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Osterbrauchtum in Attendorn

"Dat Poskekrüz dat is dai Stolz..."

Die Semmelsegnung zu Ostern in Attendorn

Attendorn und seine Ostertradition. Weit bekannt und einzigartig. Und das Schöne ist: der Brauch lebt!

Nichts wird in Attendorn so hoch gehalten wie die Tradition. Selbst in Notzeiten gerieten die althergebrachten Sitten nicht in Vergessenheit. Auch bestimmte Osterbräuche sind bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Ein Brauch, in Westfalen ansonsten gänzlich unbekannt, ist die Segnung der Ostersemmel am Karsamstag um 14.00 Uhr. An der Pastoratsseite der Pfarrkirche Sankt Johannes Baptist, welcher auch liebevoll "Sauerländer Dom" genannt wird. Der Semmel hat an seinen Enden jeweils einen Einschnitt. Somit bilden sich zwei mal zwei Hörner. Es könnte sich hier um vereinfachte Form des Fisches handeln, ein Zeichen der Frühchristen. Eine Deutung, die im Hinblick auf die Katakombenzeit der frühen Christen gar nicht so abwegig erscheint. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1658. Hier schreibt der damalige Attendorner Pastor Zeppenfeld in seinem Rentenbuch auf, das Karsamstag in Attendorn an der Kirche die Brote gesegnet werden. Es spricht vieles dafür, das dieser Brauch noch älteren Ursprungs ist. Kurz nach dem Semmelsegnen ziehen die vier Osterfeuervereine in den Wald, um das Osterkreuz, das „Poskekrüz", zu fällen. Die Stadt stellt die über 30 Meter langen Fichten jedes Jahr zur Verfügung. Das war aber nicht immer so. Früher war es üblich, dass das Osterkreuz bei Nacht und Nebel aus "Großvaters Berg" geholt wurde. Im Jahr 1879 hatten die Poskebrüder jedoch Pech. Man wurde ertappt und die Tanne beschlagnahmt. Die Poskebrüder mussten eine Gefängnisstrafe in Olpe absitzen. Seit 1932 gehen die vier Pooten, benannt nach den ehemaligen Stadttoren Ennester Tor, Kölner Tor, Niederstes Tor und Wassertor gemeinsam in den Wald und schlagen ihr Osterkreuz. Die mächtigen Tannen werden Ostersonntag mit einem Querbalken versehen und die Seitenstreben und Zöpfe mit Stroh umwickelt. Dies gibt dem Osterkreuz sein Aussehen.

Kindern mit Fackeln in der Hand

Wochen vorher gehen die Poskebrüder samstags in den Wald und sammeln Brennholz für das Feuer. Hier werden Reisigholz zu Bündeln, den sogenannten Bürden, zusammengebunden und auf den Osterfeuerplatz, den sogenannten „Osterkopp", gebracht. Dass hier bei guter Verpflegung die Stimmung einfach nur Spitze ist, weiß jeder, der dies schon einmal mitgemacht hat. Groß und klein erleben hier an den Samstagen vor Ostern zünftige Gemeinschaft, Lagerfeuer und manch Vertelleken und Döneken aus alter Zeit. Besonders die Kinder sperren die Ohren weit auf, wenn der Opa von alter Zeit in der Poote erzählt.

Ein brennendes Osterkreuz in Attendorn

Ostersonntag ist es um 21 Uhr so weit. Auf ein Zeichen des erleuchteten Kirchturmkreuzes werden die vier Osterkreuze angezündet und verkünden den Menschen im Sauerland die Botschaft: „Christus ist auferstanden!" Die Osterkreuze leuchten weit von den Hügeln ins Sauerland hinab. Fast zeitgleich ziehen von den alten Standorten der vier Stadttore jeweils eine Osterabendprozession in die alte Hansestadt. Vorangetragen werden je eine alte Prozessionslaterne. Die älteste Laterne stammt aus dem Jahre 1808 und wird vor der Kölner Poorte getragen. Der Ursprung der Prozession wird wohl in das Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts zu datieren sein. Als Abschluss der Osterfeierlichkeiten gilt eine Abendandacht in der Pfarrkirche. Attendorn und seine Ostertradition. Weit bekannt und einzigartig. Wer schon einmal dabei gewesen ist, wird das bestätigen können. Und das Schöne ist: der Brauch lebt. Immer wieder sind die Attendorner - ob jung oder alt - dabei, dieses schöne und alte Brauchtum aufrecht zu erhalten. (Ein Bericht von Peter "Pittjes" Höffer, Fotos: Ralf Breer, Hattingen)

Weitere beeindruckende Bilder und Geschichten vom Osterbrauchtum in Attendorn mit allen Terminen gibt es auf der Homepage der "Attendorner Geschichten".

Die Termine in diesem Jahr

Karsamstag (07.04.2012):

14:00 Uhr Semmelsegnen auf Pastoratsseite der Pfarrkirche Sankt Johannes Baptist

15.00 Uhr Kreuze holen

17:30 Uhr Kreuze messen & Plattdeutsche Ansprache auf dem “Alten Markt”

21:00 Uhr Feier der Osternacht – St. Johannes Baptist Attendorn

Ostersonntag (08.04.2012):

13:00 Uhr Kreuze aufstellen

21:00 Uhr Osterfeuer auf den “4 Köppe” in Attendorn, anschließend Prozession in die Innenstadt und Andacht in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist Attendorn

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Osternest mit vier Eiern, einer Postkarte und einem Ostersemmel (Foto: Tom Kleine & Sabrina Theilemann, Stadt Attendorn)

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