Historisches Tagebuch
Was passierte wann und wo in Attendorn? Mit dem Historischen Tagebuch möchten wir Sie teilhaben lassen an den vielen kleinen, aber auch einschneidenden Ereignissen der Vergangenheit.
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Es wurden 4678 Einträge gefunden09.05.1920 Feldprozession
Heute fand die übliche Feldprozession in gewohnter Weise statt.
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 88.
14.05.1920 Versammlung der Zentrumspartei
Im Schützensaal tagte heute eine Versammlung der Zentrumspartei, in welcher der Abgeordnete Becker die Rede hielt (vergl. Attendorner Volksblatt Nr. 59).
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 88.
17.05.1920 Elternbeirat der Volksschule gewählt
Gestern wurde hierselbst der für die katholische Volksschule gewählte Elternbeirat durch den Schulleiter, Rektor Schäfer, zu seiner ersten Sitzung zusammenberufen.
Zum Vorsitzenden wurde Betriebsleiter Jansen, als 2. Vorsitzende Frau Oberlehrer Cisielsky und als Schriftführer Lehrer Peters gewählt. Dem Beirat gehören außerdem noch 12 Mitglieder an (vergl. Attendorner Volksblatt Nr. 60).
Zum Vorsitzenden wurde Betriebsleiter Jansen, als 2. Vorsitzende Frau Oberlehrer Cisielsky und als Schriftführer Lehrer Peters gewählt. Dem Beirat gehören außerdem noch 12 Mitglieder an (vergl. Attendorner Volksblatt Nr. 60).
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 88.
20.05.1920 Sitzung der Stadtverordneten
In der heutigen Stadtverordnetensitzung gab Herr Diplom-Ingenieur Hassel vom städtischen Elektrizitätswerk Elberfeld sein Gutachten über den geplanten Umbau des städtischen Elektrizitätswerkes ab. In normalen Zeiten würde er unbedingt zu einem Übergang zum Drehstrom raten. Die Gesamtkosten würden mindestens 1.200.000 Mark betragen und für den nötigen Umbau des Wasserwerkes 150.000 Mark. Durch Verzinsung und Abschreibung dieser hohen Anlagekosten würden die Strompreise ganz erheblich steigen und er müsse deshalb von der Errichtung einer Transformatorenstation im Ennestertore abraten. Da nun aber die Betriebssicherheit des Elektrizitätswerkes unbedingt verbesser werden müsse, so riet er nach Besprechung verschiedener Möglichkeiten zu einer Gleichrichteranlage. Diese Anlage sei zunächst die billigste Lösung, die Betriebssicherheit sei garantiert, und der Nutzeffekt erheblich höher, wie bei jeder rotierenden Maschine. Die zuständige Kommission wurde mit den nötigen Vorarbeiten betraut.
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 88.
23.05.1920 Herrliche Pfingsttage !
Herrliche Pfingsttage waren uns in diesem Jahre beschieden. Der Fremdenverkehr steigerte sich ins Riesenhafte. Ein Wandererzug folgte mit Sang und Klang dem anderen. Die Attahöhle war gut besucht (man spricht von 4.000) und auch die Listertalsperre war ein viel gewähltes Ziel.
Der Männergesangverein Cäcilia errang auf dem Gesangwwettstreite in Siegen drei und in Wissen 4 hohe Preise.
Der Männergesangverein Cäcilia errang auf dem Gesangwwettstreite in Siegen drei und in Wissen 4 hohe Preise.
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 89.
27.05.1920 Sitzung der Stadtverordneten
1. Es wurde beraten und beeschlossen, dass die Stadt als anteilmäßiges Darlehen für Kleinwohnungsbauten ein Sechstel des Reichsdarlehens für 8 Wohnungen übernimmt. Das sind 8 x 2.116 = 16.928 Mark und sich verpflichtet, dieses Darlehen weder abzutreten noch zu verpfänden.
2. Zu Notstandsarbeiten wurden 24.000 Mark zur Ausbesserung des Weges nach Milstenau bewilligt.
2. Zu Notstandsarbeiten wurden 24.000 Mark zur Ausbesserung des Weges nach Milstenau bewilligt.
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 89.
06.06.1920 Reichstagswahlergebnisse
Nach zahlreichen (hier nicht einzeln aufgeführten) Wahlversammlungen fanden heute hier und anderswo die Wahlen zum ersten deutschen Reichstag statt. Die Wahl vollzog sich in aller Ruhe. In Attendorn erhielten die Sozialdemokratie 502, die Unabhängigen 211, das Zentrum 1.386, die christliche Volkspartei 3, die Deutsch-demokratische Partei 105, die deutsche Volkspartei 151, die deutsch-nationale Partei 3 Stimmen. 92% der Wähler haben von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht.
Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn 1898 e.V., Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
23.06.1920 Wohnraum ist knapp
Wegen des immer ernsteren Charakters der Wohnungsnot in unserer Stadt erlassen Magistrat und Wohnungskommission nochmals eine Aufforderung zur freiwilligen Hergabe von Wohnräumen.
Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn 1898 e.V., Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
25.06.1920 Schützenfest nach fünfjähriger Unterbrechung
Nach fünfjähriger Unterbrechung feiern wir nun am Samstag, Sonntag und Montag unser allbeliebtes Schützenfest wieder. Wem schlägt das Herz nicht höher in der Brust, wenn er an die letzten Schützenfeste der Vorkriegszeit zurückdenkt. Wir erin-nern nur an die großartige 500jährige Jubelfeier im Jahre 1910, an das Schützenfest 1913, mit welchem die Weihe der neuen Vereinsfahnen verbunden war und endlich an dasjenige kurz vor Kriegsausbruch, vom Jahre 1914, welches in schönster har-monischer Weise verlief. Mit stiller Wehmut gedenken wir noch der begeisternden Worte, welche der damalige Schützenhauptmann, Gerichtssekretär Otto Kost, der leider auch dem Vaterlande sein junges Leben opfern mußte, am Schützenfestmontag an die Schützenbrüder und Gäste richtete:
Die Feste der Schützengesellschaft sollen Volksfeste sein. Jeder Bürger soll sich an ihnen beteiligen, das Trennende soll an diesen Tagen in den Hintergrund treten, das Einigende soll an der Spitze marschieren und uns alle mit gemeinsamen Banden umschließen. Kleinliche Privatinteressen müssen dem Gemeinwohl weichen, alle sollen an diesen Tagen ein Herz und eine Seele sein; des Tages Sorgen und Mühen, die auf uns alle mehr oder weniger lasten, sollen an diesen Tagen in dieser festlich geschmückten Halle keinen Eingang finden, Frohsinn und Freude sollen sie beleben und Zeugnis ablegen von dem guten Geiste, der unsere Schützengesellschaft beseelt.
Wir können den gefallenen Helden nicht besser ehren, als wenn wir uns diese seine Worte zum Vermächtnis machen, auf daß auch das diesjährige Fest in schönster Harmonie verlaufe. Zum Schluß möchten auch wir dem Wunsche des Vorstandes beipflichten, daß jeder Schütze, dem es möglich ist, sich an den Aufzügen und besonders am Trillertanz beteilige, denn es macht immer einen schönen, imposanten Eindruck, die große Zahl der Schützen, mit den mit Blumen geschmückten Gewehren marschieren zu sehen. Wir wünschen dem Feste einen schönen Verlauf und allen Teilnehmern recht frohe Stunden."
Artikel aus dem Attendorner Volksblatt:
In: Stadtarchiv Attendorn, Depositum Schützengesellschaft, Akte Dep. SG 59, Seite 339.,
Die Feste der Schützengesellschaft sollen Volksfeste sein. Jeder Bürger soll sich an ihnen beteiligen, das Trennende soll an diesen Tagen in den Hintergrund treten, das Einigende soll an der Spitze marschieren und uns alle mit gemeinsamen Banden umschließen. Kleinliche Privatinteressen müssen dem Gemeinwohl weichen, alle sollen an diesen Tagen ein Herz und eine Seele sein; des Tages Sorgen und Mühen, die auf uns alle mehr oder weniger lasten, sollen an diesen Tagen in dieser festlich geschmückten Halle keinen Eingang finden, Frohsinn und Freude sollen sie beleben und Zeugnis ablegen von dem guten Geiste, der unsere Schützengesellschaft beseelt.
