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„böse verfahrenen wege(n)“

Die Heidenstraße im Bereich Förde/Grevenbrück

An der Förder Linde in Grevenbrück erfährt die Heidenstraße eine weitere Würdigung durch eine zusätzliche Bronzetafel. Dargestellt sind Heidenstraße und Römerweg. Der Text lautet: „Heidenstraße, jahrhundertealter Heer- und Handelsweg von Leipzig nach Köln. Im Mittelalter auch Pilgerweg nach Santiago de Compostela in Spanien. Förder Linde: Bedeutender mittelalterlicher Knotenpunkt von Heidenstraße und Römerweg. St. Nikolaus, Wegbegleiter an der Heidenstraße – Errichtet 2004 Pfarrei St. Nikolaus Grevenbrück, Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück e.V.“

Alten Karten zufolge gab es zwei Routen von Grevenbrück zur Förder Linde: die Lohmker und die Förder Route, wobei die Lohmker Route die ältere ist. Durch die Lohmke, „wo nach Aussage von Bauern früher 10 bis 12 Wegespuren nebeneinander lagen, die z.T. über 3 m tief waren“, ging es aufwärts zur Förder Linde. Deutliche Relikte der Hohlwege sind jetzt noch oberhalb der Bebauung im Restwald des Anwesens von Schünzel zu finden.

Die Förder Route dagegen verlief im Bogen um den Remmel, um die Steigung für schwerere Fahrzeuge zu verringern, was dafür spricht, dass sie die jüngere ist. Das Kartenstudium stützt diese Annahme. Sowohl in den Seutter- (1735) als auch in den Zittard-Karten (1757) ist die Förder Route nicht vorhanden. Die Le-Coq-Karte von 1805 enthält dagegen beide, aber schon 1815 führt die Heidenstraße in einer Karte von Eckhardt direkt auf Förde zu, und zwar ging nach J. Boerger vor dem Bau der Chaussee „der alte Fuhrweg zwischen den Häusern Tilmann und Baltes durch die Veischeide“.

Die Flurkarte von 1832 und auch die Uraufnahme der topografischen Karte von 1841 verzeichnen nur noch die Förder Route. In dieser Uraufnahme ist wenige Meter flussabwärts von der Furt bereits eine Brücke vorhanden. Bedenkt man, dass die alten Fernwege oft in katastrophalem Zustand waren - Caspar von Fürstenberg spricht 1608 von „böse verfarenen wege(n)“ - so ist leicht einzusehen, dass der 1824 im Veischedetal ausgebauten Chaussee nach Meschede, der heutigen B 55, der Vorzug gegeben wurde. Der Weg war zwar weiter, gewährleistete aber ein unbeschwerlicheres und schnelleres Fortkommen.

St. Claas

Die Heidenstraße verlief von der Förder Linde „am rechten Rand des kleinen Tales der Vollmersbieke, eng an den Berg angelehnt, nach St. Claas, um über festen Untergrund zu fahren“. In der Wiese sind noch Spuren der alten Trasse zu erkennen. Um 1928 entstanden die ersten Häuser auf dem zugeschütteten Hohlweg der Heidenstraße.

Der Ort ist nach dem hl. Nikolaus benannt, denn dessen Statue stand schon jahrhundertelang am Ufer der Repe, ehe im 19. Jahrhundert die ersten Häuser gebaut wurden. Die „vielbefahrene Heidenstraße“ führte in einer Furt durch das Wasser. Wegen des kalkhaltigen Untergrundes floss die Repe bei wenig Niederschlag als unterirdischer Bach. Bei Regen dagegen schwoll das Gewässer schnell an und war dann kaum zu durchqueren. St. Nikolaus als Patron der Seefahrer, Reisenden und Kaufleute sollte wohl sicheres Geleit durch die unberechenbare Repe gewähren.

Bereits vor Abriss des Heiligenhäuschens 1974 war die Heiligenfigur zerstört worden. 1987 kehrte St. Nikolaus zurück, und zwar in eine Grotte nicht weit vom früheren Standort entfernt.

Quelle: „Wandern und Pilgern auf der Heidenstraße – Auf den Spuren der Jakobuspilger im kurkölnischen Sauerland zwischen Oberkirchen und Attendorn“ (ISBN 3-89710-296-X, Bonifatius-Verlag Paderborn) von Annemarie und Herbert Schmoranzer und Franz-Norbert Scheele, Herausgegeben vom Sauerländer Heimatbund.

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