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Freitag, 22. November 2019
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Historisches Tagebuch

Was passierte wann und wo in Attendorn? Mit dem Historischen Tagebuch möchten wir Sie teilhaben lassen an den vielen kleinen, aber auch einschneidenden Ereignissen der Vergangenheit.

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Es wurden 4678 Einträge gefunden

27.12.1974 Wunschkonzert für die Kranken

Zum 85. Mal führte die KJG Attendorn am Heiligen Abend den Krankenhaus-Rundfunk durch. Für die Initiatoren war es die zweite "Live-Sendung". Normalerweise werden die Musikstücke donnerstags auf ein Band aufgenommen und samstags im Krankenhaus gesendet. Aus einer Anzahl von 200 Musikstücken und Liedern konnten die Kranken ihre Wahl treffen. Am Mischpult saß Friedhelm Hoffmann, unter dessen Leitung die KJG in Sachen Krankenhausrundfunk erfolgreich tätig ist. Schwester Meinolfa, Oberin des Städtischen Krankenhauses, hatte somit Gelegenheit "Frohe Weihnachten" über Funk in alle Krankenzimmer zu übermitteln.

Eine verdiente Pause verschaffte den Rundfunkleuten die Musikgruppe von Alexa Bayer. Während ihrer musikalischen Vorträge überreichten kleine Mädchen den Patienten eine Weihnachtsüberraschung des Hauses. Die KJG richtet ein eigenes Studio in der alten Vikarie am Kirchplatz ein, um die Sendungen zu verbessern, so zum Beispiel durch Magazin-Beiträge, die im Falle einer Krankheit von besonderer Bedeutung sind. Zur Zeit werden die Sendungen in Privat-Wohnungen produziert. Im künftigen, eigenen Studio werden die Geräte von dem ständigen Auf- und Abbauen verschont.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 298 vom 27.12.2014.

28.12.1974 Schwelbrand in Attendorn

Ein Schwelbrand hatte sich in der Geschäftsstelle Attendorn der Westfalenpost, Niederste Straße, am Vormittag des ersten Weihnachtstages ausgebreitet und richtete erheblichen Schaden an. Das Inventar ist zur Zeit unbrauchbar. Aus den Dachpfannen des mehrstöckigen Hauses quoll der Rauch. Die alarmierte Feuerwehr setzte die hydraulische Drehleiter ein. Die Brandbekämpfung erfolgte mit schwerem Atemschutz. Trotz des Feiertags waren die Wehrmänner schnellstens am Einsatzort und konnten größeren Schaden verhindern. Die WP-Geschäftsstelle bleibt vorübergehend geschlossen. Die Geschäfte werden in dieser Zeit über Olpe abgewickelt.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 298 vom 27.12.1974.

29.12.1974 Kinderchor der Pfarrei hat 105 aktive Mitglieder

Der Kinderchor der katholischen Pfarrei hatte im Monat Dezember acht öffentliche Auftritte zu verzeichnen. Dem Chor gehören zur Zeit 105 Kinder an. Unter der bewährten Leitung von Paul Maiworm trug der Chor zur Gestaltung von Gottesdiensten in den katholischen Kirchen sowie auch in der evangelischen Erlöserkirche bei, erfreuten mit ihrem Gesang die älteren Gemeindeglieder in der Mädchenbildungsstätte und wird am Montag, den 30. Dezember, 16 Uhr im Krankenhaus Weihnachtslieder singen. Der Gesang wird von der Kapelle aus in alle Krankenzimmer übertragen. Am 5. Januar hat der Chor sein bisher größtes Erlebnis: Er wird bei der Rundfunksendung "Zu Gast in Attendorn" mitwirken.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 299 vom 28.12.1974.

30.12.1974 Spende für behindertengerechte Rampe

Bau einer Rampe für jene Behinderten, die an den Rollstuhl gefesselt sind und bisher samt ihren Fahrzeugen von den Helfern mühsam 10 oder 20 Stufen hochgetragen werden mußten. Dafür sollen die 3.000 DM verwendet werden, die sich in der Betriebskasse angesammelt haben. Betriebsratsvorsitzender Klaus Heuel und dessen Stellvertreter Adolf Bredebach überbrachten der Heimleiterin Gisela Juhnke im Laurentiusheim die Geldspende. Für diese Verwendung hatte sich die Betriebsversammlung einstimmig entschieden.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 300 vom 30.12.1974.