Wir können den gefallenen Helden nicht besser ehren, als wenn wir uns diese seine Worte zum Vermächtnis machen, auf daß auch das diesjährige Fest in schönster Harmonie verlaufe. Zum Schluß möchten auch wir dem Wunsche des Vorstandes beipflichten, daß jeder Schütze, dem es möglich ist, sich an den Aufzügen und besonders am Trillertanz beteilige, denn es macht immer einen schönen, imposanten Eindruck, die große Zahl der Schützen, mit den mit Blumen geschmückten Gewehren marschieren zu sehen. Wir wünschen dem Feste einen schönen Verlauf und allen Teilnehmern recht frohe Stunden."
Artikel aus dem Attendorner Volksblatt:
In: Stadtarchiv Attendorn, Depositum Schützengesellschaft, Akte Dep. SG 59, Seite 339.,
29.06.1920 Schützenfest in schwieriger Zeit
Im Attendorner Volksblatt Nr. 76 erscheint an diesem Tage ein ausführlicher Bericht über das Schützenfest in Attendorn:
"Trommelklang und Böllerschüsse kündeten am Samstag nachmittag den Beginn unseres Schützenfestes an, des ersten seit dem Jahre 1914. Der Himmel machte kein gar freundliches Gesicht, doch das änderte nichts an der Schützenfest-Stimmung und gar bald hatte sich eine stattliche Anzahl Schützenbrüder im schmucken Schützenhut und dem Gewehr mitt einem zierlichen Blumenstrauß im Lauf, auf dem Marktplatz eingefunden. Punkt 5 Uhr erschallte das Kommando. Der gewaltige Zug setzte sich in Bewegung zum Abholen der Fahnen, des Hauptmanns und der Könige und in strammem Schritt gings durch die mit Fahnen reich geschmückten Straßen der Stadt zur Vogelrute, von deren Spitze gar bald der stattliche Schützenvogel herniedersah. Nach Beendigung der feierlichen, historischen Zeremonien zog der Zug hinab ins Städtchen, zur festlich geschmückten Schützenhalle. Hier fand zunächst die Ehrung der gefallenen Schützenbrüder statt. Feierlich ernste Stille herrschte in dem großen Raum. Der Schützenhauptmann, Fabrikant Schürmann, ergriff das Wort zu folgender Ansprache:
Hochverehrte Anwesende, liebe Schützenbrüder!
Zum erstenmale nach 6jähriger Unterbrechung zogen wir heute wieder mit klingendem Spiel, wehenden Fahnen und Frohsinn im Herzen hin zu dieser lieben trauten Stätte. Die Stunde heiterster Fröhlichkeit ist angebrochen, aber mit ihr auch die Stunde des Gedenkens. Schützenbrüder, vor 6 Jahren waren in unseren Reihen eine Anzahl frischer, kräftiger, lebensfroher Männer, die heute nicht mehr unter uns sind. Sie zogen hinaus, die Heimat, das Vaterland zu schützen, zu schützen mit ihrem Blut, zu schützen mit ihrem Leben, sie sind nicht wiedergekehrt, sie gingen in den Tod. Schützenbrüder, heute ist für uns die Stunde gekommen, uns ihrer zu erinnern. Ich werde die Namen der gefallenen Helden nochmals verlesen:Kost, Otto, Schüt-zenhauptmann, Biecker Alfred, Biecker Otto, Bilsing Anton, Bilsing Konrad, Bruder Franz, Dieren Dr. Hans, Epe Theodor, Epe August, Frey Karl, Fuhrmann Heinrich, Hormes Johann, Höffer Stephan, Höffer Theodor, Haupt Wilhelm, Haupt Emil, Hilten Toni, Isphording Raimund, König Wilhelm, Rest Wilhelm, Schneider Heinrich, Schneider Josef, Selter Robert, Selter Franz, Sauer Heinrich, Sommer Franz, Strehling Karl, Viegener Albert, Zacker Anton, Zacker Franz, Maiworm Karl.
Ich bitte alle Anwesenden sich zu erheben. Ich bitte Sie nun alle, der lieben, meistens in fremder Erde ruhenden, lieben Schützenbrüder, einige Augenblicke still zu gedenken.
Ein ergreifender Augenblick war es, als dann bei gedämpftem Trommelwirbel und präsentiertem Gewehr der gefallenen Schützenbrüder gedacht wurde.
Schützenbrüder, diese Stunde der Erinnerung soll ein Vermächtnis sein für unsere gefallenen Brüder und es soll fortan eine Ehrenpflicht der jetzigen Schützengeneration sein, alljährlich nach dem Einzug in die Halle der Gefallenen treu zu gedenken. Ich bitte Sie, mir ihr Einverständnis durch Zuruf kundzutun. (Geschieht) Ich danke Ihnen, ich bitte Sie nun alle, dieses nie zu vergessen und meine Nachfolger an die Ehrenpflicht zu erinnern.
Das im Anschluß von den vereinigten Attendorner Musikkapellen gegebene vorzügliche Konzert war aus allen Kreisen der Bürgerschaft gut besucht. Ein besonderer unverhoffter Genuß wurde den Festteilnehmern noch durch mehrere meisterhaft gelun-gene Gesangvorträge eines Doppelquartetts des Kruppschen Beamtenvereins zuteil, das auf ihrer Wandertour in unserer Stadt weilte. Das edle Naß ließ schon bald eine gehobene Stimmung aufkommen, wodurch der Abmarsch eine kleine Verzögerung erfuhr.
Der Sonntag wurde mit Böllerschießen und einem schneidigen Weckruf eingeleitet; der Hauptmann und die Schützenkönige wurden durch ein Ständchen besonders geehrt. Kurz vor 8 Uhr traten die kath. Mitglieder am Vereinslokal an zum gemeinsamen Kirchgang zum ersten Male wieder nach langen, langen Jahren. Das feierliche Schützenhochamt in der Pfarrkirche wurde vom Hochw. Herrn Vikar Schulte am Schützenaltar zelebriert. In seiner Predigt erinnerte er an die Vikariestelle zum hl. Sebastian, die bereits am 5. November 1484 gegründet sei. Im Laufe der Zeit habe sich viel geändert. doch haben wir heute erfreulicherweise wieder die althergebrachte kirchliche Feier. Das Ziel der Schützen am Montag berührend, ging er über zu dem, was jeden christlichen Schützen übernatürliches Ziel sein muß, zu Gott, der auch unser aller Hauptziel sein müsse.
Eine besondere Bedeutung erhielt der Sonntagvormittag in diesem Jahre durch den Schweden- oder Trillertanz, der vor nunmehr sieben Jahren, gelegentlich der Fahnenweihe, zuletzt aufgeführt wurde. Während am Morgen ein leichter Regen fiel, hat-te sich das Wetter inzwischen wieder aufgehellt und war wie zu der Feier geschaffen. Kurz nach 11 Uhr traf der Schützenzug auf dem von Zuschauern dicht umsäumten Marktplatz ein; die Fenster der angrenzenden Häuser waren von Schaulustigen über-füllt. Der Hauptmann machte die Schützenkompagnie auf die hohe Ehre aufmerksam, daß es ihr vergönnt sei, die Tochter des Reichspräsidenten Ebert als Festteilnehmerin begrüßen zu können, er entbot Fräulein Ebert sodann den Schützengruß. Lauter Beifall folgte dieser wohlangebrachten Aufmerksamkeit. Fräulein Ebert dankte freundlichst. Nachdem die Iserköppe, Fahnen, Musik und Trommler Aufstellung genommen hatten, begann der Trillertanz. Die Hellebardenträger Jos. Hammer und Hermann Schröder führten ihn mit großem Schneid an und ihnen ist das gute Gelingen des Tanzes hauptsächlich zu verdanken. Die Beteiligung, besonders der jungen Schützen, war eine große. Nachdem die drei verschiedenen Schleifen getanzt, und unter dem Tusch der Musik das Schwenken der Fahnen, der alten Wahrzeichen der Attendorner Schützengesellschaft geschehen, gings zur Schützenhalle, woselbst Frühkonzert stattfand. Der Ball am Nachmittag und Abend bildete den Schluß des zweiten Festtages.
