein wenig Gestein auf. Es entsteht wässriges Calciumbicarbonat. An der Höhlendecke angelangt, verdunstet ein Teil des Wassers, Kohlendioxid entweicht. Es fällt fester Kalkstein aus, der im Laufe der Zeit an der Decke die sogenannten Stalaktiten bildet. Der Rest des bikarbonathaltigen Wassers tropft ab, das Wasser verdunstet, Kohlendioxid entweicht. Kalkstein fällt erneut aus, am Boden wachsen die aufstrebenden Stalagmiten heran.

Es lohnt sich, die Höhle zu besuchen. Sie wird von Gutachtern als größte Sehenswürdigkeit ihrer Art in Deutschland bezeichnet und machte Attendorn weithin bekannt. Der Eingang der Höhle wurde am 19. Juli 1907 im Kalksteinbruch am Stürzenberg durch einen Sprengschuss zufällig freigelegt. Nach anfänglicher Skepsis machte man schon am 07. September 1907 einen Teil der Höhle der Öffentlichkeit zugänglich und stellte sie gleichzeitig unter Naturschutz. Auch 1985 half der Zufall Höhlenforschern, „weitere, bis dahin unbekannte Wege im Höhlenlabyrinth“ zu entdecken. Begehbar für Besucher sind allerdings nur 6,67 km. Das Alter der Höhle wird mit rund 400 Mio. Jahren angenommen.

Attahöhle – Märchenwelt (nicht nur) für Kinder

Die bizarren Tropfsteingebilde ergeben phantasievolle Märchengestalten. In der Kristallgrotte funkeln und blitzen Tausende Kalkspatkristalle bei farbiger elektrischer Beleuchtung. „Dass diese, nur auf den ersten Blick erstarrt wirkende, wundersame Märchenwelt in Wahrheit lebt, dass sie flüstert, knistert, hallt ... und manchmal sogar recht geräuschvoll ‚platscht‘, wenn nämlich dicke Tropfen in die sich selbst erschaffenden Seen fallen, macht die ‚gute Fee mit dem Zauberstab‘, die bekanntlich schon viele Dinge zum Leben erweckt hat, völlig über-‚flüssig‘! Diese geheimnisvolle Welt lebt nach ihren ureigenen Gesetzen, vor denen wir Menschenkinder mit all unserem Realitätssinn, mit unserer Hektik und Ungeduld staunend verstummen. Immer wieder sind es die Kinder, die zu dieser Wunderwelt den besten Zugang finden. Man muss ihnen nur mal zuhören, wenn sie nach dem Besuch der Höhle draußen ihre Erlebnisse einander mitteilen. Sie folgen noch ihrer ungebrochenen Phantasie und lassen sich nicht sonderlich beeindrucken durch physikalisches Wissen, das nach dem befohlenen Schul-Aufsatz ohnehin rasch wieder vergessen ist! Ich weiß, wovon ich spreche. Auch ich war ein kleines Mädchen, als ich erstmals in diese verzauberte Welt eintauchen durfte und - ob Sie mir’s glauben oder nicht - dort Folgendes ‚vernahm‘: ‚Hallo, du da oben‘, wagte nach ein paar tausend Jährchen der kleine Stalagmit den großen Stalaktiten zu fragen, ‚findest du es eigentlich fair, mir andauernd auf den Kopf zu tropfen?‘ ‚He, he, du da unten‘, schmetterte der große Stalaktit die versuchte Rebellion ab. ‚An deiner Stelle würde ich ganz schön den Mund halten, denn ohne mich hättest du gar keinen Kopf, weil es dich nämlich überhaupt nicht gäbe, du armseliger Tropf ... tropf ... tropf ...‘“.

Das Südsauerlandmuseum für den Kreis Olpe in Attendorn

„Mit der Gründung des Vereins für Orts- und Heimatkunde Attendorn im Jahre 1898 wurde auch ein heimatkundliches Museum ins Leben gerufen. Seit1909 präsentiert es seine Exponate im alten Rathaus, dem einzigen gotischen Profanbau Südwestfalens, der nach der Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde.

Nachdem das durch zahlreiche Stadtbrände und die Bombardierung Attendorns bis zur Unkenntlichkeit verkommene Rathausgebäude umfassend restauriert worden war, richteten der Kreis Olpe und die Stadt Attendorn hier 1967 das Kreisheimatmuseum ein. Dabei bildeten die Exponate des Heimatvereins, die kirchliche Kunst des südlichen Sauerlandes und eine umfassende geologische Sammlung den Grundstock des Museums.

In den vergangenen Jahrzehnten konnte die ständige Schausammlung durch erhebliche Bestände erweitert werden: Mit den Sammlungsbereichen kirchliche Kunst, Attendorner Stadtgeschichte, altes Handwerk, dem Zinnfigurenkabinett, dem Thema Jagd im Sauerland und einer Ausstellung zu Geologie sowie Vor- und Frühgeschichte umfasst es heute ein breites Spektrum der Kunst- und Kulturgeschichte Südwestfalens.

