Die geplante Aussichtsplattform neben der SGV-Hütte am Biggesee ist derzeit ein großes Gesprächsthema in Attendorn. Mit einem "Offenen Brief an die Attendorner Bürger" nimmt Bürgermeister Wolfgang Hilleke nach seiner Urlaubsrückkehr Stellung zur aktuellen Diskussion.
In der Stellungnahme vom 3. August 2012 heißt es wörtlich:
"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
in den vergangenen Wochen musste man den Eindruck gewinnen, an der SGV-Hütte passiere etwas ganz Schlimmes, weil die schöne Aussicht mit einem Stahlmonster verbaut werde. Dabei wurde auch der Eindruck erweckt, der SGV sei von dieser Entwicklung vollkommen überrollt worden. Der Zeitpunkt dieser Diskussion sowie die Art und Weise der Auseinandersetzung sind irritierend. Die Aussichtsplattform ist ein Landschaftskunstobjekt, das sich in die Umgebung der SGV-Hütte und in die Natur einbettet. Dieses Projekt hat der Rat der Hansestadt Attendorn bereits am 14. Dezember des letzten Jahres nach vorheriger Beratung im Fachausschuss einstimmig beschlossen. Dies geschah im Rahmen des „Interkommunalen integrierten Handlungs- und Umsetzungskonzeptes zur Vitalisierung der Region Biggesee-Listersee“. Alle Unterlagen hierzu stehen seither auf der städtischen Homepage der Öffentlichkeit zur Verfügung. Bis zu den Sommerferien gab es von allen Seiten eine weitestgehende Zustimmung zu diesem Projekt. Eine grundsätzliche Ablehnung wurde von keiner Seite geäußert. Dass nun zur politischen Sitzungspause plötzlich eine derart destruktive Stimmung gemacht wird, ist überraschend und in keiner Weise nachvollziehbar.
Nachfolgend möchte ich auf die wichtigsten Punkte eingehen, um Ihnen den aktuellen Sachstand über das Projekt zu geben.
Als Eigentümer der Fläche war es der Hansestadt Attendorn wichtig, den SGV als Nutzer der angrenzenden Fläche so früh wie möglich über das Vorhaben zu informieren. Deshalb hat bereits im Juni 2011 ein Gespräch vor Ort stattgefunden, bei dem auch erste Überlegungen zu einer möglichen Lage und Form der Plattform erörtert wurden. Weiterhin haben wir dem SGV unmittelbar nach dem Ratsbeschluss im Dezember 2011 die aktuellen Unterlagen zum Projekt zur Verfügung gestellt. Zudem haben wir angeboten, die Pläne zur Aussichtsplattform auf der Jahreshauptversammlung des SGV vorzustellen. Leider wurde dieses Angebot nicht angenommen. Da im Februar 2012 in der Presse zu lesen war, dass das Projekt bei vielen Mitgliedern auf Kritik stoße, habe ich bei einem Gespräch in anderer Sache mit Vertretern des SGV im März 2012 die Gelegenheit genutzt, sie auf dieses Meinungsbild anzusprechen. Dabei wurde seitens des SGV vorgetragen, dass Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung von den Plänen der Plattform nicht begeistert wären bzw. Bedenken wegen des zu erwartenden Besucherstroms bei den sonntäglichen Öffnungszeiten bestünden. Eine grundsätzliche Ablehnung des Projektes wurde jedoch nicht geäußert.
Der Hansestadt Attendorn war es wichtig, den SGV frühzeitig zu informieren und einzubinden. Neben der grundsätzlichen Absicht, die Idee der Plattform vorzustellen, war uns der Hinweis an den Verein wichtig, dass mit dem Regionale-Projekt die Attraktivität des Standortes erhöht werden soll, um mehr Menschen den Anreiz zu geben, diesen Aussichtspunkt zu besuchen und dass daher auch höhere Besucherzahlen zu erwarten sind. Natürlich gab es zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine konkreten Pläne zur Aussichtsplattform. Allen Beteiligten war im Gespräch klar, dass sich die endgültige Gestaltung der Plattform im Entwicklungsprozess ergeben wird. Das ist auch daran erkennbar, dass der 1. Vorsitzende Michael Heller im Juli 2011 per Mail der Hansestadt Attendorn mitgeteilt hat, dass der Vorstand des SGV der Errichtung einer Plattform zustimme.