Der Hauptfesttag ist stets der Montag. Punkt 7 Uhr ging es in schier endlosem Zuge unter den Klängen von zwei Musikkapellen zur Vogelrute zum Vogel- und Scheibenschießen, wo alsbald das Krachen der zahlreichen Schüsse erschallte. Schon um ½ 9 konnten Böllerschüsse verkünden, daß der Königsschuß am Vogel gefallen sei, den Herr Erich Rodomski getan hatte. Auch nach der Scheibe wurde gut geschossen und ging hier nach frischem Kampf als König Herr Julius Höffer hervor. Im Festzuge ging es durch die Stadt zur Schützenhalle, woselbst das Festbankett begann, zu dem auch die Herren Bürgermeister Hennemann, Pfarrer Hillebrand und Vikar Schulte erschienen waren. Hoch gingen hier die Wogen der Festesfreude, welche die Musikkapellen mit ihren schneidigen Vorträgen stets neu zu beleben wußten; nicht minder vermochte dies die beifällig aufgenommene Festrede des Hauptmanns, Herrn Fabrikant Schürmann, der folgendes ausführte:
Hochansehnliche Festversammlung, liebe Schützenbrüder!
Nach Sturm und Gewitterszeit, nach Jammer und Not, die der furchtbarste aller Kriege gezeitigt, haben wir uns heute wieder zusammengefunden, um in alter Weise unser liebes Attendorner Schützenfest zu begehen. Schützenfest, welch schöner Name, traut, vertraut von der frühesten Jugend an, geliebt und geehrt dieser Name von jedem Attendorner, der noch ein Gefühl für seine Heimat hat. Schützenfest, stets sehnlichst erwartet von Alt und Jung, von den mitten im Leben stehenden, schwer schaffenden und sorgenden Manne, wie vom Jüngling in sorgenloser Lebensfrühlingszeit, von dem alten Schützen im Silberhaar, gedenkend in froher Erinnerung der vielen vergangenen Feste gleicher Art, von den Damen jeden Alters, in heiterem Verstehen für die Schützenfestfreuden der Männerwelt, sich ihnen ganz hierin anpassend! Was ist es denn nun mit unserem Schützenfest? Was ist es, was uns zusammenführt? Was ist es, was uns zusammenhält? Es ist das Verlangen der gesamten Bürgerschaft, sich gleichsam zu einer gemeinsamen, großen Familienfeier zusammenzufinden; Bürgersinn und Bürgertreue ist es, was uns führt und was uns hält! Und daß es heute noch genau so ist wie vor hundert Jahren, das hat uns die Samstags- und Sonntagsfeier gezeigt, nicht minder aber der heutige Morgen. Harmonie in allem, ein richtige, echte Familienfeier. Sah oder sieht man doch nur in die Augen der Festteilnahmer, so wußte oder weiß man alles! Erwähnen muß ich noch besonders die öffentlichen Aufzüge der Schützen. Schützenbrüder, wer sich noch freuen kann über Wahres, Edles, Schönes, der hat sich gefreut über das, was er in diesen Tagen miterlebt. Wir Schützen trugen zwar auch Waffen, aber nicht aus Kampfeslust oder reaktionärer Gesinnung. Nein, erstens trugen wir sie der althergebrachten Sitte wegen, und zweitens um in friedlichem, harmlosem Wettkampf den Preis der Würde zu erringen und diejenigen zu ehren, welche ihn erwarben! Hochverehrte Anwesende! So ist es und bleibt es also ein Schützenfest, d.h. ein Bürgerfest in des Wortes wahrster Bedeutung, und diesen Sinn, diese Bedeutung wollen wir hochhalten, so lange uns das Herz in der Brust schlägt, und unsere Schützenfeste werden wirklich soziale Friedensfeste sein und bleiben. Ich nehme nun das Symbol der echten Schützenbrüderlichkeit, den gefüllten Silberhumpen, den Willkommen entgegen und werden ihn erheben auf das Wohl der Schützengesellschaft und mit dem Wunsche, daß durch solche Einigkeit die Heimat, das liebe deutsche Vaterland wieder gesunden und erstarken möge. In diesem Sinne bitte ich Sie, mit mir einzustimmen in den Ruf: Die liebe Heimat, das liebe deutsche Vaterland, sie leben hoch, hoch, hoch!
Im weiteren Verlauf der Feier fand dann die Ehrung des Fabrikanten Herrn Theodor Isphording statt, der vor über 50 Jahren die Königswürde errang. Unter Überreichung der von der Schützengesellschaft gestifteten Erinnerungsmedaille richtete der Hauptmann an den Jubilar folgende Ansprache:
Hochverehrte Anwesende! Noch einmal ergreife ich heute das Wort. Ich tue es gern, gilt es doch einem ganz besonderen Umstande, der Ehrung eines Jubilars, der schon vor 50 Jahren Schützenkönig war.
Sehr verehrte Anwesende, das Leben ist lang, aber dennoch zu kurz, vergänglich ist alles irdische, aber es gibt etwas schönes im Leben, das bleibt, so lange der gesunde Verstand dem Menschen erhalten bleibt. Es ist dieses ein Paradies, aus dem man gleichsam nicht vertrieben werden kann, und dieses Paradies heißt Erinnerung. Es liegt sehr viel Wahrheit in diesem Wort; wenden wir es an bei unserem Jubilar: Welcher Schatz von lieben Erinnerungen durchzieht wohl am heutigen Tage die Brust unseres lieben Königsveteranen? Vor einem halben Jahrhundert schon stand er als Jüngling hier in der Königswürde und dann war er von Jahr zu Jahr als anhängliches Mitglied der Schützengesellschaft stets bei deren Veranstaltungen, lange Jahre sodann als Vorstandsmitglied zum Nutzen der Gesellschaft tätig. Wie manche frohe Stunde, wie manches lebende Bild, so muß man doch die Beschauung von Erinnerungen nennen, geht wohl heute an seinem Auge rückblickend vorüber? Sehr verehrter Herr Jubilar, auch das heutige Bild bitte ich, recht fest in sich aufnehmen zu wollen, da es doch ein Bild von idealer Schönheit ist, ein Bild, aufgemacht in Ehrung für Sie selbst, und Sie alle bitte ich, diesen schönen Akt von Schützenbrüderlichkeit in ihrer Erinnerung fortlaufend zu entwickeln, um im späteren Gedenken das Wesen unserer Schützengesellschaft immer besser zu verstehen und zu würdigen. Als äußeres Zeichen unserer Ehrung werde ich dem Jubilar die eigens zu diesem Zweck von der Schützengesellschaft gestiftete Erinnerungsmedaille überreichen, unseren Glückwunsch aber dahin zusammenfassen, daß wir Herrn Isphording wünschen, daß er noch lange, lange Jahre frohen Genuß in seinen lieben Erinnerungen findet und dabei gern hoffen, daß die, die sich auf Schützenfeste beziehen, immer mit bei den schönsten sind. Diesen Wunsch drücken wir aus in dem Ruf: der Königsjubilar, Herr Theodor Isphording, er lebe hoch, hoch hoch!
Die 50jährige Mitgliedschaft im Verein der Herren Adolf Frey und Emil Wurm wurde durch Verleihung einer Medaille an die Jubilare gefeiert. Ein brausendes Hoch auf die Jubilare bewies die freudige Anteilnahme aller Teilnehmer an dieser Ehrung.
Die ehrenden und begeisternden Reden des Herrn Bürgermeister Hennemann, Pfarrer Hillebrand und Dr. Franz Biecker, die vor allem die Einigkeit im Verein feierten, wurden von den Schützen mit Enthusiasmus aufgenommen.
