Mittelstandspanel:
Von den 3,4 Millionen Mittelständlern in Deutschland investierten im vergangenen Jahr 15 %weniger als im Vorjahr. Dieser deutliche Rückgang deckt sich mit dem gesunkenen Investitionsvolumen: Während der Mittelstand 2002 noch mehr als 200 Mrd. EUR investierte, sank das Volumen im vergangenen Jahr um 9 % auf rund 190 Mrd. EUR. "Der Rückgang an Investitionen ist ein ernstzunehmendes Problem, das eine Gefahr für unsere Volkswirtschaft darstellt", sagte Hans W. Reich vor wenigen Tagen auf der Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung des KfW-Mittelstandspanels 2004 in der KfW-Zentrale in Frankfurt.
Die Ergebnisse des Mittelstandspanels basieren auf einer repräsentativen Wiederholungsbefragung, bei der im jährlichen Vergleich bis zu 15.000, zum größten Teil identische Unternehmen, die weniger als 500 Mio. EUR Jahresumsatz erzielen, über alle Branchen hinweg zum Investitionsverhalten und zu Beschäftigungseffekten befragt werden. Das Panel bezieht damit als einzige repräsentative Studie in der Forschung zum deutschen Mittelstand auch die 2,3 Millionen Unternehmer mit ein, die weniger als 5 Beschäftigte haben.
Trotz des Rückgangs von Investitionen kann der Mittelstand seiner Funktion als Jobmotor noch gerecht werden: Im Gegensatz zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat die Zahl der Beschäftigten im Mittelstand zwischen 2001 und 2003 im Durchschnitt jährlich um knapp 3 %zugenommen. "Die Analyse zeigt, dass neue Arbeitsplätze im Mittelstand vor allem da entstehen, wo notwendige Investitionen durchgeführt werden können", sagt Hans W. Reich, Vorstandssprecher der KfW Bankengruppe. Nach Ergebnissen des Mittelstandspanels 2004 wächst die Mitarbeiterzahl investierender Unternehmen um etwa 3,5 Prozentpunkte stärker als die Beschäftigung in vergleichbaren nichtinvestierenden. "Angesichts der Tatsache, dass der Mittelstand hierzulande drei Viertel aller Erwerbstätigen beschäftigt, nämlich rund 26,6 Millionen Menschen, muss es darum gehen, diesen Rückgang von Investitionen schnellstens zu stoppen",sagte Reich.
Die Ergebnisse des Mittelstandspanels belegen erstmals anhand von repräsentativen Daten, welche schwerwiegenden Folgen die viel beschriebenen Finanzierungsprobleme des Mittelstands haben: So kamen 13 % der geplanten Investitionen nicht zustande, weil Kreditverhandlungen scheiterten. Lediglich 41 % aller mittelständischen Unternehmen, die zur Finanzierung ihrer geplanten Investition Kreditverhandlungen führten, schlossen diese auch erfolgreich ab.
Der Vergleich von mittleren und kleinen Mittelständlern zeigt, dass große Unternehmen dabei weitaus erfolgreicher sind: Knapp 60 % der Mittelständler mit mehr als 50 Beschäftigten führen die Kreditverhandlungen zu einem Abschluss, während bei den Unternehmern mit weniger als 5 Beschäftigten lediglich 37 % ihre Verhandlungen mit einem Erfolg krönen konnten.
Das Scheitern ging der Kreditverhandlungen ging in 57 % der Fälle von den Kreditinstituten und in 43 % der Fälle von den Unternehmen aus. Die Mittelständler gaben folgende Gründe an, warum sie die Verhandlungen abgebrochen haben:
- "geforderte Sicherheiten konnten nicht gestellt werden"(41 %)
- "zu hohe Zinsen" (34 %)
- Bei kleineren Mittelständlern hat zudem der Ablehnungsgrund "schlechte Beratung durch die Bank" eine Rolle gespielt(24 %).
Nach Aussage der Unternehmer gaben die Banken folgende Gründe an, warum die Finanzierung nicht zustande gekommen ist:
- "unzureichende Sicherheiten" (60 %)
- "veränderte Geschäftspolitik". Insgesamt jeder zehnte investitionsbereite Mittelständler ist von diesem Ablehnungsgrund betroffen.
"Die Banken achten aus wirtschaftlich gut nachvollziehbaren Gründen sehr genau darauf, ob sich ein Geschäft für sie rechnet und sie mit den Risiken umgehen können. Die Unternehmen müssen sich in den Punkten Transparenz und Eigenkapitalausstattung auf das veränderte Bankenverhalten einstellen", so Reich.
Die Kurz- und Langfassung des KfW-Mittelstandspanels 2004 finden Sie im Internet zum kostenlosen Download unter
www.kfw.de
Quelle: E-Mail Newsletter des Gruender-Beraters vom 02.12.2004
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