In den Wochen und Monaten nach dem Gespräch mit dem SGV haben wir bei der Planung erkannt, dass man mit den ursprünglich angedachten Maßen nicht die beabsichtigte Wirkung erzielen kann. Deshalb wurde die Idee zu der in der Ratsvorlage dargestellten Aussichtsplattform weiterentwickelt. Über die endgültige Version in ihrer Dimensionierung haben wir den SGV vor der Versendung der Sitzungsvorlage nicht noch einmal ausdrücklich informiert, weil uns die grundsätzliche Zustimmung des Vorstandes zu einer Plattform bereits vorlag.
Aber nichtsdestotrotz: Wenn diese endgültige Version der Plattform nicht den Vorstellungen des SGV entspricht, so stellt sich die Frage, warum er bislang nie seine grundsätzliche ablehnende Haltung artikuliert hat, obwohl ihm die konkreten Pläne seit mehr als einem halben Jahr vorliegen. Bis zu den Sommerferien konnten wir also davon ausgehen, dass der SGV das Projekt mitträgt. Und zu Beginn der Sommerferien wurde dann deutlich, dass sich der Wind offensichtlich gedreht hat und die SGV-Fahne nun in eine andere Richtung weht. Und dies zu einem Zeitpunkt, in dem die Plattform fertig geplant, der Bauantrag gestellt und die Finanzierung gesichert ist.
Man kann verstehen, dass es Unsicherheiten und Sorgen im SGV über die Entwicklung gibt. Die Aussichtsplattform wird Veränderungen bringen. Aber dennoch ist eine faire Diskussion wünschenswert, die nicht nur risiko- sondern auch chancenorientiert ist. Deshalb ist es irritierend, wie der SGV seit Beginn der Sommerferien wenig konstruktiv und vor allem einseitig über das Projekt spricht. So wurde beispielsweise die Verwaltung leider auch nicht zu der Informationsveranstaltung vor 14 Tagen an der SGV-Hütte eingeladen, um die Idee und Ziele des Projektes darzustellen und die Ausgestaltung der Plattform vorzustellen. Wie aber sollen sich die Bürger eine Meinung bilden können, wenn eben diese Ziele gar nicht bekannt sind?
Die Aussichtsplattform ist durch die einseitige Darstellung und die teilweise fehlerhaften Informationen in ein falsches Licht geraten. Bedauerlicherweise konnten wir bislang nicht offensiver über das Projekt informieren und die Aussichtsplattform frühzeitig der Öffentlichkeit präsentieren. Das liegt im Wesentlichen daran, dass es ein weiter Weg von der Konstruktion bis zur Detailausführung ist. Bislang lagen keine aussagekräftigen Bilder der fertigen Plattform vor. Da wir aber unbedingt etwas zeigen wollten, haben wir bisher Bilder veröffentlicht, die ausschließlich die statische Konstruktionsplanung zeigen. Dies war aus heutiger Sicht sicherlich nicht optimal. Denn die Bilder vermitteln eine falsche Wirkung. Durch sie konnte möglicherweise die Angst aufkommen, es entstünde ein riesiger Stahlklotz. Da die Detailplanungen der Plattform inzwischen abgeschlossen sind, können nun auch realistische Illustrationen vorgestellt werden. Sie finden diese am Ende meines Schreibens, damit Sie sich ein eigenes Bild machen können.
Die Plattform wird an einem Wanderweg oberhalb des Biggedamms errichtet. Sie stellt für Wanderer und Besucher aus Richtung Waldenburg oder Damm kommend, ein sichtbares und anzustrebendes Ziel mit dem „Versprechen“ dar, von hier oben aus die Landschaft und die Aussicht auf besondere Weise zu erleben. Wer den Anstieg genommen hat, kann auf der Plattform einen atemberaubenden Ausblick auf die Talsperre, die Gilberginsel, die Burgruine Waldenburg und die umliegenden Wälder genießen.
Die Erwartungshaltung des Wanderers und des Urlaubers hat sich im Laufe der Jahre verändert. Neben das traditionelle, ambitionierte und ausdauernde Wandern ist heute eine weitere Form des kürzeren und intensiven Erlebens des Wanderns getreten. Dabei suchen viele Menschen bewusst die Kunst im Landschaftsraum als qualitativen Bestandteil der Naturerfahrung. Sie wollen einen Mehrwert, nämlich das „außergewöhnliche“ Erlebnis.