Der in freudiger Stimmung hinausgeschobene Schluß des Banketts erlitt durch einen Regenschauer noch eine unfreiwillige, aber keineswegs unwillkommene Verzögerung. Die Gemütlichkeit war unübertrefflich.
Ein festliches Leben entwickelte sich noch einmal bei dem Nachmittagskonzert und bei dem nachfolgenden Ball. Das Fest, das seinen historischen Charakter bewahrt hatte, wird bei allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung fortleben."
"Trommelklang und Böllerschüsse kündeten am Samstag nachmittag den Beginn unseres Schützenfestes an, des ersten seit dem Jahre 1914. Der Himmel machte kein gar freundliches Gesicht, doch das änderte nichts an der Schützenfest-Stimmung und gar bald hatte sich eine stattliche Anzahl Schützenbrüder im schmucken Schützenhut und dem Gewehr mitt einem zierlichen Blumenstrauß im Lauf, auf dem Marktplatz eingefunden. Punkt 5 Uhr erschallte das Kommando. Der gewaltige Zug setzte sich in Bewegung zum Abholen der Fahnen, des Hauptmanns und der Könige und in strammem Schritt gings durch die mit Fahnen reich geschmückten Straßen der Stadt zur Vogelrute, von deren Spitze gar bald der stattliche Schützenvogel herniedersah. Nach Beendigung der feierlichen, historischen Zeremonien zog der Zug hinab ins Städtchen, zur festlich geschmückten Schützenhalle. Hier fand zunächst die Ehrung der gefallenen Schützenbrüder statt. Feierlich ernste Stille herrschte in dem großen Raum. Der Schützenhauptmann, Fabrikant Schürmann, ergriff das Wort zu folgender Ansprache:
Hochverehrte Anwesende, liebe Schützenbrüder!
Zum erstenmale nach 6jähriger Unterbrechung zogen wir heute wieder mit klingendem Spiel, wehenden Fahnen und Frohsinn im Herzen hin zu dieser lieben trauten Stätte. Die Stunde heiterster Fröhlichkeit ist angebrochen, aber mit ihr auch die Stunde des Gedenkens. Schützenbrüder, vor 6 Jahren waren in unseren Reihen eine Anzahl frischer, kräftiger, lebensfroher Männer, die heute nicht mehr unter uns sind. Sie zogen hinaus, die Heimat, das Vaterland zu schützen, zu schützen mit ihrem Blut, zu schützen mit ihrem Leben, sie sind nicht wiedergekehrt, sie gingen in den Tod. Schützenbrüder, heute ist für uns die Stunde gekommen, uns ihrer zu erinnern. Ich werde die Namen der gefallenen Helden nochmals verlesen:Kost, Otto, Schüt-zenhauptmann, Biecker Alfred, Biecker Otto, Bilsing Anton, Bilsing Konrad, Bruder Franz, Dieren Dr. Hans, Epe Theodor, Epe August, Frey Karl, Fuhrmann Heinrich, Hormes Johann, Höffer Stephan, Höffer Theodor, Haupt Wilhelm, Haupt Emil, Hilten Toni, Isphording Raimund, König Wilhelm, Rest Wilhelm, Schneider Heinrich, Schneider Josef, Selter Robert, Selter Franz, Sauer Heinrich, Sommer Franz, Strehling Karl, Viegener Albert, Zacker Anton, Zacker Franz, Maiworm Karl.
Ich bitte alle Anwesenden sich zu erheben. Ich bitte Sie nun alle, der lieben, meistens in fremder Erde ruhenden, lieben Schützenbrüder, einige Augenblicke still zu gedenken.
Ein ergreifender Augenblick war es, als dann bei gedämpftem Trommelwirbel und präsentiertem Gewehr der gefallenen Schützenbrüder gedacht wurde.
Schützenbrüder, diese Stunde der Erinnerung soll ein Vermächtnis sein für unsere gefallenen Brüder und es soll fortan eine Ehrenpflicht der jetzigen Schützengeneration sein, alljährlich nach dem Einzug in die Halle der Gefallenen treu zu gedenken. Ich bitte Sie, mir ihr Einverständnis durch Zuruf kundzutun. (Geschieht) Ich danke Ihnen, ich bitte Sie nun alle, dieses nie zu vergessen und meine Nachfolger an die Ehrenpflicht zu erinnern.
Das im Anschluß von den vereinigten Attendorner Musikkapellen gegebene vorzügliche Konzert war aus allen Kreisen der Bürgerschaft gut besucht. Ein besonderer unverhoffter Genuß wurde den Festteilnehmern noch durch mehrere meisterhaft gelun-gene Gesangvorträge eines Doppelquartetts des Kruppschen Beamtenvereins zuteil, das auf ihrer Wandertour in unserer Stadt weilte. Das edle Naß ließ schon bald eine gehobene Stimmung aufkommen, wodurch der Abmarsch eine kleine Verzögerung erfuhr.
Der Sonntag wurde mit Böllerschießen und einem schneidigen Weckruf eingeleitet; der Hauptmann und die Schützenkönige wurden durch ein Ständchen besonders geehrt. Kurz vor 8 Uhr traten die kath. Mitglieder am Vereinslokal an zum gemeinsamen Kirchgang zum ersten Male wieder nach langen, langen Jahren. Das feierliche Schützenhochamt in der Pfarrkirche wurde vom Hochw. Herrn Vikar Schulte am Schützenaltar zelebriert. In seiner Predigt erinnerte er an die Vikariestelle zum hl. Sebastian, die bereits am 5. November 1484 gegründet sei. Im Laufe der Zeit habe sich viel geändert. doch haben wir heute erfreulicherweise wieder die althergebrachte kirchliche Feier. Das Ziel der Schützen am Montag berührend, ging er über zu dem, was jeden christlichen Schützen übernatürliches Ziel sein muß, zu Gott, der auch unser aller Hauptziel sein müsse.
Eine besondere Bedeutung erhielt der Sonntagvormittag in diesem Jahre durch den Schweden- oder Trillertanz, der vor nunmehr sieben Jahren, gelegentlich der Fahnenweihe, zuletzt aufgeführt wurde. Während am Morgen ein leichter Regen fiel, hat-te sich das Wetter inzwischen wieder aufgehellt und war wie zu der Feier geschaffen. Kurz nach 11 Uhr traf der Schützenzug auf dem von Zuschauern dicht umsäumten Marktplatz ein; die Fenster der angrenzenden Häuser waren von Schaulustigen über-füllt. Der Hauptmann machte die Schützenkompagnie auf die hohe Ehre aufmerksam, daß es ihr vergönnt sei, die Tochter des Reichspräsidenten Ebert als Festteilnehmerin begrüßen zu können, er entbot Fräulein Ebert sodann den Schützengruß. Lauter Beifall folgte dieser wohlangebrachten Aufmerksamkeit. Fräulein Ebert dankte freundlichst. Nachdem die Iserköppe, Fahnen, Musik und Trommler Aufstellung genommen hatten, begann der Trillertanz. Die Hellebardenträger Jos. Hammer und Hermann Schröder führten ihn mit großem Schneid an und ihnen ist das gute Gelingen des Tanzes hauptsächlich zu verdanken. Die Beteiligung, besonders der jungen Schützen, war eine große. Nachdem die drei verschiedenen Schleifen getanzt, und unter dem Tusch der Musik das Schwenken der Fahnen, der alten Wahrzeichen der Attendorner Schützengesellschaft geschehen, gings zur Schützenhalle, woselbst Frühkonzert stattfand. Der Ball am Nachmittag und Abend bildete den Schluß des zweiten Festtages.