31.12.1974 Löschgruppenfahrzeug für die Feuerwehr Helden

"Es gehört zu den Pflichten einer kommunalpolitischen Gemeinde, für die Ausrüstung der Wehr Sorge zu tragen." So Bürgermeister Hammer, der am Samstagnachmittag der Löschgruppe Helden ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 8 mit Allradantrieb und Vorbaupumpe übergab. Der Bürgermeister überreichte Stadtbrandmeister Hermann Gante den Fahrzeugschlüssel, der ihn an Löschgruppenführer Paul Wiffel weiterleitete. Kostenpunkt des Fahrzeuges: 92.000 DM. Es ist das dritte Fahrzeug, das die Stadt Attendorn innerhalb von drei Jahren für die Sicherheit der Bevölkerung zur Verfügung stellt. Der Bürgermeister wies ferner darauf hin, daß die Stadt im Jahr 95.000 DM für die Unterhaltung der Wehr bereitstellt. In dieser Summe seien nicht die Kosten für die Unterhaltung der Gerätehäuser und Verwaltung enthalten.

Dechant Becker vollzog die kirchliche Weihe des neuen Fahrzeuges. Kreisbrandmeister Süttmann nahm ebenso wie mehrere Ratsmitglieder und der einzige noch lebende Mitbegründer der Wehr, Caspar Klenz (92) an der Feier teil, die vom Musikzug der Attendorner Wehr unter der Leitung von Hauptmusikzugführer Rudi Wurm musikalisch umrahmt wurde.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 301 vom 31.01.1974/01.01.1975.

02.01.1975 Sechzehnjähriges Mädchen niedergeschlagen

Von einem unbekannten jungen Mann niedergeschlagen wurde auf der Danziger Straße in Attendorn am Neujahrstag gegen 16.45 Uhr eine 16jährige Schülerin. An der Einmündung des Ennester Weges wurde sie von dem Unbekannten überfallen und zusammengeschlagen. Dann versuchte der Täter das Mädchen in die Danziger Straße hineinzuziehen.

Als ein Straßenpassant auf die um Hilfe rufende Schülerin aufmerksam wurde und sich näherte, suchte der Täter das Weite. Er wird wie folgt beschrieben: etwa 20 Jahre alt, ca. 1,75m groß, schlank, mittelblondes Haar. Nach der Beschreibung soll er eine dicke dunkle Jacke getragen haben und insgesamt einen ungepflegten Eindruck gemacht haben.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 2 vom 03.01.1975.

03.01.1975 Neuer Katalog für den Tourismus

Früher als sonst liegt er vor - der "Reiseführer '75", und größer als je zuvor ist seine Auflage: 23.000 Stück. Rund 1.000 haben aus dem Büro des Kreisverkehrsverbandes in Olpe bereits den Weg ins Ruhrgebiet, nach Holland, zur Waterkant und in den Frankfurter Raum angetreten. Verkehrsverband-Geschäftsführer Erich Melcher vor der lokalen Presse: Damit wurden ausschließlich gezielte Einzelanfragen beantwortet. Etwa die Hälfte resultiert aus Kontakten, die über den Dortmunder Weihnachtsmarkt hergestellt wurden.

Der Kreisverkehrsverband hat sich seinen Reiseführer rund 17.500 DM kosten lassen; Anzeigen decken einen Teil der Unkosten. Der Prospekt enthält auf seinen 44 Seiten kaum eine Handvoll Werbeslogans, dafür ist er vollgestopft mit Informationen über Land, Leute, Einrichtungen und Veranstaltungen, ebenso wie über die verschiedenen Fremdenverkehrsbetriebe, die ihre Darstellung zum Teil mit einer Eigenanzeige über das bloße Tabellarium hinaus ausgeweitet haben.

Vom Burghotel bis zur Bauernhof-Pension nennt der Reiseführer insgesamt 799 Betriebe mit 6.874 Betten (im Vorjahr 661 Betriebe mit 6.294 Betten). 1970 nannte der Reiseführer erst 520 Betriebe mit 5.075 Betten. Genannt werden auch diesmal Restaurants und Cafés (ohne Zimmervermietung: ihre Zahl 78).

Geschäftsführer Melcher schätzt die Zahl der nicht im Prospekt erwähnten hauptberuflich betriebenen Fremdenverkehrsunternehmen auf "etwa drei bis vier Prozent", die Dunkelziffer der Bettenzahl wird auf vielleicht 20 bis 25 Prozent geschätzt. Der Kreisverkehrsverband ist sehr zufrieden, daß es "trotz Rezession und schlechtem Wetter" im abgelaufenen Jahr keinen Rückgang gegeben hat. Die Übernachtungszahl (1973 rund 659.000) konnte knapp übertroffen werden.

