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„Rund um den Dünscheder Sattel“

Dünschede

Mohnblumen (Papaveraceae) inmitten eines Weizenfeldes erfreuen nicht nur das Auge, sondern weisen auch auf die Vegetation des Gebietes hin, das eines der fruchtbarsten im Sauerland ist. Klatsch-Mohn liebt sowohl nährstoffreichen Boden als auch „warme Kalkböden“. Weil die Dünscheder Fluren sich in bzw. am Rande der Attendorn-Heldener Massenkalk-Mulde befinden und der Kamm des Ebbegebirges sie vor kalten West- und Nordwestwinden schützt, kann Weizen hier gedeihen. Im Regenschatten dieses Ebbegebirges liegend, gehören die Senken von Helden und Attendorn zu den niederschlagärmsten Gebieten des Kreises Olpe. Der Jahresniederschlag beträgt weniger als 1000 mm.

Dünschede liegt am landschaftlich reizvollen Sattel, der die Attendorner und Heldener Massenkalk-Mulde trennt. Typisch für die Heidenstraße ist, dass sie, wo immer es geht, über solche Bergsättel führt, um unnötige und schwierige Steigungen zu meiden. Das ermöglicht dem Wanderer und Pilger, in fast gerader Linie kilometerweit von einem Sattel auf den anderen zu blicken und den Verlauf seines Weges zu verfolgen. Z.B. kann man von der Lausebuche in Elspe zur Förder Linde schauen und von dort zum Dünscheder Sattel.

Wichtig für den tatsächlichen Verlauf der Heidenstraße im Dünscheder Raum ist der Fund einer Zwei-Sou-Münze von 1792, die das Bildnis König Ludwig XV. trägt. Sie wurde um 1900 im Bereich des schmalen und breiten Heerweges im Feld beim Eggen gefunden.

Kirchhofsmauer in Dünschede

„Die ältesten Kirchdörfer des Sauerlandes sind daran zu erkennen, daß in ihnen die Kirchen auf einem annähernd runden bis ovalen Platz stehen, der ursprünglich (teilweise bis heute) als Begräbnisplatz diente und von einer Ringmauer eingefaßt war“. „Die Kirchhofsmauer trennte nicht nur den geweihten Boden vom weltlichen Treiben, sondern begründete auch Asylrecht“.

Die Dünscheder Kirchhofsmauer wurde aus heimischem Kalkstein erbaut. In den Fugen haben sich „Pflanzenspezialisten“ eingefunden, die „mit ihren zarten Wurzeln“ der Mauer nicht schaden, z.B. die Mauerraute und der braunstielige Streifenfarn. In einem „Außerordentlichen Recess“ von 1737 wird die Mauer bereits erwähnt. Sie sei „ruinös“ und müsse innerhalb eines halben Jahres repariert werden. An der Ostseite des Kirchhofes ist noch ein Stück der ursprünglichen Mauer zu finden.

Pfarrkirche St. Martinus Dünschede und Jakobusmuschel

Dünschede gehört zu den frühen Kirchdörfern des Südsauerlandes, obwohl das heutige Gotteshaus erst zwischen 1213 und 1216 konsekriert wurde. Bei Grabungen im Jahr 1974 stieß man in der Apsis der alten Kirche auf Fundamente von zwei Vorgängerbauten, deren älteste Teile wahrscheinlich aus der Zeit zwischen 1000 und 1050 stammen. Bei diesen Grabungen entdeckte man unter den Bodenplatten inmitten menschlicher Knochen auch eine Jakobusmuschel, die heute im Pfarrhaus aufbewahrt wird.
Bereits 1954 hatte man in dieser Apsis Fresken aus dem 14. Jahrhundert freigelegt, u.a. „die Mantelteilung des hl. Martin am Stadttor von Amiens und darüber die Christuserscheinung, durch die Martin belehrt wird, dass er im Bettler Christus gedient hat“. Dargestellt ist aber auch Bischof Theodoricus aus Estland, der von 1213 bis 1216 „Adjutor des Erzbischofs von Köln war“ und in dessen Auftrag Kirchen im hiesigen Raum weihte. Neben ihm befindet sich ein Mann mit einer Keule, um anzudeuten, dass Theodoricus erschlagen wurde, als er nach Estland zurückkehrte.

Haus Kirchhoff-Drüecke Dünschede

Um die ‚Röthe‘, den Dorfmittelpunkt von Dünschede, gibt es eine Reihe von alten Fachwerkhäusern. Das älteste im Dorf ist heute das Haus Kirchhoff. Für die Heidenstraße im Bereich des kurkölnischen Sauerlandes gilt noch immer, was Norbert Scheele 1938 schrieb: „Wie leuchten dem Wanderer in einem freundlichen Sauerlanddorf die schönen Fachwerkhäuser mit den inhaltsreichen Inschriften entgegen. Wie wissen sie so vieles aus der Vergangenheit der Väter zu erzählen!“. Die rechts von diesem Haus befindliche jahrhundertealte Linde unterstreicht diese Aussage.

Quelle: „Wandern und Pilgern auf der Heidenstraße – Auf den Spuren der Jakobuspilger im kurkölnischen Sauerland zwischen Oberkirchen und Attendorn“ (ISBN 3-89710-296-X, Bonifatius-Verlag Paderborn) von Annemarie und Herbert Schmoranzer und Franz-Norbert Scheele, Herausgegeben vom Sauerländer Heimatbund.

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