Auf der Plattform wird man über den Baumkronen stehen und dadurch eine völlig andere Wahrnehmung der Natur und Umgebung erleben. Ähnlich der Vogelperspektive vermittelt der Gang über die Baumkronen ein Gefühl von Freiheit und Weite. Es sind gerade diese neuen und anderen Sichtweisen, die solche Plattformen in den Alpen oder am Grand Canyon so anziehend machen. Warum nicht eine Nummer kleiner bei uns in Attendorn? Wir schaffen damit ein neues und einmaliges Ausblick-Erlebnis aus über 90 Metern Höhe auf unseren Biggesee und seine Umgebung. Damit bekommen wir ein Alleinstellungsmerkmal, das Menschen von nah und fern anlocken wird. Und wir wollen doch ein größeres touristisches Potenzial erschließen und gleichzeitig unseren Bürgern etwas bieten!
Die Konstruktion der Aussichtsplattform stellt einen interessanten Kontrast zur bestehenden SGV-Hütte dar. Dies mag auf den ersten Blick fremd erscheinen, auf den zweiten bilden das Alte und das Neue eine wunderbare Symbiose. Die Aussichtsplattform ist eine optisch fast frei schwebende Konstruktion. Die Stützen haben bspw. lediglich einen Durchmesser von 9 Zentimetern! Das entspricht ungefähr der Seite einer quadratischen Milchtüte. Durch die zusätzlich geplante abendliche Beleuchtung wird die Wirkung dieser schwebenden Konstruktion verstärkt und gleichzeitig ein außergewöhnliches Ambiente geschaffen. Das wird ein echter Hingucker, über den überregional berichtet werden wird und mit dem die Hansestadt Attendorn wunderbar werben kann.
Bei dem Regionale-Projekt „Biggesee-Listersee“ geht es um die Inszenierung der Seen. Deshalb werden mit dieser Aussichtsplattform eine einzigartige Wahrnehmung des Biggesees und neue Blickbeziehungen ermöglicht. Das funktioniert mit einem Turm mit Blick auf die Hansestadt Attendorn und deren Umland nicht, der zudem einen wesentlich stärkeren Eingriff in die Landschaft darstellen würde. Zudem gibt es schon viele solcher Türme, z.B. im Homert und im Ebbegebirge, so dass es an der Einzigartigkeit und einem Alleinstellungsmerkmal fehlen würde. Letzten Endes würde ein solcher Turm mangels Barrierefreiheit aber auch Menschen mit Behinderung ausgrenzen.
Dieses Projekt passt wunderbar in unsere Region und trägt zur überregionalen, positiven Wahrnehmung des Biggesees und der Hansestadt Attendorn bei. Im Rahmen der Regionale 2013 arbeitet die Hansestadt Attendorn eng mit den Städten Drolshagen, Meinerzhagen und Olpe sowie dem Kreis Olpe und dem Märkischen Kreis zusammen, um das Projekt „Naturerlebnisgebiet Biggesee-Listersee“ mit aller Kraft voranzutreiben. Wir wollen unsere Region und unsere Stadt noch lebenswerter machen und sie auch für Touristen deutlich attraktiver gestalten. Dazu passt gerade auch ein solches Landschaftskunstobjekt als weiteres Highlight, das in seiner Einmaligkeit und Qualität den Anreiz erhöht, unsere Stadt zu besuchen. Es lockt Gäste und bringt zusätzliche Kaufkraft. Davon profitiert die ganze Stadt.
Verständlicherweise gibt es die Ansicht, den sanften, ruhigen Tourismus, wie wir ihn heute an der SGV-Hütte vorfinden, so zu bewahren. Allerdings haben bislang lediglich die Mitglieder des SGV, seine Gäste, die Mieter der Hütte und Zufallsbesucher diesen wunderbaren Ort genossen. Auch viele Attendorner waren schon lange nicht mehr dort oben, vielleicht sogar noch nie. Durch die Aussichtsplattform haben wir jetzt die einmalige Chance, diesen Ort neu zu beleben. Wir schaffen einen sichtbaren Anziehungspunkt, eine weitere Attraktivität und ein einmaliges Aussichtserlebnis. All das wird nicht nur Touristen, sondern auch Attendorner reizen, die neu geschaffene Aussicht regelmäßig zu erleben.