Und die Preise? Sie liegen 1975 hierzulande für Übernachtung mit Frühstück zwischen 8,50 DM und 50 DM, für Vollpension zwischen 18 und 55 DM. Bei der letzten Summe kam es im Vergleich zum Vorjahr sogar zum Rückgang; damals waren noch 65 Mark verlangt worden. Über den Daumen gepeilt liegt die Teuerungsrate gegenüber 1974 zwischen 10 und 15 Prozent.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 3 vom 04.01.1974.

04.01.1975 Mehr Geld auf der hohen Kante

Am Ende des Jahres, in dem der Weltspartag seinen 50. Geburtstag feierte, können auch die Sparkassen im Kreise Olpe darauf hinweisen, daß hierzulande das Geld sorgfältig angelegt wird. Dabei ist vor allem im letzten Halbjahr 1974 der Trend zum Sparen erheblich gestiegen und scheint nicht nur eine vorübergehende Phase im Verhalten der Kunden zu sein. In welchem Maße das Geld "auf die hohe Kante" gelegt wird, zeigen die Angaben der Sparkassen im gesamten Kreisgebiet; im letzten Jahr konnten 17,2 Millionen DM an Zinsen den Sparern vergütet werden.

In ihrer Gesamtheit wird am Ende des Jahres 1974 von den Sparkassen im Kreis Olpe auf eine Bilanzsumme hingewiesen, die 484 Millionen DM beträgt.

Von der Kundschaft wurden auf 126.000 Konten Gesamteinlagen in Höhe von 411 Millionen DM unterhalten. Die Gesamtausleihungen belaufen sich auf 307 Millionen DM.

Die Sparkassen sehen in der präzisen und schnellen Computer-Technik, deren sie sich bedienen, eine wertvolle Hilfe ihrer Leistungsfähigkeit. Daneben wird das Prinzip der Kundennähe durch ein dichtes Netz von 48 Geschäftsstellen im Kreisgebiet dokumentiert. Dazu kommt noch eine fahrbare Zweigstelle im Bereich Olpe-Wenden.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 3 vom 04.01.1975.

05.01.1975 Johann Rivius - entschlossen für Fortschritt

Am Jahresbeginn sollte in Attendorn einmal eines Mannes gedacht werden, der vor nun bald 500 Jahren in dieser Stadt geboren wurde und hier als junger Mensch seine ersten, entscheidenden Bildungsanstöße empfing, die er dann in der Welt seiner Zeit entfaltete und zu einer beträchtlichen Wirkung brachte: Johannes Rivius, der am 1. Januar 1553 gestorben ist.

Sein Geburtsjahr 1500 fällt in einen Zeitabschnitt wichtiger Veränderungen: Das Spätmittelalter geht zu Ende, und neue Formen des Lebens und Denkens kündigen sich an. In Attendorn leitet in dieser Zeit Tilmann Mülle das damals schon wohlbekannte Gymnasium, Stadtpfarrer und zugleich aufgeschlossener Verfechter neuer, weltoffener Erziehungsmethoden, die in Gegensatz treten zu den oft blutleeren Gedankenspielereien der vorangegangenen Spät-Scholastik.

Rivius tritt ins Gymnasium ein und wird von Tilmann Mülle im neuerwachten Geist der klassischen Antike gebildet, deren Sprachen Griechisch und Latein und deren Menschenbild er tief in sich aufnimmt. Sogar Sport betreibt der Pastor Mülle damals mit seinen Zöglingen, was ihm das Kopfschütteln seiner Umwelt einträgt, - insgesamt eine Erziehung, die, als Humanismus bezeichnet, den Menschen wieder in den Mittelpunkt ihrer Bestrebungen setzt.

Im Alter von 16 Jahren verläßt Johannes Rivius seine Heimatstadt, vervollständigt an der Universität Köln seine Studien der klassischen Sprachen und gelangt als begabter junger Professor in den folgenden Jahren nach Sachsen, wo er eine reiche Tätigkeit als Lehrer und Organisator eines neu entstehenden höheren Schulwesens entfaltet. Von ihm stammen zahlreiche sprachwissenschaftliche, pädagogische und auch theologische Werke, die durch die damals noch junge Kunst weite Verbreitung finden.