Das alte Rathaus wird demnächst durch Um- und Ausbauten der wachsenden Bedeutung angepasst. Eine moderne, besucherorientierte Konzeption ist in Arbeit“.

Öffnungszeiten:
Di - Fr 09.00 – 13.00 u. 15.00 – 17.00 Uhr / Sa 09.00 – 13.00 Uhr
So 11.00 – 13.00 Uhr / Mo geschlossen, T. 02722/3711

Das Wunder von Attendorn oder: „En Iësel weerd‘ kain Peerd“

Auf einer Tafel mit mehreren eindrucksvollen Bildern und ausschmückenden Texten wird dieses Wunder von Attendorn aus dem 17. Jahrhundert erzählt. Die Bildtafel befand sich früher in der Pfarrkirche, heute kann man sie im Südsauerlandmuseum bestaunen. Gegen diese farbige ‚Berichterstattung‘ nimmt sich die Darstellung des Heinrich von Hövel, der um die gleiche Zeit lebte und wohl als Augenzeuge angesehen werden kann, recht sachlich aus. Als im Jahre 1613 die Pest wieder einmal in Attendorn wütete, erkrankte auch Tonies Kallenboel. Er fiel in eine so tiefe Bewußtlosigkeit, dass man ihn für tot hielt. Wie die zahllosen anderen Pesttoten bestattete man ihn in aller Eile. Als der „Pastor der Pfarrkirche ... zu vorgerückter Morgenstunde auf dem Kirchhof“ umherging, hörte er Geräusche aus einem Grab, denn Tonies war inzwischen aus seiner Ohnmacht erwacht und in „Weinen und Wehklage“ ausgebrochen. Das Grab wurde geöffnet, der Scheintote herausgeholt. „Bald darauf wurde er nach Köln und durch die benachbarten Gebiete geführt, um ... gegen ein geringes ...Entgelt .. vom Volke begafft zu werden.“.

Natürlich nahmen sich immer wieder Schriftsteller dieser Wundergeschichte an und schmückten sie aus, je weiter das Ereignis zurücklag. Noch im Jahre 1704 berichtete der berühmte Prediger Abraham a Santa Clara unter der Überschrift „Jung gewohnt, alt gethan“ darüber. Bei ihm ist es ein „Bauern-Weib“, das nach 24 Stunden „ein Wintzeln und Seuffzen“ aus dem Grab vernimmt und „Antoni Calebron, der ... der Todt genennt worden“, befreien läßt. Der „Mensch“ mit einem „gar liederlichen Wandel“ sei Soldat geworden, habe sich später „wiederumb zur Bauern-Arbeit begeben“. Sein „Camerad“ habe „Leben geheissen“, weshalb „die Scherzred herum gangen, der Tod habe sich mit dem Leben verglichen“. Antoni Calebron habe noch „viel Jahr gelebt, aber an seinem Luder-Wandel sich nit ein Haar gebessert“.

Die Quintessenz für Abraham a Santa Clara lautet : „... Was macht nit ein üble Gewohnheit. ... Reib und wasch und butz und kratz und schab, so wirst du dannoch die alte Gewonheit hart heraus bringen“. Der Volksmund sagt es kurz und bündig: „En Iësel weerd‘ kain Peerd“.

Die Bildhauer Johann und Peter Sasse aus Attendorn

Johann Sasse (gest. um 1707) und sein Sohn Peter (gest. 1755) gehören zu den bekanntesten Bildhauern des 18. Jahrhunderts. Sie schufen „eine Vielzahl von qualitätsvollen ... Kunstwerken“.

Johann Sasse fertigte zwischen 1671 und 1673 den barocken Hochaltar für die Pfarrkirche St. Johannes Baptist, der 1783 „wahrscheinlich“ durch Feuer vernichtet wurde. Weiter sind „urkundlich belegt ein Marienaltar und das Chorgestühl für die Pfarrkirche, ebenso die Stiftung der Pieta, die sich heute in der Hospitalkirche befindet. Die Christophorusfigur, die Apostelfiguren, die beiden barocken Seitenaltäre und die Kanzel können durch Stilvergleich mit großer Wahrscheinlichkeit der Werkstatt des Johann Sasse zugeschrieben werden“. Johann Sasse schuf darüber hinaus „die Ausstattung der Abteikirche in Corvey (sowie) die Kanzeln in St. Petri in Soest und Mellrich“. Im Auftrag der Familie von Fürstenberg arbeitete er auch in Schloss Schnellenberg, wo er kunstvoll geschnitzte Türwände und Wandverkleidungen herstellte.

„Kunstwerke, die ... auf Grund von Stilvergleichen der Werkstatt des Johann Sasse zugeschrieben werden müssen“, finden sich in den „Kirchen in Wormbach und Hemer, in der Adolphsburg, in Paderborn und Lenhausen sowie in der Kapelle Fehrenbracht“, für die er den kleinen Barockaltar (um 1680).

