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Datum: 08.06.2022

Für eine Zeit ohne Zeugen

Die InfoTastic Academy Attendorn, die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Initiative „Jüdisch in Attendorn“ laden am Mittwoch, 15. Juni 2022, um 19.30 Uhr, zu einem Kinoerlebnis der ganz besonderen Art ein. Gezeigt wird die überraschend lebensechte Projektion von Abba Naor, einem Überlebenden des Holocaust.

Wie Holocaustüberlebende mit ihren Geschichten auch über ihren Tod hinaus berühren können

Abba Naors Lebensgeschichte ist für die heutigen Generationen kaum greifbar, aber doch typisch für die Biografien von Millionen Opfern des Nationalsozialismus. Abba Naor ist heute 94, lebt in Israel und hat glücklicherweise den Holocaust überlebt. 

Als 13-jähriger, Halbwaise, seine Mutter und seine Brüder wurden Opfer der Nazis, durchlief er mehrere Konzentrationslager. Als das Dachauer Außenlager Kaufering 1945 aufgelöst wurde und die Nazis die noch lebenden Juden in einem brutalen Todesmarsch durch das Reichsgebiet schickten, konnte er von US-Soldaten befreit werden. Danach traf Naor seinen Vater wieder und emigrierte nach Israel, wo er für mehrere Geheimdienste arbeitete.

Projektion am 15. Juni 2022 im JAC Kino Attendorn

Am Mittwoch den 15.06. um 19:30 Uhr sitzt auf der Bühne im Attendorner JAC-Kino ein alter Mann in einem roten Sessel. Er sieht aus wie Abba Naor und er erzählt die traurigen Geschichten, die Abba Naor erlebt hat. Im Anschluss an seinen 40-minütigen Vortrag beantwortet er Fragen.

Das Ungewöhnliche daran: Der echte Abba Naor ist gar nicht anwesend, sondern hält sich in seiner neuen Heimat in Israel auf. Auf der Bühne ist eine Projektion von ihm zu sehen, die dank 3D-Brillen für die Zuschauer täuschend echt wirkt. Die Geschichten und die Antworten sind es. Mittels von Computern werden die Fragen der Zuschauer ausgewertet und so die passenden Antworten eingespielt. Fast so, als würde man sich mit dem echten Abba Naor unterhalten.

Bald gibt es keine Zeitzeugen mehr

Das Ganze ist ein Projekt der Ludwig-Maximilians-Universität München. Wenn in Zukunft keine echten Zeitzeugen mehr leben, soll so sichergestellt werden, dass zumindest ihre Geschichten weiterleben. Dies gelingt dem Team um Prof. Dr. Anja Ballis und Ernst Hüttl eindrucksvoll.

„Es ist ein beeindruckendes Beispiel, wie man mit technischen Innovationen etwas Positives und Wichtiges für die Menschheit leisten kann“ so Patrick Schwane von InfoTastic e.V., der über eine Projektwoche für die St.-Franziskus-Schule auf das Projekt aufmerksam wurde. So kam die Idee, gemeinsam mit der Initiative „Jüdisch in Attendorn“ eine Veranstaltung für die Öffentlichkeit zu organisieren. Nicht nur Geschichtslehrer und historisch interessierte Menschen sind die Zielgruppe der Veranstaltung, sondern auch all diejenigen, die sich aufgrund aktueller Ereignisse in der Welt Sorgen machen. Wer die Geschichten Abba Naors hört, der weiß, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Dank technischer Hilfsmittel wird Abba Naor seine Geschichten auch dann noch erzählen können, wenn er selbst nicht mehr lebt.

Freier Eintritt - Unter 15 Jahren nicht geeignet

Da das Team der Ludwig-Maximilians-Universität München kostenlos arbeitet und die Hansestadt Attendorn das Projekt unterstützt, ist der Eintritt am Mittwoch für alle Interessierten frei. Die Veranstaltung ist für Personen unter 15 Jahren aufgrund der grausamen Geschichten nicht geeignet. Einlass ist ab 19:00 Uhr. Der Vortrag beginnt um 19:30 Uhr.