Wie mache seiner Zeitgenossen schließt er sich übrigens der Reformation an. Auf seinen Schulen werden etliche tüchtige Gelehrte der nachfolgenden Jahrzehnte herangebildet.

Am 1.1.1553 stirbt Rivius bei Meißen in Sachsen an der Pest.

Der Attendorner Johannes Rivius lebte in einer Zeit des radikalen Übergangs ähnlich der unseren; Fehlschläge und Enttäuschungen begleiteten seinen Weg, aber am Ende blieb doch stets das fruchtbare Neue sein Programm. Sicher war Rivius kein Revolutionär; vielmehr scheinen kenntnisreiche Pflege von Werten der Vergangenheit und behutsames, doch entschlossenes Eintreten für den Fortschritt in ihm eine für seine Zeit gültige Verbindung gefunden zu haben. Insofern könnte er einen Maßstab setzen auch für unsere Tage.
(Text: Peter Nake).

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 4 vom 06.01.1975.

06.01.1975 SV Windhausen schlug den TuS Plettenberg knapp 3:2

Der SV Windhausen nutzte das spielfreie Wochenende zu einem freundschaftlichen Kräftsvergleich mit dem Fusionsverein der früheren Vereine TuS Eiringhausen und SF Eschen, die sich zum TuS Plettenberg zusammengeschlossen haben. Auf dem Windhauser Platz spielten beide Mannschaften offensiv, sodaß es ein gutes Spiel gab. Die Gäste aus dem Plettenberger Raum führen die Tabelle der 1. Kreisklasse Lüdenscheid an (Herbstmeister) und haben berechtigte Aussichten zum Aufstieg in die Bezirksklasse. Windhausen führte durch die Tore von Pachutzki in der 19. und Priewe in der 29. Minute 2:0, ehe die Gäste in der 40. Minute auf 2:1 verkürzen konnten. Als Friedel Hecker schon 1 Minute später wieder den alten Abstand hergestellt hatte, schien der Sieg gesichert. Nur in der 60. Minute kamen die Gäste noch zu einem zweiten Gegentreffer. Es blieb aber beim verdienten Sieg der Gastgeber.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 4 vom 06.01.1975.

07.01.1975 Terminplanung Waldenburger Bucht gestört

Die größte Erholungsanlage im Kreise Olpe wird von der Biggesee-GmbH in der Waldenburger Bucht bei Attendorn gebaut. Der erste Teilabschnitt mit etwa 100 Camping-Stellplätzen ist Mitte Dezember in Betrieb genommen worden. 40 Camper haben bereits ihren Wohnwagen aufgestellt.

Konsequenz des schlechten Wetters: Die Fertigstellung der Gesamtanlage verschiebt sich um etliche Monate. Dennoch hofft die Bauherrin, daß noch vor den großen Ferien die Gesamtanlage für den Betrieb freigegeben werden kann.

Nachdem ein Strandbad für 1.500 Badegäste bereits 1973 fertiggestellt war, wird nunmehr auf einer Fläche von 60.000 qm ein Campingplatz mit 350 Zelt- und Wohnwagenplätzen erstellt., Jeder Platz hat eine Größe zwischen 80 und 100 qm. 230 Plätze sind für Tagesgäste reserviert. 120 Plätze werden an Saison-Camper vergeben. 240 Stromanschlüsse und 15 Wasserzapfstellen sind über den Platz verteilt.

Das Hauptgebäude wird nach modernen, architektonischen Gesichtspunkten errichtet. Campingbüro, zwei Freizeithallen, SB-Laden und die Wohnung des Campingwartes sind in diesem Gebäude untergebracht.

Zwei Sanitärgebäude mit 40 Waschbecken, 30 Duschen, 40 Toiletten, 20 Fußwaschbecken, 10 Wäschespülen, Wasch- und Trockenautomaten sowie 12 Kochstellen ergänzen die Anlage.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 5 vom 07.01.1975.

08.01.1975 Damals diktiert - heute gedruckt

"Josef Rocksloh's Erinnerungen", unter diesem Titel hat Fabrikant Mathias Kutsch ein Büchlein herausgegeben, welches den Jubilaren des ältesten Industriebetriebes des Kreises Olpe (gegründet 1828) gewidmet ist.