Heute sind die Blickbeziehungen von der Geländekante aus gesehen nach links und rechts durch Buschwerk und Bäume eingeschränkt. Durch die Aussichtsplattform wird der Blick auf den Biggesee und seine Umgebung deutlich erweitert. Sie schafft damit ganz neue und ungestörte Perspektiven. Selbstverständlich wird man aber auch weiterhin links und rechts neben dem Auftritt zur Plattform auf den Biggesee und die umliegende Landschaft schauen können.
Der Anglizismus Skywalk hat sich aus der Berichterstattung ergeben. Innerhalb der Verwaltung wird von einer Aussichtsplattform gesprochen.
Die Befürchtung des SGV, die Besuchermassen nicht mehr ehrenamtlich mit eigenen Vereinsmitgliedern bewirten zu können, bestätigt den erwarteten Erfolg des Vorhabens. Sie bekräftigt aber auch die Weitsicht der Stadtverordneten bei ihrer Entscheidung für das Projekt. Aber eine solche Bewirtung wird seitens Politik und Verwaltung gar nicht erwartet, selbst wenn sich andere Vereine über eine solche Chance sicher freuen würden. Zudem ist die Hütte an 6 Tagen der Woche gar nicht bewirtet.
Bisher war geplant, die zunächst veranschlagten 175.000 Euro mit einer 80% Förderung durch die Regionale und 35.000 Euro Eigenanteil zu finanzieren. So wurde es in der Ratssitzung am 14. Dezember 2011 beschlossen. Die Gesamtkosten der Plattform belaufen sich nach abgeschlossener Planung ohne Stromversorgung nun auf rund 215.000 Euro und überschreiten somit die beantragte Förderung. Zudem ist die Bewilligung der Regionale-Mittel zeitlich und in ihrer Höhe ungewiss. Daher haben wir im Rathaus in den vergangenen Monaten nach einer alternativen Finanzierung gesucht. Mit der Stiftung der Sparkasse Attendorn-Lennestadt-Kirchhundem haben wir einen starken Partner gefunden. Ich danke an dieser Stelle dem Kuratorium der Stiftung für die Unterstützung dieses besonderen Landschaftskunstobjektes. Andere Städte wären froh über solche Möglichkeiten!
Nachdem der Rat das Projekt bereits am 14. Dezember 2011 beschlossen hat, wird in der kommenden Sitzung am 19. September 2012 darüber entschieden, ob das Angebot der Stiftung der Sparkasse Attendorn-Lennestadt-Kirchhundem angenommen wird. Damit wären wir unabhängig von Fördermitteln in der Lage, dieses Projekt noch in diesem Jahr zu realisieren und pünktlich zur Regionale 2013 ein weiteres touristisches Markenzeichen für unsere Hansestadt zu schaffen. Denn die Aussichtsplattform ist das Highlight in diesem gesamten Projekt und damit ein entscheidender Baustein in unserem Antrag, für den wir inzwischen auch den 3. Stern im Regionale 2013-Projekt erhalten haben. Damit verbunden ist ebenso die Erwartung des Fördergebers auf die Realisierung der Kernprojekte im Gesamtprojekt. Und ein solches Kernprojekt ist die Plattform für das Themenfeld Wandern.
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger. Die Aussichtsplattform ist eine einmalige Chance mit der wir ein außergewöhnliches Erlebnis schaffen und so die Attraktivität unserer Stadt weiter steigern. Machen Sie sich anhand der Illustrationen ein eigenes Bild von der nun fertig geplanten Aussichtsplattform. Lassen Sie uns mit Mut und Weitblick Attendorn weiter nach vorne bringen.
Es grüßt Sie herzlichst
Ihr
Wolfgang Hilleke
Blick auf die geplante Aussichtsplattform von oben.
Blick auf die geplante Aussichtsplattform von unten bei Tag.
Blick auf die geplante Aussichtsplattform von unten bei Nacht.
Ärztenotdienst für das Wochenende:
22./23. Juni 2013
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