Der Hauptfesttag ist stets der Montag. Punkt 7 Uhr ging es in schier endlosem Zuge unter den Klängen von zwei Musikkapellen zur Vogelrute zum Vogel- und Scheibenschießen, wo alsbald das Krachen der zahlreichen Schüsse erschallte. Schon um ½ 9 konnten Böllerschüsse verkünden, daß der Königsschuß am Vogel gefallen sei, den Herr Erich Rodomski getan hatte. Auch nach der Scheibe wurde gut geschossen und ging hier nach frischem Kampf als König Herr Julius Höffer hervor. Im Festzuge ging es durch die Stadt zur Schützenhalle, woselbst das Festbankett begann, zu dem auch die Herren Bürgermeister Hennemann, Pfarrer Hillebrand und Vikar Schulte erschienen waren. Hoch gingen hier die Wogen der Festesfreude, welche die Musikkapellen mit ihren schneidigen Vorträgen stets neu zu beleben wußten; nicht minder vermochte dies die beifällig aufgenommene Festrede des Hauptmanns, Herrn Fabrikant Schürmann, der folgendes ausführte:
Hochansehnliche Festversammlung, liebe Schützenbrüder!
Nach Sturm und Gewitterszeit, nach Jammer und Not, die der furchtbarste aller Kriege gezeitigt, haben wir uns heute wieder zusammengefunden, um in alter Weise unser liebes Attendorner Schützenfest zu begehen. Schützenfest, welch schöner Name, traut, vertraut von der frühesten Jugend an, geliebt und geehrt dieser Name von jedem Attendorner, der noch ein Gefühl für seine Heimat hat. Schützenfest, stets sehnlichst erwartet von Alt und Jung, von den mitten im Leben stehenden, schwer schaffenden und sorgenden Manne, wie vom Jüngling in sorgenloser Lebensfrühlingszeit, von dem alten Schützen im Silberhaar, gedenkend in froher Erinnerung der vielen vergangenen Feste gleicher Art, von den Damen jeden Alters, in heiterem Verstehen für die Schützenfestfreuden der Männerwelt, sich ihnen ganz hierin anpassend! Was ist es denn nun mit unserem Schützenfest? Was ist es, was uns zusammenführt? Was ist es, was uns zusammenhält? Es ist das Verlangen der gesamten Bürgerschaft, sich gleichsam zu einer gemeinsamen, großen Familienfeier zusammenzufinden; Bürgersinn und Bürgertreue ist es, was uns führt und was uns hält! Und daß es heute noch genau so ist wie vor hundert Jahren, das hat uns die Samstags- und Sonntagsfeier gezeigt, nicht minder aber der heutige Morgen. Harmonie in allem, ein richtige, echte Familienfeier. Sah oder sieht man doch nur in die Augen der Festteilnahmer, so wußte oder weiß man alles! Erwähnen muß ich noch besonders die öffentlichen Aufzüge der Schützen. Schützenbrüder, wer sich noch freuen kann über Wahres, Edles, Schönes, der hat sich gefreut über das, was er in diesen Tagen miterlebt. Wir Schützen trugen zwar auch Waffen, aber nicht aus Kampfeslust oder reaktionärer Gesinnung. Nein, erstens trugen wir sie der althergebrachten Sitte wegen, und zweitens um in friedlichem, harmlosem Wettkampf den Preis der Würde zu erringen und diejenigen zu ehren, welche ihn erwarben! Hochverehrte Anwesende! So ist es und bleibt es also ein Schützenfest, d.h. ein Bürgerfest in des Wortes wahrster Bedeutung, und diesen Sinn, diese Bedeutung wollen wir hochhalten, so lange uns das Herz in der Brust schlägt, und unsere Schützenfeste werden wirklich soziale Friedensfeste sein und bleiben. Ich nehme nun das Symbol der echten Schützenbrüderlichkeit, den gefüllten Silberhumpen, den Willkommen entgegen und werden ihn erheben auf das Wohl der Schützengesellschaft und mit dem Wunsche, daß durch solche Einigkeit die Heimat, das liebe deutsche Vaterland wieder gesunden und erstarken möge. In diesem Sinne bitte ich Sie, mit mir einzustimmen in den Ruf: Die liebe Heimat, das liebe deutsche Vaterland, sie leben hoch, hoch, hoch!
Im weiteren Verlauf der Feier fand dann die Ehrung des Fabrikanten Herrn Theodor Isphording statt, der vor über 50 Jahren die Königswürde errang. Unter Überreichung der von der Schützengesellschaft gestifteten Erinnerungsmedaille richtete der Hauptmann an den Jubilar folgende Ansprache:
Hochverehrte Anwesende! Noch einmal ergreife ich heute das Wort. Ich tue es gern, gilt es doch einem ganz besonderen Umstande, der Ehrung eines Jubilars, der schon vor 50 Jahren Schützenkönig war.
Sehr verehrte Anwesende, das Leben ist lang, aber dennoch zu kurz, vergänglich ist alles irdische, aber es gibt etwas schönes im Leben, das bleibt, so lange der gesunde Verstand dem Menschen erhalten bleibt. Es ist dieses ein Paradies, aus dem man gleichsam nicht vertrieben werden kann, und dieses Paradies heißt Erinnerung. Es liegt sehr viel Wahrheit in diesem Wort; wenden wir es an bei unserem Jubilar: Welcher Schatz von lieben Erinnerungen durchzieht wohl am heutigen Tage die Brust unseres lieben Königsveteranen? Vor einem halben Jahrhundert schon stand er als Jüngling hier in der Königswürde und dann war er von Jahr zu Jahr als anhängliches Mitglied der Schützengesellschaft stets bei deren Veranstaltungen, lange Jahre sodann als Vorstandsmitglied zum Nutzen der Gesellschaft tätig. Wie manche frohe Stunde, wie manches lebende Bild, so muß man doch die Beschauung von Erinnerungen nennen, geht wohl heute an seinem Auge rückblickend vorüber? Sehr verehrter Herr Jubilar, auch das heutige Bild bitte ich, recht fest in sich aufnehmen zu wollen, da es doch ein Bild von idealer Schönheit ist, ein Bild, aufgemacht in Ehrung für Sie selbst, und Sie alle bitte ich, diesen schönen Akt von Schützenbrüderlichkeit in ihrer Erinnerung fortlaufend zu entwickeln, um im späteren Gedenken das Wesen unserer Schützengesellschaft immer besser zu verstehen und zu würdigen. Als äußeres Zeichen unserer Ehrung werde ich dem Jubilar die eigens zu diesem Zweck von der Schützengesellschaft gestiftete Erinnerungsmedaille überreichen, unseren Glückwunsch aber dahin zusammenfassen, daß wir Herrn Isphording wünschen, daß er noch lange, lange Jahre frohen Genuß in seinen lieben Erinnerungen findet und dabei gern hoffen, daß die, die sich auf Schützenfeste beziehen, immer mit bei den schönsten sind. Diesen Wunsch drücken wir aus in dem Ruf: der Königsjubilar, Herr Theodor Isphording, er lebe hoch, hoch hoch!
Die 50jährige Mitgliedschaft im Verein der Herren Adolf Frey und Emil Wurm wurde durch Verleihung einer Medaille an die Jubilare gefeiert. Ein brausendes Hoch auf die Jubilare bewies die freudige Anteilnahme aller Teilnehmer an dieser Ehrung.
Die ehrenden und begeisternden Reden des Herrn Bürgermeister Hennemann, Pfarrer Hillebrand und Dr. Franz Biecker, die vor allem die Einigkeit im Verein feierten, wurden von den Schützen mit Enthusiasmus aufgenommen.
Der in freudiger Stimmung hinausgeschobene Schluß des Banketts erlitt durch einen Regenschauer noch eine unfreiwillige, aber keineswegs unwillkommene Verzögerung. Die Gemütlichkeit war unübertrefflich.
Ein festliches Leben entwickelte sich noch einmal bei dem Nachmittagskonzert und bei dem nachfolgenden Ball. Das Fest, das seinen historischen Charakter bewahrt hatte, wird bei allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung fortleben."