Josef Rocksloh, der 53 Jahre in der Firma M. Kutsch beschäftigt war und beim Eintritt in den Ruhestand mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, diktierte vor 15 Jahren der damaligen Chefsekretärin Irmgard Becker den Inhalt dieser 1974 herausgegebenen Schrift. Ein Bild des neuen Betriebes, der 1973 in der Stesse bezogen wurde, beweist, dass "Josef Rocksloh's Erinnerungen" bereits heute ein Stück Geschichte sind. Sie illustrieren anschaulich wechselvolle Jahrzehnte. Sein Sprachschatz kennzeichnet den Attendorner und reizt zum Schmunzeln. Bilder der Jubilare und der alten Produktionsstätte am Schüldernhof und an der Turmstraße vervollständigen das Ganze.

Im Jahre 1903 trat Josef Rocksloh in den Betrieb ein und verdiente 7 1/2 Pfennig pro Stunde. Gearbeitet wurde von 7 bis 19 Uhr, samstags bis 18 Uhr. "Aber mit vielen Pausen", fügt der Chronist hinzu. Strom gab es zu dieser Zeit noch nicht. Die Drehbänke waren mit einer "Trete" ausgestattet, eine Petroleumslampe sorgte für Licht. Die Firma Ursell erzeugte selbst Strom und stellte ihn im Jahre 1906 auch der Firma M. Kutsch zur Verfügung. Die Mehrzahl der Beschäftigten kam aus dem Kölner Tor. In der Beizerei bekamen die Leute viermal in der Woche ein Schnäpschen. Rocksloh: "Besonders montags durfte der Schnaps nicht fehlen. So um fünf fing das mit den Schnäpsen an und schonmal waren 'se dann auch besoffen!"

Für die Beschäftigten der Firma M. Kutsch, spezialisiert in der Herstellung von Metallknöpfen und Abzeichen, gab es mit Ausbruch des Krieges im Jahr 1914 viel Arbeit. Im Schlagzeilen-Jargon dokumentiert Rocksloh die Nachkriegszeit: "Geschlagenes Heer, Elend und Not, Spartakisten, Bürgerkrieg, Raub, Freikorps, Blockade, Geldentwertung." Den Höhepunkt erreichte die Geldentwertung, als für ein Brot eine Million Mark bezahlt werden mußte. Der Verdienst lag bei vielen Millionen.

Im Jahre 1923 betrug der Facharbeiterlohn 59 Rentenmark. Es wurde damals in allen Betrieben verkürzt gearbeitet. Rocksloh hat in seinem Gedächtnis nicht allein die betriebliche Situation dieser Zeit wiedergegeben, sondern auch die Not der Leute geschildert, u. a. bedingt durch eine schlechte Kartoffelernte: "De Bauern hielten de Knollen fest." Erwähnung findet ferner das Betriebsfest des 100jährigen Bestehens der Firma im Jahre 1928, der Regierungswechsel im Jahre 1933 und der Brand der Firma 1937.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 6 vom 08.01.1975.

09.01.1975 Platz gemacht für Terrassenhäuser

Am Attendorner Himmelsberg wird Platz gemacht für die 46 Terrassenwohnungen, die vom Architektenbüro Höffer-Hengesbach & Partner in diesem Teil der Stadt in zwei Bauabschnitten errichtet werden. Das Haus am Himmelsberg 2 wurde am Mittwoch abgebrochen, seine Trümmer mittels Schaufelbagger auf Lastwagen verladen und weggeschafft. Von dem jetzt verschwundenen Gebäude wissen die Attendorner eine Legende zu erzählen: Angeblich soll damals der fachlich durchaus vorgebildete Bauherr bei der Errichtung den planmäßigen Einbau des "stillen Örtchens" übersehen haben.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 8 vom 10.01.1975.

10.01.1975 Einsatzprobe des DRK für den Notfall

"Werdet Mitglied beim DRK Attendorn", so wirbt die Spar- und Darlehenskasse Attendorn in diesen Wochen für die einheimischen Rotkreuzler. Sie hat dazu eigens eine Fotoausstellung arrangiert und die großformatigen Fotos auf Holz aufgezogen und in ihrer Bank ausgestellt. Hier kann sich die Bevölkerung über die segensreiche Arbeit des heimischen DRK ein Bild verschaffen - und Mitglied werden. Die großformatigen Fotos sollen demnächst die Clubräume des DRK-Heimes schmücken: die Spar- und Darlehenskasse Attendorn macht sie dem DRK zum Geschenk. Mit modernem Gerät proben die DRK-Helfer für den Notfall.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 8 vom 10.01.1975.

