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Attendorn ist Station auf dem neuen Jakobsweg von der Elbe zum Rhein

Ein Wanderrucksack auf einer Bank unter einem Baum

(von Dr. Walter Töpner)

Eine neue Route des Jakobsweges führt von der Elbe zum Rhein und berührt dabei die alte Hansestadt Attendorn. In einer Linie von Ost nach West durchqueren die Pilger auf alten Kaiser- und Handelsstraßen die alten Handelsstädte Magdeburg, Goslar, Paderborn, Attendorn sowie Köln und Bonn. Funde von Pilgermuscheln und anderen Pilgerzeichen in Attendorn und anderen Städten an Jakobswegen belegen, dass sie einst wichtige Etappenorte für die Jakobpilger waren. Teilweise folgt die neue Route Handels- und Kaufmannsrouten der Hanse oder der Heidestraße im Sauerland.

Von Elspe, der Stadt mit alter Jakobustradition, folgt der Pilgerweg auf der Heidenstraße dem Lauf der Lenne nach Grevenbrück. In St. Klaas (St. Nikolaus) überquert er die Repe und über Dünschede an der alten romanischen Martins-Kirche vorbei gilt es einen den mächtigen Bergriegel zu überschreiten. Beim Abstieg hinunter nach Attendorn kommt man auf halber Höhe an der stattlichen Burg Schnellenberg vorbei, die 1222 vom Kölner Erzbischof Engelbert zum Schutz der Heidenstraße erbaut wurde. Heute kann man im Burghotel der umgebauten Burg unter alten Gewölben vortrefflich speisen, die Pilger früherer Zeiten mussten freilich noch hinunter ins Tal zur Flussbrücke gehen, wo sie sie das Barbara Hospital in Empfang nahm, von dem noch heute die Spitalkirche (Barbara-Kapelle) erhalten geblieben ist. Der schlichte niedrige Saalbau im 16. Jh. wurde südlich vor der Stadt errichtet. Im Inneren ist im Apostelzyklus aus den Jahren 1697-99 Jakobus der Ältere als Pilger zu erkennen.

Attendorn lag am Schnittpunkt von Pilger- und Handelstraßen Attendorn war als Handels- und Pilgerort begünstigt durch seine Lage am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Fernstraßen: der Heidenstraße und der Königsstraße (via regia), die von Frankfurt nach Lübeck verlief. Wie die Ausgrabungen von 1974 zeigten, besitzt die Marktsiedelung Attendorn im 9. Jh. bereits eine Kirche, die hl. Johannes dem Täufer geweiht war. Sie lag wohl als Taufkirche an einer Straße, auf der Kölner Missionare den neuen Glauben über Meinerzhagen in das bis dahin dünn besiedelte und unwegsame Sauerland trugen. Die enge Beziehung zu Köln zeigt sich daran, dass Attendorn eine der zwölf Urpfarreien des alten Erzbistums Köln ist. Um 1100 wird die erste Missionskirche aus dem 9. Jh. zu einer dreischiffigen Anlage erweitert. Anfang des 13. Jhs. entsteht in Attendorn eine spätromanische Basilika, die ihr Vorbild in den Kölner Kirchen mit Dreikonchenchor hatte. Aus romanischer Zeit sind der Taufstein aus Trachyt und ein Vortragekreuz aus der zweiten Hälfte des 12. Jhs. bemerkenswert.

In der Zeit vom Ende des 11. bis zum Anfang des 13. Jhs. entwickelt sich die Stadt zu einer ersten Blüte. Erzbischof Engelbert von Köln verleiht 1222 dem aus einer Bauernsiedlung an der Heidenstraße entstandenen Ort die Soester Stadtrechte und befestigt ihn neu mit Mauern und Graben. Von der Stadtbefestigung haben sich der Bieke- und Pulverturm in der Nähe des Ennester Tores erhalten. Im Schutze dieser sicheren Stadt haben Pilger sicher gern genächtigt. Im Tal bei der Flussbrücke lag das Barbara Hospital, dessen Spitalkirche erhalten geblieben ist und eine Jakobusfigur im Apostelzyklus vorweisen kann.