Sasses Figuren sind eine „charakteristische ... verhaltene Gestik ... und die langen, weichen und senkrechten Falten der Tunika“ eigen. Die Gestalten werden von einem „weiten Mantel eingehüllt, und die klassische Unterscheidung von Stand- und Spielbein scheint wesentlich den Eindruck des Verhaltenen, Gelösten mitzubestimmen.“ Die “unbewegten Gesichtszüge“ und „der in die Ferne gerichtete Blick“ lassen die Figuren „entrückt“ erscheinen.

Als Hauptwerk Peter Sasses gilt „die komplette Ausstattung der Wallfahrtskirche auf dem Kohlhagen. Weitere belegte Arbeiten sind Altäre für Emlinghausen und die Wallfahrtskapelle Waldenburg (heute im Kreisheimatmuseum).“ Peter Sasse war auch in den Gotteshäusern in Wenden und Bödefeld tätig sowie in der Hospitalkirche in Attendorn. „Ob aber die 1901 abgebrochene Kanzel dazugehörte, ist fraglich“

„Viele der Sassewerkstatt zugewiesenen Werke stammen eindeutig von anderer Hand“, denn „vor, neben und nach Johann und Peter Sasse gab es in Attendorn Bildhauer wie Meister Bernd, Johann Lehrs, Wilhelm Kühle und Johann Eberhard Schweickard, die ebenfalls bedeutende Werke“ schufen. Deshalb ist die „Zuweisung der Arbeiten in Friesenhagen, Elspe und Drolshagen problematisch.

Die Schafbrücke

Am 13. November 1606 schreibt Caspar von Fürstenberg in sein Tagebuch, er habe Bürgermeister Clemens mitgeteilt, dass er „dißen winter noch gern die brucken über die Bicche under dem Schnellenberg fertig haben möchte“. Zwei Tage später beauftragt er seinen Sohn Friederich, „die neuw brucken über die Bicche zu bestellen und die roddung“ zu beginnen. Allerdings geht der Bau dann doch nicht so schnell vorwärts, wie der Hausherr sich erhoffte. Zwei Jahre später erst wurde er „mit einem zimmermeister von Attendorn einig, m.Herman gnandt, der ... die brucken über die Bicchen dißen winter uber verfertigen soll.“ Caspar veranschlagte dafür „60 taler, 1 mal(te)r roggens und eine seiten specks“. Doch immer wieder mussten die Arbeiten eingestellt werden, weil die Bigge z.B. zu stark angeschwollen war. Am 9. August 1609 ist es endlich so weit. Die Schafbrücke über die Bigge unterhalb der Burg Schnellenberg kann eingeweiht werden. Dazu ließ Caspar „an die 50 par leut aus der stadt, man und frauw, laden uf die neuw brucken zu gaste un einen drunk weins und kalte kost“. Anschließend notiert er, seine geladenen Gäste „eßen, trinken, singen und springen, und sein uber die maß lustig bis in die nacht“.

Der damalige Fischreichtum der Bigge fasziniert noch heute. Am 7. April 1609 berichtet Caspar, er und seine Leute hätten „etliche tausent stucke grobes fisches“ gefangen, wofür er „an die 40 taler“ erzielte. Selbst „under dem eis“ der zugefrorenen Bigge konnten seine Diener im Dezember 1609 noch „viel vische“ fangen. Was ist davon geblieben? „Eine Vielzahl von menschlichen Aktivitäten, wie Einleitung von Abwässern, Uferbefestigung, Bau von Wehren, wirkten sich direkt oder indirekt auf das Gewässer aus. Obwohl mit Errichtung des Staubauwerks für den Ahauser Stausee 1937 die Wanderung von Fischen nicht mehr möglich war, hielten sich noch bis Ende der 60er Jahre gute Bestände von Weißfischen, Hechten, Barschen und Aalen. Diese verschwanden aber mit dem Bau der Biggetalsperre. Sie gibt kaltes Tiefenwasser ab, in dem sich nur noch Forellenartige halten können. Indirekt lockte die große Wasserfläche auch Kormorane an, die sich ebenfalls auf den Fischbestand des Bigge-Flusses auswirken. Aufgrund all der genannten Fakten ist heutzutage ein fischereilicher Ertrag nur noch möglich, weil der Pächter des Gewässers jährlich 2000 junge Bachforellen aussetzt.

Der Indianerhäuptling Seattle (1786-1866) warnte in seiner berühmten Rede schon 1855: „Erst, wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werden die Menschen feststellen, daß man Geld nicht essen kann.“

Quelle: „Wandern und Pilgern auf der Heidenstraße – Auf den Spuren der Jakobuspilger im kurkölnischen Sauerland zwischen Oberkirchen und Attendorn“ (ISBN 3-89710-296-X, Bonifatius-Verlag Paderborn) von Annemarie und Herbert Schmoranzer und Franz-Norbert Scheele, Herausgegeben vom Sauerländer Heimatbund.

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