11.01.1975 Finnentroper Gymnasialplanung ein gewagtes Experiment

"Ein gewagtes pädagogisches Experiment ", so überschreibt Studiendirektor Heinrich Schulte aus Attendorn, St.-Ursula-Straße 16, die Finnentroper Gymnasialplanung. Darüber war von unserem lug-Redaktionsmitglied am Samstag, 4. Januar, berichtet worden. Heinrich Schulte hat dazu einen kritischen Leserbrief geschickt. Die Redaktion weist darauf hin, daß Leserbriefe nicht mit ihrer Meinung identisch sein müssen und daß sie sich das Recht auf Kürzung immer vorbehält. Hier die Zuschrift:

Bedeutet die Planung eines Progymnasiums in Finnentrop wirklich Fortschritt für die betroffenen Schülerinnen und Schüler? Ist ortsnahe Beschulung allein wirklich eine ausreichende oder gar überzeugende Begründung für die Errichtung eines Progymnasiums in Finnentrop?

Als Pädagoge habe ich die allergrößten Bedenken gegen eine solche Planung, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Ein Progymnasium in Finnentrop könnte auch unter der Voraussetzung, daß alle Eltern der Gemeinde Finnentrop ihre Kinder in die neue Schule schickten, in Anbetracht des allgemein bekannten Geburtenrückgangs nur anderthalb bis zweizügig geführt werden. Da heute die Differenzierung im Gymnasium aber schon in der Unterstufe beginnt und sich in der Mittel- und Oberstufe fortsetzt, könnten die Schülerinnen und Schüler nur sehr unzureichend gefördert werden, was sich auf ihre späteren Studienmöglichkeiten sehr nachteilig auswirken würde.

2. Für alle Schülerinnen und Schüler eines Fimnnentroper Progymnasiums wäre nach dem 10. Schuljahr ein Schulwechsel erforderlich. Welche Probleme das mit sich bringt, weiß jeder, der wie ich ein Progymnasium besucht hat.

3. Der Lehrermangel an voll ausgebauten Gymnasien ist auf absehbare Zeit noch beträchtlich. Welche tüchtigen Gymnasiallehrer werden sich für ein Progymnasium interessieren, das ihnen keine Möglichkeit bietet, wissenschaftlichen Unterricht in der Oberstufe zu erteilen?

4. Verbesserte Verkehrsmöglichkeiten der letzten Jahre haben Unzuträglichkeiten des Schülerfahrverkehrs - insbesondere aus dem Frettertal nach Attendorn - spürbar gemildert. Der Zeitgewinn gerade für diese Schülerinnen und Schüler wäre durch die Gründung eines Gymnasiums in Finnentrop minimal. Für die Schüler und Schülerinnen aus Heggen würde auf keinen Fall eine ortsnahere Beschulung erreicht.

Rat und Verwaltung der Gemeinde Finnentrop wollen sicher für ihre Jugend die besten Ausbildungsmöglichkeiten schaffen. Aber tun sie das wirklich, wenn man bedenkt, daß die zugegebene Belastung der Schülerinnen und Schüler durch den Fahrverkehr in keinem Verhältnis steht zu den verringerten Bildungschancen?

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Schulaufsichtsbehörde zu einem so gewagten Experiment ihre Zustimmung geben wird.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung, Westfalenpost Nr. 9 vom 11.01.1975.

19.03.1975 Erster öffentlicher Auftritt der Musikschule

Der erste Auftritt hat deutlich gemacht: Attendorns Jugendmu-sikschule hat eine Menge Sympathien erworben. Erstmals stell-ten sich Schüler und Lehrer in der Stadthalle der Öffentlichkeit vor. Die stattliche Zuhörerschaft wurde von Leiter Josef Appels-hofer informiert, über Entstehung, Arbeitsweise und Ziele. 320 Schüler werden zur Zeit von 25 Lehrpersonen unterrichtet. Neben Grundkursen in allen Ortsteilen läuft der Instrumenttalunterricht auf vollen Touren. Der Unterricht wird überwiegend in den Klassenräumen der Schulen erteilt und beginnt in der Regel mit dem 3. Grundschuljahr. Nach 2- bis 5jährigem Instrumentalun-terricht ist für besonders Begabte eine Weiterbildung bei Privatlehrern bzw. an Konservatorien oder Musikschulen mit dem Ziel des Berufsmusikers oder Musiklehrers vorgesehen.

Stadtarchiv, Zeitungssammlung.