Im 14. Jh. wird Attendorn Mitglied der Hanse. Die Kaufleute, die mit den Pilgern den hl. Jakobus als Patron gemein haben, handeln mit Produkten des heimischen Eisengewerbes, der Weberei und Gerberei, die sie im Norden und Osten absetzen und ihnen großen Reichtum einbringen. Wie der Neubau der St.-Johanniskirche legt auch das gotische Rathaus Zeugnis vom gestiegenen Wohlstand der Stadt und ihrer Bürger ab, der sich auch in zahlreichen Stiftungen von Kaufleuten niederschlägt. Die offene Laubenhalle im Erdgeschoss diente dem Verkauf von Waren. 1328 lässt sich die Kaufmannsbruderschaft ihre dem hl. Nikolaus geweihte Kapelle in der Ennester Straße von Erzbischof Heinrich bestätigen.

Wer in Attendorn nach Spuren der Jakobspilger sucht wird auf die Jakobusfigur stoßen, die noch heute in der Pfarrkirche am linken Seitenaltar steht. Sie gehörte zu einem Altar der Jakobus- und Andreas-Vikarie. Und ist eine Arbeit des Bildhauers Johann Sasse aus Attendorn. Die Gestalt des hl. Jakobus ist in einen weiteren Umhang eingehüllt, die Tunika zeigt lange senkrechte Falten. Mantel und Tunika sind grauweiß und mit Goldborten eingefasst. Der Blick des Pilgerapostels ist auf sein in der Ferne liegendes Ziel Santiago de Compostela gerichtet. In der Nähe des Sebastianaltares fand man vor einigen Jahren das fast zwei Meter große Skelett eines mittelalterlichen Pilgers aus dem 13. Jh., dem man eine Jakobsmuschel auf die Brust gelegt hatte. Er befand sich vermutlich auf der Rückreise von Santiago nach Skandinavien. Im Kreisheimatmuseum wird ein sog. Pilgerhorn aufbewahrt, das vom Anführer einer Pilgergruppe beim Erreichen eines Ortes geblasen wurde. Ferner wird dort eine spätgotische Jakobusfigur um 1500 aufbewahrt. Wenn die Pilger die Hansestadt Attendorn gestärkt wieder verließen, gingen sie auf der Heidenstraße weiter zu den Städten Meinerzhagen, Marienheide, Lindlar, Hohkeppel nach Köln oder Bonn.

Attendorn ist heute wieder Etappenort auf dem neuen Jakobsweg von der Elbe zum Rhein. Dieser wieder entdeckte Fernwanderweg kann dazu beitragen, die innere Einheit Deutschlands zu fördern und zu einem weiteren Bindeglied zwischen Ost und West werden. Das Wandern führt die Menschen unweigerlich zusammen und das Gehen bricht die innere Erstarrung auf und führt zu neuen Zielen. Attendorn wird zu schönen Erfahrungen auf einer Jakobswanderung gehören, weil man hier die Sauerländer Gastlichkeit und Gemütlichkeit behaglich genießen kann. Wer als Jakobspilger unterwegs von den einsamen Höhen des Sauerlandes weit ins Land hinaus geblickt hat, für den bleibt dieser Wegabschnitt ein unvergeßliches Erlebnis.

Das Titelbild des Buches von Walter Töpner
Walter Töpner, Wege der Jakobspilger (Band 1) - Magdeburger Börde, Harz, Solling, Sauerland, Rheinland, Paulinus Verlag , Trier, mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 3-7902-1316-0, € 19,90

Fotoimpressionen von Dr. Walter Töpner

Ein Holzschild als Wegweiser
Wegweiser nach Cobbenrode. Der Weg zwischen Elspe und Eslohe nimmt ein Stück die Richtung des alten Heerweges.
Die Kapelle Bremscheid
Die kleine Wegkapelle Bremscheid ist dem hl. Jakobus geweiht.
Innenansicht der Attendorner Pfarrkirche
In der St. Johanneskirche in Attendorn hat man 1974 ein Pilgergrab mit Muschel entdeckt, verm. 13. Jahrhundert.

Heiligenstatue des St. Jakobus
Seit dem 17. Jh. gibt es in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Attendorn einen Jakobusaltar mit einer Jakobusstatue.

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