Stadtarchiv Attendorn, Dep. SG 26, Seite 33; Stadtarchiv Attendorn, Dep. SG 36, Blatt 20
04.07.1920 Wirbel beim Schützenfest um den Besuch der Tochter des Reichspräsidenten
Protokoll über die Sitzung des Schützenvorstandes; hierzu waren sämtliche Vorstandsmitglieder mit Ausnahme des Josef Hüttemann, erschienen. In dieser Sitzung wird zu einem Artikel des Sauerländischen Volksblattes Stellung genommen und ein Leserbrief verfasst wie folgt:
"Der Streit zwischen Sauerländischem Volksblatt und Attendorner Volksblatt über das An- und Nichtangebrachtsein des Grußes an die Fräulein Ebert von Seiten des Attendorner Schützenhauptmanns ist in ein Stadium getreten, welches den Vorstand der Attendorner Schützengesellschaft zwingt, seinerseits zu der Angelegenheit Stel-lung zu nehmen. Soweit der Meinungsaustausch in den beiden Zeitungen sich auf geschäftliche Reibereien erstreckt, kümmert sich selbstverständlich der Schützenvorstand nicht weiter darum. Da aber das Sauerländische Volksblatt sich auf eine angeblich aus Attendorn stammende Zuschrift zu dieser Angelegenheit bezieht und diese veröffentlicht, fühlt er sich verpflichtet, folgendes zu erklären: In der heute mittag stattgefundenen Vorstandssitzung der Attendorner Schützengesellschaft, zu der alle, bis auf ein erkranktes Mitglied erschienen waren, wurden die Angriffe, die sich durch das Sauerländische Volksblatt gegen den Hauptmann richteten, einstimmig mit Entrüstung zurückgewiesen. Der Schützenvorstand, der sich aus allen Kreisen der Bürgerschaft zusammensetzt und dadurch auch Fühlung mit der gesamten Bürgerschaft hat, betont ausdrücklich, daß er genau wie das Attendorner Volksblatt ge-schrieben hat, das Verhalten des Schützenhauptmanns in allem, wie auch besonders in dieser umstrittenen Frage, taktvoll und ganz im Sinne des Vorstandes gefunden hat und die ganze Schützengesellschaft wirklich geschlossen hinter ihm steht. Wenn der Artikelschreiber der Olper Zeitung sich nun bemüht, den Beifall absichtlich in das Gegenteil verdrehen zu wollen, so findet er bei den Attendornern keinen Glauben, folglich muß er sich schon mit seinen Ansichten eine andere Zuflucht suchen. Daß er aber sich dazu versteigt, das Verhalten des Hauptmanns als eine Entgleisung darzu-stellen, ist eine freche Anmassung, die der Vorstand namens der Schützengesellschaft entschieden zurückweist. Der Vorstand ist des weiteren der bestimmten Auffassung, daß, nachdem sich wohl die ganze Bürgerschaft zu dieser Angelegenheit in zustimmendem Sinne ausgesprochen hat, der Attendorner Gewährsmann der Olper Zeitung ein nörgelnder Sonderling sein muß, der mit sich und allem anderen unzufrieden lebt, der Schützenvorstand es sich aber in allem Ernst verbittet, daß dieser Herr dann seine Unzufriedenheit in einer boshaften, den Hauptmann persönlich verletztende Art über diesen öffentlich auszuschütten. Wir können dem Artikelschreiber, der sehr wenig Attendorner zu sein scheint, nur sagen, daß heute unendlich viel Arbeitskraft, Sicherheit und Gewandtheit dazu gehört, um in Attendorn den Posten des Schützenhauptmanns bekleiden zu können, der heutige Hauptmann sich aber auch selbst in den schwierigsten Lagen glänzend bewährt hat, der Artikelschreiber würde sich jedenfalls nicht dazu geeignet haben. Auch sonst scheint der Artikelschreiber garnicht mehr auf dem Laufenden zu sein, sonst würde er nicht zu der Behauptung kommen, es sei das erste öffentliche Auftreten des Schützenhauptmanns. Wir kennen den Schützenhauptmann schon seit langen Jahren sprechend in der Öffentlichkeit. Falls aber der Herr Nörgler unter Öffentlichkeit nur den Marktplatz versteht, dann wollen wir zum Schluß einmal Recht geben. Der Vorstand der Attendorner Schützengesellschaft. I. A.: Der stellvertretende Hauptmann und erster Zugführer: Josef Biecker. Der zweite Zugführer: E. Peiffer. Der Schriftführer: H. Rickert.
"Der Streit zwischen Sauerländischem Volksblatt und Attendorner Volksblatt über das An- und Nichtangebrachtsein des Grußes an die Fräulein Ebert von Seiten des Attendorner Schützenhauptmanns ist in ein Stadium getreten, welches den Vorstand der Attendorner Schützengesellschaft zwingt, seinerseits zu der Angelegenheit Stel-lung zu nehmen. Soweit der Meinungsaustausch in den beiden Zeitungen sich auf geschäftliche Reibereien erstreckt, kümmert sich selbstverständlich der Schützenvorstand nicht weiter darum. Da aber das Sauerländische Volksblatt sich auf eine angeblich aus Attendorn stammende Zuschrift zu dieser Angelegenheit bezieht und diese veröffentlicht, fühlt er sich verpflichtet, folgendes zu erklären: In der heute mittag stattgefundenen Vorstandssitzung der Attendorner Schützengesellschaft, zu der alle, bis auf ein erkranktes Mitglied erschienen waren, wurden die Angriffe, die sich durch das Sauerländische Volksblatt gegen den Hauptmann richteten, einstimmig mit Entrüstung zurückgewiesen. Der Schützenvorstand, der sich aus allen Kreisen der Bürgerschaft zusammensetzt und dadurch auch Fühlung mit der gesamten Bürgerschaft hat, betont ausdrücklich, daß er genau wie das Attendorner Volksblatt ge-schrieben hat, das Verhalten des Schützenhauptmanns in allem, wie auch besonders in dieser umstrittenen Frage, taktvoll und ganz im Sinne des Vorstandes gefunden hat und die ganze Schützengesellschaft wirklich geschlossen hinter ihm steht. Wenn der Artikelschreiber der Olper Zeitung sich nun bemüht, den Beifall absichtlich in das Gegenteil verdrehen zu wollen, so findet er bei den Attendornern keinen Glauben, folglich muß er sich schon mit seinen Ansichten eine andere Zuflucht suchen. Daß er aber sich dazu versteigt, das Verhalten des Hauptmanns als eine Entgleisung darzu-stellen, ist eine freche Anmassung, die der Vorstand namens der Schützengesellschaft entschieden zurückweist. Der Vorstand ist des weiteren der bestimmten Auffassung, daß, nachdem sich wohl die ganze Bürgerschaft zu dieser Angelegenheit in zustimmendem Sinne ausgesprochen hat, der Attendorner Gewährsmann der Olper Zeitung ein nörgelnder Sonderling sein muß, der mit sich und allem anderen unzufrieden lebt, der Schützenvorstand es sich aber in allem Ernst verbittet, daß dieser Herr dann seine Unzufriedenheit in einer boshaften, den Hauptmann persönlich verletztende Art über diesen öffentlich auszuschütten. Wir können dem Artikelschreiber, der sehr wenig Attendorner zu sein scheint, nur sagen, daß heute unendlich viel Arbeitskraft, Sicherheit und Gewandtheit dazu gehört, um in Attendorn den Posten des Schützenhauptmanns bekleiden zu können, der heutige Hauptmann sich aber auch selbst in den schwierigsten Lagen glänzend bewährt hat, der Artikelschreiber würde sich jedenfalls nicht dazu geeignet haben. Auch sonst scheint der Artikelschreiber garnicht mehr auf dem Laufenden zu sein, sonst würde er nicht zu der Behauptung kommen, es sei das erste öffentliche Auftreten des Schützenhauptmanns. Wir kennen den Schützenhauptmann schon seit langen Jahren sprechend in der Öffentlichkeit. Falls aber der Herr Nörgler unter Öffentlichkeit nur den Marktplatz versteht, dann wollen wir zum Schluß einmal Recht geben. Der Vorstand der Attendorner Schützengesellschaft. I. A.: Der stellvertretende Hauptmann und erster Zugführer: Josef Biecker. Der zweite Zugführer: E. Peiffer. Der Schriftführer: H. Rickert.
Stadtarchiv Attendorn, Depositum Schützengesellschaft, Akte Dep. SG 59, Seite 344.