20.03.1975 Ernst Müller wird neuer Chefarzt der Inneren

Dr. med. Ernst Müller, Chefarzt der Inneren Abteilung des At-tendorner Krankenhauses, stellte sich anläßlich einer Sitzung des Krankenhausausschusses den Mitgliedern im Attendorner Rathaus vor. Dr. Mueller war zuletzt an der St.-Barbara-Klinik in Heessen bei Hamm tätig.
Am 11. März 1932 in Kassel geboren, absolvierte er seine Stu-dien in Marburg an der Lahn. Es folgten 1961 das Staatsexamen, 1962 Promotion und 1963 die Approbation. Vorherige Wirkungsorte waren Marburg, Gronau und Frankfurt.
In einem Vortrag erläuterte Dr. Müller seine Vorstellungen zur Tätigkeit im Attendorner Krankenhaus. Nach den Vorstellungen des Chefarztes sind Medizinische Geräte im Wert von rund 100.000 DM erforderlich, um die Einrichtung der Inneren Abteilung auf modernen Stand zu bringen. Neu eingerichtet werden soll eine Lungenfunktions-Abteilung.
Auch kann nach den Worten Dr. Müllers heute nicht mehr auf Blutgasanalysen verzichtet werden. Durchgeführt werden künftig auch Spiegelungen der Luftwege, die insbesondere der Früherkenntnis von Krebs dienen. Sämtliche Geräte können im neuen Krankenhaus verwendet werden. Im alten Haus sind keine baulichen Veränderungen erforderlich. Dr. Müller arbeitet zur Zeit mit einem türkischen Assistenten zusammen. Die Einstellung eines Oberarztes steht unmittelbar bevor.

Stadtarchiv, Zeitungssammlung.

24.03.1975 Historische Gebäude im Scheinwerferlicht

Mehrere historische Bauwerke der Hansestadt erstrahlen in den Abendstunden im Scheinwerferlicht: Das Kreisheimatmuseum, der Sauerländer Dom, der Bieketurm und der Pulverturm. Initiator dieser Verschönerungsaktion ist der Verkehrsverein Attendorn, der 4.000 DM für die Anbringung der Scheinwerfer zur Verfügung stellte.
Mitglieder des Verkehrsvereins und Pastor Klinkhammer waren anwesend, als der Leiter der Stadtwerke Attendorn, Hölzer, die Einstellung der neuen Scheinwerfer vornahm. Sie sollen mit Einbruch der Dunkelheit eingeschaltet werden und die historischen Gebäude bis 24 Uhr anstrahlen. Die angrenzenden Grundstücksbesitzer hatten die Installation auf ihren Grundstü-cken bereitwillig gebilligt.

Stadtarchiv, Zeitungssammlung.

12.04.1975 Sauerländer Frühjahrsmesse

In der Attendorner Stadthalle öffnete am Samstag die Sauer-länder Frühjahrsmesse ihre Pforte. Bis Sonntag, 20. April, ist die Ausstellung, die über Bauen, Wohnen und Hauswirtschaft in-formiert, täglich geöffnet.
Einheimische und auswärtige Messebesucher füllten die Gänge. Interessierte Zuschauer folgten den Vorführungen der Ge-schäftsleute und ließen sich mit zahlreichen Kostproben überra-schen.

Von den insgesamt 70 Ausstellenden Firmen sind 30 aus dem heimischen Raum. Ausstellungsleiter Hermann Sutter bestätigte den hiesigen Geschäftsleuten anläßlich der Eröffnungsfeier, ihren Messeständen eine besondere Note verliehen zu haben. Dank sagte Sutter Stadtverwaltungsrat Münch, daß die Stadt Atten-dorn dieser Frühjahrsmesse die entsprechende Resonanz ent-gegengebracht habe. Am Samstag und Sonntag wurde die Zahl der Messebesucher auf etwa 25.000 geschätzt.

Stadtarchiv, Zeitungssammlung.

14.04.1975 Stückgutbahnhof muß bleiben

"Der Rat der Stadt Attendorn wendet sich mit allem Nachdruck gegen Versuche, die Bahnstation Attendorn als Stückgutbahnhof aufzugeben oder in Frage zu stellen. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, diese Stellungnahme unverzüglich allen an dem Entscheidungsprozeß über Stückgutbahnhöfe beteiligten Behörden in geeigneter Weise mitzuteilen." Diesen Beschluß faßte der Stadtrat Attendorn auf Antrag der CDU- Fraktion einstimmig.

Stadtarchiv, Zeitungssammlung.

