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Wie eine große Fackel leuchtete am 28. März 1945 der brennende Turm der alten Attendorner Pfarrkirche, und machtlos standen alle, die helfen wollten, diesem Wüten des Feuers gegenüber. Durch den ersten der drei damals gelegten Bombenteppiche waren bereits die Fenster an der Marktseite in Scherben gegangen. Dann hatte eine Bombe die zwei Meter dicken Bruchsteine des Turmes durchschlagen und den Glockenstuhl und das Uhrengehäuse zerstört. Löschen war unmöglich, da die Wasserleitung ebenfalls getroffen war und der Innenaufgang des Turmes verschüttet war. Das Feuer griff um sich und zerstörte auch das Kirchendach bis zum Chor, während das Innere dank der guten Konstruktion des Gewölbes erhalten blieb.

Mit dem Wiederaufbau wartete Dechant Köster damals nicht lange. Freiwillige Helfer und auch Firmen - u.a. Betriebsleiter Kniep der Hüttenwerke Siegerland - räumten zunächst auf. Dann übernahm Architekt O. Greitemann die Gesamtaufsicht. Zim-mermeister Ernst Reuber baute ein Notdach über Kirchenschiff und Turm. Die Hüttenwerke lieferten Wellblech, mit denen die Dachdeckermeister August und Karl Hoffmann das Dach decken konnten.

Ingenieure und Arbeiter der Hüttenwerke holten unterdessen die drei erhalten gebliebenen Glocken aus dem Glockenstuhl, der dann von Schlossermeister Erich Rinschede abmontiert wurde. Dann konnte Maurermeister August Kronenberg mit seinen Leuten zwei schwere Betondecken einbauen und auch die Außenmauer am oberen Turm wieder herstellen.

"Es muß wieder ein Zwiebelturm werden", verlangten die Attendorner damals. Zimmermeister Josef Viegener erfüllte diesen Wunsch, und auf schwankenden Gerüsten fügten seine Gesellen tonnenschwere Eichenbalken ineinander, bis Schlossermeister Aloys König und seine Gehilfen das sieben Meter hohe Turmkreuz mit einem kupfernen Hahn aufsetzen konnten. Während nun Dachdeckermeister Karl Hoffmann die Beschieferung vornahm, baute Bildhauer Karl Falk nach dem Muster der noch vorhandenen alten Fenster die romanischen Säulen in die Glockenfenster über dem Kirchendach. Zu erwähnen sind ferner die Arbeiten von Klempnermeister Otto Bischoff und Anstreichermeister August Schulte.

Der Wucht des Turmes entsprechend müßte das Geläute sein. Aber wenn auch die Firma Petit & Gebrüder Edelbrock in Genscher einen Glockenstuhl für acht Glocken lieferte, so muß sich die Pfarrgemeinde doch zur Zeit noch mit den vorhandenen drei Glocken begnügen, da zu den weiteren noch das Geld fehlt. Die neue Kirchenuhr lieferte dann die Firma B. Vortmann aus Recklinghausen.

Weitere Arbeiten führten aus: Schlossermeister H. Deichmann und E. Henze, den Außenputz brachte Stuckateur Josef Thranbehrend an, die Dachrinnen verlegte Klempnermeister Helmut Bruse, während die elektrischen Anlagen von Elektromeister Josef Ante erneuert wurden. Die Fenster waren bereits kurz nach dem Angriff von Schreinermeister Albert Stinn hergestellt worden.

Lang ist die Liste dieser Namen, aber sie zeigt, daß - mit Außnahme einiger Speziallieferungen - alle Arbeiten von heimischen Firmen ausgeführt worden sind. Attendorn baute sich seine Kirche also wieder selbst auf.