25.07.1920 Engpässe bei der Versorgung der Bevölkerung
Auf Anregung der hiesigen Textilwarengeschäfte hatte Herr Bürgermeister Hennemann eine Sitzung von Vertretern der Verbraucherkreise und der Manufakturwarenkleinhändler einberufen, um zu beraten, wie die Bekleidungsnot am wirksamsten zu lindern sei. Es soll eine Kommission gebildet werden aus Mitgliedern der Verbraucher und der Geschäfte, welche die jeweiligen Verkaufspreise festsetzen und kontrollieren soll. Damit die Verteilung der Waren ordnungsgemäß erfolgt, sollen Karten eingeführt werden, die das Lebensmittelamt demnächst ausgeben wird. Mit der Durchführung dieser Aktion soll sofort begonnen werden.
Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 98.
27.07.1920 Drohende Inflation
Die seitens der Betriebsräte der Stadt Attendorn einberufene Versammlung zwecks Stellungnahme gegen die herrschende Teuerung war überaus stark besucht; auch der Magistrat und das Stadtverordnetenkollegium nahmen daran teil. Versammlungsleiter war Joseph Hanz, der die Versammlung eröffnete. Aus der Versammlung ergriff als erster Kaufmann Stern das Wort und sprach über die Lage in der Manufakturwarenbranche. Er erklärte, daß sämtliche Sommerwaren zu herabgesetzten Preisen verkauft und alle übrigen Waren des Tagespreisen angepaßt werden sollten. Die Beschaffung von Artikeln des täglichen Bedarfs seitens der hiesigen Manufak-turwarenhändler sei bereits in die Wege geleitet, und es sollen diese Artikel zum Selbstkostenpreise an die Bevölkerung abgegeben werden. Um Mißbrauch vorzubeugen, soll durch den Bürgermeister ein Kartensystem eingeführt werden. Angebote des freien Werkschaftskartells in Hemden, Arbeitszeug und Schuhen wurden vom Stadtverordnetenvorsteher Dingerkus als günstig bezeichnet, und er glaubte, die Erklärung der Stadtverordneten abgeben zu können, die Mittel zur Beschaffung dieser Waren seitens der Stadt zur Verfügung zu stellen. Kaufmann Cohn bezeichnet das Angebot in Schuhwaren als günstig. Stadtverordneter Mayworm wies sodann noch hin auf die traurigen Milchverhältnisse und machte betreffs der Kartoffelversorgung den Vorschlag, schon jetzt mit der Landwirtschaft in Verbindung zu treten, damit es der Arbeiterschaft möglich werde, ihren Bedarf für den Winter zu angemessenen Preisen einzukellern. Seitens der Bäckermeister erklärte H. Kost, daß sie nicht schuld an den hohen Preisen seien, sondern diese von oben, den Preisen des Mehls entsprechend, festgesetzt würden. Auch die jetzige schlechte Beschaffenheit des Brotes sei nicht Schuld der hiesigen Bäcker, da diese gezwungen seien, das Mehl zu verbacken, welches ihnen zugewiesen werde. Bürgermeister Hennemann erklärte namens der städtischen Körperschaften, daß die Stadtverwaltung alles versucht habe, die Einwohnerschaft mit billigen Lebensmitteln zu versorgen. Durch die ausgebrochene Maul- und Klauenseuche hier und in der Umgebung sei die Milcherzeugung stark zurückgegangen. Der Milchpreis werde von oben festgesetzt, und man müsse sich darin fügen. Zudem sei die Stadt gezwungen, vom 1. August an Fuhrwerk und Milchkannen für die Abholung der Milch von der Domäne Ewig selbst zu stellen, was ebenfalls zur Verteurung der Milch beitrage. Beschwerden über die hiesige Milchausgabestelle bitte er unter Nennung von Namen auf dem hiesigen Bür-germeisteramt vorzubringen, damit diese Fehler beseitigt werden könnten. Betreffs der Kartoffelversorgung erklärte der Bürgermeister, daß er bis jetzt nichts unversucht gelassen habe, um die Bevölkerung zufrieden zu stellen. In der weiteren Aussprache wurden die Obst-, Gemüse-, Fleisch- und Schuhpreise kritisiert. Die vom Magistrat nach den gesetzlichen Bestimmungen zusammengesetzte Preisprüfungsstelle setzt sich aus folgenden Personen zusammen: Fabrikant Bethke, Metzgermeister Anselm Klewes, Bäckermeister Hermann Kost, Schuhmachermeister Hermann Dahlhoff, Kaufmann Karl Ursell, Fabrikarbeiter Josef Hanz, Oberstadtsekretär Zanders, Bücherrevisor Schäffer, Dreher Josef Mayworm und Prokurist Rustemeyer. Versammlung erklärte sich mit dieser Zusammenstellung versuchsweise einverstanden. Gegenüber Vorwürfen, die in der Wohnungsfrage der Wohnungskommission gemacht wurden, gab Bürgermeister Hennemann eine aufklärende Richtigstellung, inwieweit die Wohnungskommission vorgehen und Wohnungen beschlagnahmen könne. Gegen vorher abgeschlossene Mietverträge sei sie bis jetzt machtlos. Er werde aber dahin wirken, daß sämtliche Mietverträge nur noch mit Zustimmung der Wohnungskommission abgeschlossen werden dürfen. Gegen 12 ½ Uhr fand die Versammlung ihr Ende, die in den meisten Fällen eine Klärung brachte. Hoffentlich trägt sie dazu bei, daß die Preise für die Artikel des täglichen Bedarfs nunmehr eine Senkung erfahren, damit die Ruhe in unserer Stadt aufrecht erhalten bleibt.
Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn 1898 e.V., Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
08.08.1920 Versammlung des Handwerkervereins
Die heute nachmittags abgehaltene Versammlung des hiesigen Handwerkervereins nahm, obwohl nur schwach besucht, einen anregenden Verlauf. Der Vorsitzende Schreinermeister Stinn besprach die gegenwärtige schwierige Lage des Handwerks, dessen Selbständigkeit schwer bedroht sei. Hinsichtlich des Baugewerbes und Bauhandwerks sei diese Gefahr in der mit stattlicher Unterstützung gegründeten Produk-tionsgenossenschaften zu erblicken. Aber auch die übrigen Handwerker hätten alle Ursache, auf ihrer Hut zu sein. Es wurde ein Ausschuß gebildet, der alle einschlägigen Fragen behandeln und Richtlinien zur wirksamen Abwehr geben soll. Auch die Presse wurde gebeten, durch Veröffentlichung der ihr zugehenden Artikel aufklärend auf das Publikum zu wirken. Wegen der Kohlenversorgung sind vom Vorstand Schritte getan worden, die eine bessere Belieferung der Handwerker erhoffen lassen. Im übrigen wurde wiederholt auf die Notwendigkeit des engeren Zusammenschlusses der Handwerker hingewiesen. Um eine öftere Aussprache zu ermöglichen, sollen die Versammlungen wieder allmonatlich abgehalten werden.
Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn 1898 e.V., Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
09.08.1920 Turner erfolgreich
Mit Preisen ausgezeichnet kehrte heute morgen die Turnabteilung des hiesigen Jünglingsvereins von dem gestern in Herdorf abgehaltenen Bezirksfest der Deutschen Jugendkraft zurück. Im Wetturnen errangen die Attendorner neun Preise und im Fußballwettspiel den ersten Preis.
Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 102.
10.08.1920 Im weißen Rössl
Im Volkshaus brachte heute Abend H. Heythausens Kölnisches Volkstheater die Posse "Im weißen Rössl" auf die Bretter. Morgen gelangt das Detektivstück "Der Hund von Baskerville" zur Aufführung.
Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 102.