15.04.1975 Gymnasium mit neuem Namen

Für einen neuen Namen des Städtischen Gymnasiums in At-tendorn - rechtzeitig zum Jubiläum - sprach sich die Stadt-verordnetenversammlung der Hansestadt einstimmig aus. Be-nannt werden soll das älteste Gymnasium im Kreis Olpe, dessen Sonderstellung auch durch die Namensgebung unterstrichen werden soll, nach einem Sohn der Stadt Attendorn, Johannes Rivius, der im 16. Jahrhundert lebte und als Lehrer und Wissenschaftler arbeitete. Seine vielseitigen Schriften, u.a. zur Schulreform, unterzeichnete er mit " Rivius Attendorniensis".

Stadtarchiv, Zeitungssammlung.

17.04.1975 Resolution zum Stückgutbahnhof

"Der Rat der Stadt Attendorn wendet sich mit allem Nachdruck gegen Versuche, die Bahnstation Attendorn als Stückgutbahnhof aufzugeben oder in Frage zu stellen. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, diese Stellungnahme unverzüglich allen an dem Entscheidungsprozeß über Stückgutbahnhöfe beteiligten Be-hörden in geeigneter Weise mitzuteilen." Diesen Beschluß faßte der Stadtrat Attendorn auf Antrag der CDU- Fraktion einstimmig.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung.

02.05.1975 Finanzspritze an Attendorner Vereine

Über 13.000 DM sollen im laufenden Jahr an die sporttreibenden Vereine der Hansestadt Attendorn verteilt werden. Diesen Beschluß faßte der Kultur- und Jugendpflegeausschuß in seiner Sitzung. Die Finanzspritzen der Stadt werden auf 24 Vereine verteilt, und zwar erhält jeder Verein einen Grundbetrag von 100 DM, der Restbetrag wird auf die Kopfzahl der Mitglieder umgelegt. Für Mitglieder bis zu 18 Jahren werden 3,65 DM gezahlt, für ältere Mitglieder 1 DM. Für die Förderung kultureller Zwecke stellte der Ausschuß ebenfalls Mittel bereit: Auf die Gesang und Musikvereine entfallen rund 7.000 DM, auf die Heimatvereine, die überörtlichen eingeschlossen, 1.200 DM, auf die Organe der freien Wohlfahrtspflege 1.100 DM, auf sieben Jugendverbände 4.000 DM sowie auf fünf kirchliche Büchereien insgesamt 1.800 DM.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung.

03.05.1975 Turnverein feiert 75jähriges Bestehen

Das war ein Geburtstagsgeschenk mit Gewicht: Albert Claudi (Arnsberg) hatte außer den Grüßen des Regierungspräsidenten auch noch 100.000 DM mitgebracht und überreichte Stadtdirek-tor Sperling einen Scheck für das als Teil des Sportzentrums geplante Spielfeld. TV Vorsitzender Rainer Bruse nahm einen Kupferteller mit Westfalenwappen entgegen. Daß solches Prä-sent über den Kreis des TV hinaus auch die Fußballer vom SV 04 freute, unterstrich deren Vorsitzender Erich Droste. Anlaß war der Festabend in der Attendorner Stadthalle, als dort der acht Abteilungen unterhaltene Turnverein Attendorn sein 75jähriges Bestehen feierte.
Landrat Limper gratulierte für den Kreis Olpe unf fand Echo mit einer Anregung, als Siegerland-Turngau-Vorsitzender Karl Her-mann Knester bekundete: "Ich würde mich freuen, wenn der TV in 2 Jahren Ausrichter des Gauturnfestes sein würde." Der Turngau-"Chef" bestätigte dem Geburtstagskind, zielbewußte Arbeit geleistet zu haben. Bürgermeister Karl Hammer blickte gleichfalls auf die Vereinsleistung, als er seinen Dank bekundete und die Verpflichtung der Stadt zur Hilfestellung gegenüber den sporttreibenden Vereinen anerkannte. Weitere Gratulanten: Kreissportbund-Vorsitzender Adolf Berger, Paul Mölbert vom TV Olpe.

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung.

05.05.1975 Ergebnis der Landtagswahlen

Der Ausgang der Landtagswahl war von Stabilität gekennzeichnet; allerdings verlor die CDU rund einen Punkt, die SPD gewann ihn dazu. Im Wahlkreis Olpe erhielt die CDU 51.278, die SPD 21.086, die FDP 1.994, die NPD 138, die DKP 182 und die KPD 135 Stimmen. Gewählt wurde, wie bisher, Elsbeth Rickers (CDU).

Stadtarchiv Attendorn, Zeitungssammlung.

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