15.08.1920 Gewerkschaftsfest
In den Räumen des Volkshauses wurde das erste Gewerkschaftsfest in Attendorn gefeiert. Es hatten sich Kollegen eingefunden aus Finnentrop, Meggen, Langenei, Olpe und Würdinghausen, die z[um] T[ei]l schon am Vormittag angekommen waren, um dem von 11 bis 1 Uhr von der Freiwilligen Feuerwehr-Kapelle gespielten Frühkonzert beizuwohnen. Nach dem Festzuge, der sich mit zwei Musikkapellen nach-mittags durch die Straßen der Stadt bewegt hatte, begrüßte Kollege Josef Mayworm aus Attendorn die Versammlung. Ein Führer der Gewerkschaftsbewegung, der Bezirksleiter des Deutschen Metallarbeiterverbandes, K. Spiegel aus Düsseldorf, hielt die Festrede, in der er die schweren Kämpfe schilderte, welche die deutsche Arbeiterbewegung in früheren Jahrzehnten, besonders in den Zeiten des Sozialistengesetzes, zu bestehen hatte. Im hiesigen Bezirk war es in erster Linie Kollege Joseph Mayworm, der sich, tatkräftig von seinem Vater und seinen Brüdern unterstützt, mit seiner ganzen Person für das Werk einsetzte. Im weiteren Verlauf des Festes brachte das Programm neben Konzertvorträgen zwei Theaterstücke der Freien Bühne und einige Vorträge des Plettenberger Arbeitergesangvereins. Vor der Abreise dankte eines der Mitglieder der auswärtigen Verbände im Namen der Gäste den Attendornern für das schöne Fest. Ein Ball bildete den Schluß der Versammlung.
Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn 1898 e.V., Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
27.08.1920 Karges Gehalt für den Kirchenschweizer
Der Kirchenvorstand und die Gemeindevertretung der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist genehmigen dem Kirchenschweizer ein Jahresgehalt von 600 Mark.
Pfarrarchiv Attendorn, Akte A 18, Seite 417.
29.08.1920 Reichswirtschaftsminister a.D. in Attendorn
Der frühere Reichswirtschaftsminister Abgeordneter Wissel weilte heute in unserer Stadt. Er hatte in Werdohl eine Versammlung abgehalten und beabsichtige auch hier zu sprechen. Da der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten, dessen Mitglied Genosse Wissel ist, einberufen war, mußte er behufs Teilnahme an der Sitzung seinen hiesigen Aufenthalt, nachdem er die Höhle und das Museum besucht, vorzeitig abbrechen, um sich nach Berlin zu begeben.
Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn 1898 e.V., Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
23.09.1920 Sozialdemokratische Zeitung erscheint nicht mehr
Der Verlag der sozialdemokratischen Zeitung Volkswacht teilt mit, dass er sich im Hinblick auf die Ungunst der Verhältnisse veranlasst sehe, vom 1. Oktober ab das Erscheinen des Blattes einzustellen.
Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn 1898 e.V., Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
18.10.1920 Metallindustrie erhält Fachschule
Schon seit längerer Zeit ist die Einrichtung einer Fachschule für die Arbeiter der eisen- und metallgewerblichen Industrie angestrebt worden. Die Vorarbeiten sind nunmehr zum Abschluss gebracht, die Lehrkräfte gewonnen und als Schulraum ist der Zeichensaal des Gymnasiums zur Verfügung gestellt. Eine heute Abend im Hotel zum Rauch stattgehabte Versammlung der interessierten Kreise hat die Pläne gutgeheißen, und es soll mit dem Unterricht schnellstens begonnen werden. Die Aufzunehmenden müssen das 16. Lebensjahr vollendet haben und eine mindestens zweijährige praktische Tätigkeit im Eisen- und Metallgewerbe nachweisen können. Vorläufig sind wöchentlich zwei mal zwei Lehrstunden vorgesehen, welche sich auf Zeichnen, Geometrie und Algebra erstrecken. Außerdem finden regelmäßig alle zwei Wochen Vorträge aus der Eisen-, Metall- und Hüttenkunde statt. Weitere Vorträge sind in Vorbereitung. In das Kuratorium wurden folgende Herren gewählt: Fabrikant Alex Kaufmann, Robert Scherer, Werkmeister Heimann und Kunstschlosser Strecker.
Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 110.
17.12.1920 Amerikanisches Schmalz für Attendorner Bevölkerung
Stadtverordnetenversammlung.
6)... Die Lebensmittelkommission wird ermächtigt, 80 Fass nordamerikanischen Schmalzes zum Mindestpreis von 18 Mk. für das Pfund zu verkaufen. ...
6)... Die Lebensmittelkommission wird ermächtigt, 80 Fass nordamerikanischen Schmalzes zum Mindestpreis von 18 Mk. für das Pfund zu verkaufen. ...
Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn 1898 e.V., Chronik der Stadt Attendorn, Band 2.
01.02.1921 Hohe Steuern beschlossen
Öffentliche Stadtverordnetensitzung.
1)
Gewählt wurden als Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt Dingerkus, als dessen Stellvertreter Prokurist G. Rustemeyer, als Schriftführer Oberstadtsekretär Zanders und als dessen Stellvertreter Professor Kalbfleisch.
3)
Zur Deckung des Gemeindefehlbetrages sollen zu den staatlich veranlagten Grund- und Gebäudesteuern je 550%, zu den Gewerbesteuern 750% und zu den Betriebssteuern 100% Zuschlag für das Steuerjahr 1920 erhoben werden. Auf der Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetensitzung soll die Beschlussfassung über die Einführung der Gewerbekopfsteuer vorgesehen werden.
10)
Stadtverordneter Wessing bverurteilt namens der Schneiderinnung entschieden, daß bei der Verteilung der Stoffe vom Reichskleiderlager die Schneidermeister nicht berücksichtigt worden sind. Herr Bürgermeister schildert den Hergang der Verteilung an Hand der bestehenden Verfügungen und bedauert sehr, daß die Schneidermeister nicht eher ihre Wünsche vorgetragen haben.
1)
Gewählt wurden als Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt Dingerkus, als dessen Stellvertreter Prokurist G. Rustemeyer, als Schriftführer Oberstadtsekretär Zanders und als dessen Stellvertreter Professor Kalbfleisch.
3)
Zur Deckung des Gemeindefehlbetrages sollen zu den staatlich veranlagten Grund- und Gebäudesteuern je 550%, zu den Gewerbesteuern 750% und zu den Betriebssteuern 100% Zuschlag für das Steuerjahr 1920 erhoben werden. Auf der Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetensitzung soll die Beschlussfassung über die Einführung der Gewerbekopfsteuer vorgesehen werden.
10)
Stadtverordneter Wessing bverurteilt namens der Schneiderinnung entschieden, daß bei der Verteilung der Stoffe vom Reichskleiderlager die Schneidermeister nicht berücksichtigt worden sind. Herr Bürgermeister schildert den Hergang der Verteilung an Hand der bestehenden Verfügungen und bedauert sehr, daß die Schneidermeister nicht eher ihre Wünsche vorgetragen haben.
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 120/121
13.02.1921 Wahlversammlung bei Dingerkus
Die Zentrumspartei veranstaltete die erste öffentliche Wahlversammlung im Dingerkusschen Saale, die Rentmeister Hüttemann als stellvertretender Vorsitzender eröffnete und in der der Kandidat der Zentrumspartei für den hiesigen Wahlkreis, Justitiar Dr. Horster aus Altena, über Wirtschaftspolitik und Zentrum sprach.
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 122.
14.02.1921 Brennholz für die Schulen
Öffentliche Stadtverordnetensitzung.
4)
Von dem auf dem Feuerteiche lagernden Holze sollen 100 Zentner an die Schulen verteilt und der Rest freihändig in Mengen nicht über 10 Zentnern ohne Kohlenkarte verkauft werden. Stadtverordneter Göddenhoff erklärt, daß er sein Mandat als Stadtverordneter infolge Wegzuges von Attendorn niederlege.
4)
Von dem auf dem Feuerteiche lagernden Holze sollen 100 Zentner an die Schulen verteilt und der Rest freihändig in Mengen nicht über 10 Zentnern ohne Kohlenkarte verkauft werden. Stadtverordneter Göddenhoff erklärt, daß er sein Mandat als Stadtverordneter infolge Wegzuges von Attendorn niederlege.
Stadtarchiv Attendorn, Chronik der Stadt Attendorn, Band 2, Seite 123.